Geschichte Gratkorns

Kontrakt zwischen dem F}einer Abt Alanus Matt und Johann Philipp, Pra- lat des Stiftes Vorau als lnhaber der Grundherrschaft Peggau, tiber die Feil- bietung von Kramerwaren, Brot und Obst in den daftlr erbauten Htltten am "Kirchenplazel" zu St. Stefan. (Graz 1693, erste und letzte Seite) (APG) Beichten erforderlich waren, der erste Gottesdienst begann urn 6 Uhr. Urn 8 Uhr zogen die Bewohner der einzelnen Viertel in die Kirche ein, dar- auf folgten die Predigt und der Umgang mit den vier Evange- 1ien, bzw. das Hochamt. Eine Gottesdienstordnung aus der Barockzeit6 zeigt die einsti- ge Vielfalt des Kirchenjahres: Nicht weniger als 31 gebotene Feiertage verzeichnen die Quel- 1en. In der Regel begann an Sonn-und Feiertagen der Gottes- dienst urn 8 Uhr 30, ausgenom- men von Ostersonntag bis Michaeli (8 Uhr). Sonntage, an denen keine Vesper, Litanei oder Prozession stattfand, waren fur die Christenlehre reserviert; der Pfarrer befragte Kinder urn ihre religi6sen Kenntnisse. An Kirchenfeiertagen sind der Niko- laustag (6. Dezember), der Vinzentag (22. Janner), der Pauli-Bekehrungstag (15. Janner), der Blasiustag (3. Febru- ar), der Agathatag (5. Februar), der Valentinstag (14. Februar), der Georgstag (23. April), das Fest Mariaheimsuchung (2. Juli), der Ulrichstag (4. Juli), der Martinitag ( 11. November), Ma- ria Opferung (21. November) und der Katharinatag (25. No- vember) zu nennen. Zudem gin- gen von der Pfarrkirche St. Ste- fanjahrlich 16 Prozessionen aus, darunter nach St. Leonhard bei Graz, StraBengel, Thal, St. Flo- rian ob StraBgang, St. Veit ob Graz, St. Martin in Deutschfeist- ritz, Semriach, Gratwein, St. Pe- ter bei Graz, Peggau, Mariahilf, Maria Fernitz und nach Maria Schnee bei den Karmeliten am Graben. Nach St. Stefan kamen Prozessionen von St. Veit, Grat- wein, St. Peter, St. Leonhard, Gratwein, Semriach und Peggau. Siegeln, obenauf das Lamm Got- tes. Dieses Lamm wird je nach Zeit des Kirchenj ahres durch das Jesukind, die Schmerzhafte Mut- tergottes, den auferstandenen Heiland oder den Heiligen Geist ausgewechse|t.3 Auf eine tiber 250jahrige Tradi- tion blickt auch die Verehrung des heiligen Donatus in Gratkom zurtick. Es war Pater Amand Rettenfeld, Pfarrer von St. Ste- fan 1735 bis 1745, der zur Ehre dieses Wetterpatrons - sein Namensfest feiert er am 30. Juni - auf freiem Feld eine Kapelle errichten lieB und hier seine Ver- ehrung begrtindete. Besonders bei den Bauern war Donatus ein beliebter Heiliger, den man bei heranziehenden Unwettem und Hagel anrief, der aber auch fur ein gutes Gedeihen der Feld- frtichte sorgen sollte. Unter dem Pfarrer Edmund Paimbauer (1745 - 1749) erfolgte damn die Errichtung der Donatikapelle, die in der Folge tiberregionale Beliebtheit erlangte. Begehrt wa- ren die Donatibilder, die zu Hun- derten gedruckt wurden. Josef 11. untersagte schlieBlich die Wall- fahrten zu diesem Heiligen, weil er meinte, dem Aberglauben Ein- halt gebieten zu mtissen. Die Kapelle konnte jedoch 1856 un- ter Mithilfe der Pfarrgemeinde revitalisiert und am 13. Juli 1856 neu geweiht werden.4 Pater Clemens Brandtner, Pfar- rer von St. Stefan 1979 bis 1982, stellt die weitere Geschichte der Donatikapelle wie folgt dan: "Die Donatikapelle besaB einen ge- weihten Altar und eine Statue des hl. Donatus ¢etzt im Presbyteri- um). An den beiden Seiten- wanden sind die beiden Dienstbotenpatrone, namlich St. Isidor und St. Notburga, aufgemalen. Isidor betet vor dem Kreuz, wahrend ein Engel den Pflug fuhrt. Notburga wird in der Szene gezeigt, wie sic gerade die Sichel in die Luft wirft. Im Jah- re 19751ieB Pfarrer P. Josef Ilias den Eingang an der Westseite zu- mauem. Aus der Kapelle wurde ein Beichtraum. Das halb- kreisformige Fenster des Ktinst- lers Adolf Osterider stiftete 1976 die Marktgemeinde Gratkorn. Von links mach rechts wird dar- gestellt ein Adler mit einem Olzweig und Kreuz (Major- Hackher-Kaseme) , Stierkopf mit Bltite (FreBnitzviertel, Schwesternkloster, Tierzucht), Waldgebiet mit Schlag und Auf- forstung (Forstviertel), Leykamwappen mit L6we, Ham- mer und Zahnrad (Sinnbild fur den wirtschaftlich wichtigsten Betrieb - die Leykam Mtirztaler AG, Symbol der Arbeiterschaft), Egge und Pflug (Eggenfeld), Ahre, Sichel, Bltite und Wasser (Friesach, 1andwirtschaftliche Haushaltungsschule, Wasser- werk ftir Graz). Diese Bilder gruppieren sich symbolisch urn den Kirchturm von St. Stefan."5 Am Donatisonntag, dem Sonn- tag nach dem heiligen Ulrich, war der Andrang der Glaubigen in St. Stefan so groB, daB zumin- dest drei bis vier Geistliche zur Absolvierung von Messen und

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