Geschichte Gratkorns
bemerkte, wie sich ihr Haushund angstlich verkroch. Auch einem Knecht, er war gerade von sei- ner im R6tschgraben wohnenden Geliebten auf dem Heimweg, begegnete die wilde Jagd. In sei- nem Ubermut soll er gerufen ha- ben: "Schickt's mir a Fleisch z' haus ! " Als der Bursche daheim ankam, fand er vor seiner Haus- ttir einen halbverwesten Hasen. Sooft er das Aas vergrub, am nachsten Tag lag es stets wieder an derselben Stelle. Erst nach- dem der Vorfall einem Geistli- chen gebeichtet und eine Messe gezahlt war, fand der Hase sei- nen Frieden.8 BeschlieBen m6chte ich dieses Kapitel mit einem Exkurs tiber Volksmedizin, wobei die Gren- zen zum medizinischen Aber- glauben bisweilen tiberschritten werden. Es haben sich bis ins 19. Jahrhundert hinein interessante alte Brauche erhalten, von denen jene genannt weden sollen, die nur hier anzutreffen sind. Zog sich die Geburtsprozedur eines kleinen Gratkomers allzu sehr in die Lange, so hob die Hebamme die Gebatende an den FtiBen empor und schtittelte sic. Sodann siedete man sieben Eier und gab das Sudwasser der Krei- senden zu trinken (dieser Brauch ist auch von den Stidslawen tiberliefert). Gedieh der kleine Gratkorner in den ersten Lebensjahren nicht mach Wunsch, mischte man hierorts Lerchen-, Tannen- und Fichtennadeln ins Bad. Gegen Epilepsie wuBte sich der Gratkomer zu schitzen, indem er Menschenknochen brannte, zu Pulver stieB und davon zweimal taglich eine Dosis schluckte. Als Altemative dazu konnte ein To- tenschadel in frischem Wein an- gesetzt werden. Nach drei Tagen erfolgte die Abseihung, dreimal taglich hatte der Epileptiker da- von zu trinken. Und wer sich ge- gen W61fe schtitzen wollte, der trug einen StrauB Kranewitt am Hut. Solches half angeblich auch bei Schwindelgefuhl.9 Das Rannachhaus auf der Hohen F}annach (1018 in) in den 30er- Jahren. (AG) Bei der "Weinz6dl -Brdcke", sie wird 1559 erstmals erwahnt, wuschen die Gratkorner einst Gold, wenn auch mit wenig Erfolg, Seit dem frtj- hen 18. Jahrhundert tlberquerte hier die Kommerzialstrar3e Wien - Triest (Brucker Straf3e / Grazer StraBe in Gratkorn) die Mur. Als "Weinzierl" bezeichnete man tlbrigens den Win- zer; bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde an den Abhangen des Admonter - Kogels (wie auch am Hausberg) Weinbau betrieben. Die Brt]cke wurde 1953 abgetragen. (Sammlung Horst Ziegler) 3 Ebenda, S. 20. - Der Name "Leber(n)" !aBt zumindest den Archaologen aufhorchen. Die ro- mische Stadt Lewer soll sich yon der Hub bis auf die Leber er- streckt haben, tiber Jahrhunder- te sollen langs der Strace die Schutthaufen van den Hausem zu sehen gewesen sein. Belm Griesacker, so erzahlte man s!ch, bestand der Stadtplatz, Ebenda, S. 63. 4 Uberliefert bet A Weis,1884, S. 101 f . 5 S!ehe W. Brunner,1994, S. 351. 6 Uberliefert bei H. v. d. §ann,1892, S.15. 7 Ebenda, S. 21. 8 Ebenda, S.15. 9 V. Fossel, 1889, S. 54, 84, 91 u. 136.
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