Geschichte Gratkorns
Frontansicht des renovierten Hofes im Jahre 1941. (Sammlung Fain. Gredler vulgo Felberbauer) Walter von Semetkowski stell- te die Entwicklung des Hofes folgend dar: "Ktiche und B ackstube zusammen bildeten die einstige Rauchstube, die spater durch die Zwischen- mauer unterteilt wurde. Das `alte Vorhaus' ist die ehemali- ge `Labn', von der zwei klei- ne Stiegen in die Kammer und in den darunterliegenden Kel- ler fuhren. M6glicherweise ist die gesamte Mauerung 1640 an die Stelle einer noch alte- ren Blockzimmerung getreten. 1743 wurde rechts an die alte Rauchstube der Fltigel mit dem neueren `Vorhaus', der Selchktiche und Wohnstube angebaut."8 Zumal ich weder die Kompe- tenz noch Fahigkeit ftir hauskundliche Forschungen be- sitze, sei es bei diesen Feststel- 1ungen belassen. Dem an dieser Materie interessierten Leser m6chte ich jedoch unbedingt den Besuch des Osterreichischen Freilichtmuseums Sttibing nahe- legen, das ja in unmittelbarer Nahe der Gemeinde Gratkorn beheimatet ist.9 Die bauerliche Nahrung bestand in der Mitte des 19. Jahrhunderts vorwiegend aus Milch- und Mehlspeisen, "aber nicht so tibermaBig geschmalzen, wie im Oberlande". Fleisch wurde unter der Woche selten, h6chstens bei schwerer Feldarbeit gegessen. "Der Mais gibt die Hauptnah- rung durch den sogenannten ttir- kischen Sterz, welcher entweder mit Speck, Haket, Rindschmalz oder Ktirbis6l geschmalzen, oder mit Milch, Rahm oder Schwammsuppe begossen wird. Wo der Haiden gedeiht, ist auch der Haidesterz tiblich." - Der Obstmost diente als Haupt- getrank, "so daB in manchen Alterer Teil des Wohnhauses (datier[ 1640) vor dem Umbau von 1941. (Sammlung Fain. Gredler vulgo Felberbauer) Hausem dem Wasser zu wenig zugesprochen wind." [° Wirtshau- ser wurden von den Bauem tiber- haupt seltener besucht, "da die meisten ihren Haustrunk, Most oder Wein, den sie selbst erzeu- gen, im eigenen Keller haben."11 Uber die im Raum von St. Ste- fan / Gratkorn vorherrschende Tracht berichtet `eine Quelle aus dem Jahre 1753 : "Was das Baum Volckh urn die Statt Graz herum liegenden orthen betrifft, kan man sich die Rechnung von selbsten machen, daB sic sich in guten stand befinden mtissen, massen ein solcher, es seye Mann oder Weib sich bey dem Marckt- gehen viel ehender etwaB zu gu- ten thuen kann, weilen er alles, ihme wachset, bey der Statt zu Geld machen kann. Das Manns Volckh gehet in Steyerischer Teutscher Kleidung, die Weibspersohnen, von denen bauren rede ich, haben sommer und winter leinene Kleidung an; die brust vorne offen, wie die Manns-persohnen und achten die Kalte nicht viel und tragen kei- ne Bundschuhe wie die Ober- Steyrer. Es sind auch die Manns- bilder Kleidung so eingerichtet, daB schier jede pfarr ein andere tragt, welches bey den Processionen sehr gut stehet; da damn eine Pfarr graue, die ande- re braune, die dritte grtine, die 4the rothe R6ckht von groben Tuch traget, und so ein jeder anderst, und scbeElen nur die Aufschlag geandert seyn. In manchen Kirchspiel tragen auch die verheurathe Weibsleuth lan- ge Manns-R6ckh wie hier oben in der Figur zu sehen. Sic seynd aber mit grtinnen oder blauen Bandern rundum eingefasset. Die ledigen Magdlein haben auch bey Processionen ihren un- terschied und zieren ihre Haar, jede Pfarr mit anderfarbigen Bandern, dass es nicht tibel zu Sehen.»i2 Urn 1860 hatte die ursprtingliche Tracht bereits einiges an Origi- nalitat verloren. Die Tracht des Gratkorners wies fast keine Ei-
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