Geschichte Gratkorns
Bt]ckseite des Hofes in den 30er Jahren. F}echts der ursprtlngliche, 1640 datierte Hof ; links der Zubau von 1743. (Sammlung Fain. Gredler vulgo Felberbauer) genttimlichkeiten mehr auf und war von der allgemeinen Tracht der Bewohner des Bezirkes nicht mehr zu unterscheiden: "Enge Tuchhosen nit hohen Stiefeln oder lange weite Beinkleider (Pantalons) und kurze Jacken, beide gew6hnlich von dunklerer Farbung, eine lange blumige Kattunweste mit zahlreichen grossen, eifomigen, glanzenden, dicht aneinander gereihten Kn6pfen, ein blaues Vortuch, und ein nicht un- gew6hnlich ge- formter Bauern- hut bilden seine Kleidung, die sich mehr und mehr der btirger- 1ichen kleiner Landstadte na- hert.„13 Im Jahre 1892 hatte sich das Bild derart ver- andert, daB ein Chronist an- merkt, in diesem Gebiet fehle "die Tugend zahen Festhaltens an der Eigenart sei- ner Vater, an den alten Sitten und Brauchen, der Tracht u.s.w. Die jungen Madchen und Frauen hul- digen sehr geme der Mode; das Beispiel der Stad- terinnen wirkt eben zu verlok- kend. Bei den Mannern kommt die neusteirische Tracht, das moosgrtine R6ckel, die graue Hose und der grfune Hut, immer mehr in Aufschwung."14 Schon Ignaz Ramsauer hatte 1868 ein Verschwinden der roten Brustflecke, grfunen R6cke, kur- zen Lederhosen und blauen Strfumpfe festgestellt. Wenn Ende des 19. Jahrhunderts behauptet wird, es hatten sich nur mehr wenige alte Brauche im Raum St. Stefan erhalten, so wa- ren diese - aus heutiger Sicht - doch recht zahlreich. Einige we- nige Seien geschi|dert: 15 AnlaBlich der Taufe erhielt einst der kleine Gratkorner von sei- nem Paten einen "Kr6senthaler", geme trug man ihn urn den Hals, urn das Gekr6se. Die Hebamme erhielt eine Taufjause, der Geist- 1iche einen Geldbetrag und die W6chnerin einen Korb mit WeiBgeback. Starb jemand im Doff oder in der Nachbarschaft, so wurde die Totenwache gehal- ten. Bekannte und Nachbam vcr- sammelten sich im Sterbehaus, wo sie beteten und sangen, bis- weilen beim Kartenspiel die Zeit vertrieben. Auch das Totenmahl durfte nicht fehlen. Zahlreiche Hochzeitsbrauche er- freuten sich in St. Stefan jahrhun- dertelang gr6Bter Beliebtheit: AnlaBlich der Brautwerbung er- schien der Werber mit seinem "Bittelmann"bei den Eltem der Braut. Der Bittelmann leitete die Werbung sodann durch einen vorgetauschten Viehhandel, etwa urn ein sch6nes Kalb, ein. SchlieBlich lenkte er geschickt auf das eigentliche Thema tiber, wobei er Familie und Haus des Werbers tiber alle MaBen lobte. StieB die Werbung auf Geh6r, so schritt man zur "B'schau"; dar- unter waren gegenseitige Besu- Fttlckseite des Hofes (Kammer, darunter zwei Keller, datiert 1640) im Jahre 1894, (A. Mell, 1894, S. 84, Fig. 3.)
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