Geschichte Gratkorns
SA®EEN Zwar erfreuen sich im Gebiet der Marktgemeinde Gratkorn man- che Sagen auch heute noch ei- nes gewissen Bekanntheitsgra- des, doch ist ihre Anzahl ver- 91eichsweise gering zu dem, was noch im 19. Jahrhundert die GroBeltern den Enkeln tiberlie- ferten. Mit dem drastischen Eine wohl sehr alte Sage berich- tet von "Trtimmer[n] und Denksteine[n] aus der R6mer- zeit"2 , die auch in St. Stefan am Gratkom beobachtet worden sei- en. Neben dem "R6merweg" auf den Sch6ckelkopf soll eine Ver- bindung des Tales mit St. Stefan bestanden haben.3 hatten sich, so weiB es die Sage, im Mittelalter allerlei Verbrecher und Geachtete herumgetrieben. Kaufleute wie Murschiffer wa- ren von ihnen oft tiberfallen wor- den und viele von ihnen hatten mit den Ttirken gemeinsame Sa- Che gemacht.6 Als besonders geheimnisum- Der Bereich urn die "Weinz6dl - Brtlcke" war bei den Murschiffern wegen seiner Stromschnellen (links unter der Brucke) geftlrch- tet. Man erzahlte sich allerlei grausame Geschichten und be- gann bereits auf der H6he von Gratkorn zu beten. Das Bild stammt von Conrad Kreuzer. (Sammlung Horst Ziegler) 1 H. v. d. Sann,1892, So i4ff; H v d Sann,1911 [Nachdruck 1995]; F A. Brauner,1966 und 1932; E. Munzer.1990, S. 42 -62. 2 H v d. Sann,1892, S.110. Rtickgang der Landwirtschaft im Gemeindegebiet ist nun auch das regionale Sagengut seiner tradi- tionellen Uberlieferung weitge- hend beraubt. Vormals kannte jedes Gratkomer Kind die unter- schiedlichsten Sagen von Andritz bis Peggau, von Rein bis zum Sch6ckel. Auf dieses Sagen- gut, das nicht unmittelbar mit Gratkom zu tun hat, m6chte ich hier nicht naher eingehen, der in- teressierte Leser sei auf die ein- schlagige Literatur] verwiesen. An dieser Stelle seien lediglich jene Sagen erwahnt, die direkt mit Gratkom in Bezug stehen. Die Erinnerung an die Burg Lueg lebt im 6rtlichen Sagengut wei- ter, denn noch heute wissen die wenigen Bauern im Kirchen- viertel zu berichten, einst ware die Burg Lueg durch einen un- terirdischen Gang mit den Bur- gen Helfenstein bei Gratwein und Lueginsland bei Semriach verbunden gewesen.4 - Derarti- ge Sagen existieren in der Stei- ermark zahlreich und beruhen, wie bei SchloB Oberthal, manch- mal sogar auf historischen Tat- Sachen.5 Im Gebiet zwischen Mur, Kan- zel, Weinz6ttl und Schattleiten woben gilt seitjeher der Sch6ckel; so ware es ein Wunder, wenn nicht auch in Gratkorn eine alte Sage damit in Zu- sammenhang sttinde. Wollte man wissen, ob des Tages tiber ein Ge- witter kommt, brauch- te man nur in frtiher Morgenstunde zur `Linzhalmer Lacke' (vulgo Linshalmer, Linzholmer) wandern oder diese von einem gtinstigen Standpunkt aus zu beobachten. Es ist dies ein kleiner Teich auf der Rannach, der fur die Bewohner der Umgebung als verlasslicher Wetter- prophet galt. Wenn sich namlich im Sommer am Morgen tiber dieser Lacke Nebel zeigte und vor Son- nenaufgang noch nicht ver- schwunden war, so galt tagstiber das schlechte Wetter als sicher. Verschwand der Nebel beim Aufgehen der Sonne, so verktin- dete dies einen prachtvollen Tag.7 Eine andere Sage handelt tiber die wilde Jagd und betrifft den Bereich Rannach - R6tschgraben - Augraben. Urn Mittemacht hat- ten die hier lebenden Menschen schon oft viele Tierstimmen und Menschengejammer in der Luft vernommen. Eine Hausbesitze- rin, die einmal den Spuk h6rte,
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