Geschichte Gratkorns

Kontrakt vom 6. Juni 1715, betreffend eine Wasserleitung zum Pfarrhaus. Die heuti- ge Schreibung "Picklbach" ist unrichtig, es handelt sich, wie Zejle 11 belegt, urn das "Pichlbachl" beim Bichl. Hier lag der "Bichl", auf ihm vermutlich die Burg Velgau. (APG) "Felberstock" bezeichnet den Weidenbaum.30 Betrachtet man den Baumbe- stand des Felbergrabens, insbe- sondere den Baumbestand zwi- schen Felberbauer und Jasen, so ist festzustellen, daB der beste- hende Mischwald auch heute noch zum Teil aus Weiden und Eschen besteht. Diesem Urn- stand trugen also nicht nur die deutschen Siedler Rechnung (Felber = Weide), auch die slwischen Siedler des frtihen Mittelalters nannten den H6hen- rticken knapp n6rdlich des Felberbauern "Jasen" und "jasenu" ist die slawische Be- Zeichnung fur die Esche.31 Als Flur- und Siedlungsname ist der Felber, die Weide, in der Stei- ermark hiureichend bezeugt. Der "Hubmann im Felber", stid6st- lich Obdach, wird 1424 erstmals genannt; die "Felber", eine Ge- gend nordwestlich Voitsberg, tritt 1491 erstmals urkundlich in Er- scheinung; "am Felber", stid6st- 1ich Voitsberg, wird 1494 ge- nannt; der "Felberbauer", nord- westlich P611au, findet 1396 Er- wahnung; das "Velberdorff", nordwestlich Ttiffer,heute Slowenien, 1448; der "Velberhof", nord6stlich Birkfeld, scheint erstmals urn 1400 auf; "Felbern", stidlich Graz, wird 1386 genannt; "Felbern", nordwestlich Rohitsch am Donati, heute Slowenien, im Jahre 1436.32 Der Felberbauer und die Burg Velgau sind also nicht zwingend gleich- zusetzen. Doch zurtick zur Lokalisierung der Burg Velgau. Eine wichtige, bislang fur Velgau unbeachtete Hilfe bietet die Urkunde (AR) vom 25. Juli 1346.33 0tt der Lueger, seine Frau Matz und Wolfker mit seinem Sohn Uell tibergeben dem Stift Rein eine Hofstatte auf dem Btihel bei Velgau ("der Puechel pei Velgaw") mit acht dazugeh6ri- gen Ackem, die sic von Gerung dem Lueger erkauft hatten. - An die 400 Klafter (etwa 760 in) westlich von St. Stefan ist im Franziszeischen Kataster der "Bichl" eingetragen, - bei dieser dem Stift Rein tibergebenen Hof- statte handelt es sich also urn den vulgo Hausbergschneider, im Franziszeischen Kataster auf Bauparzelle 60 eingetragen34 und, als einziger im Gebiet des Bichls, dem Stift untertanig. Die Paposition "pei" (nicht "in"!), die hier verwendet wird, bedeu- tet im Mittelalter soviel wie "bei, urn, an, auf'.35 All diese Tatsa- chen weisen auf die unmittelba- re Nachbarschaft der Wehran- lage Velau (erst 24 Jahre vorher wird ein Velgauer das letztemal genannt), bzw. des Siedlungsge- bietes, dessen Name sich von der unmittelbar dabei gelegenen Burg Velgau herleitet, hin. (Ne- benbei laBt diese Urkunde auf eine enge genealogische Bezie- hung zwischen den Velgauern und Luegem schlieBen.) Die von J. Zahn vorgenommene Lokalisierung des "Bichels" ("stid6stlich s. Stephan a. Grat- korn"36 ) entspricht dartiberhin- aus nicht den Tatsachen, zumal der 500 in nordwestlich St. Ste- fan aus den H61lgraben in das Gratkorner Becken heraus- tretende Bach meine Theorie von der Lokalisierung Bichl / Velgau untermauert. Dieser Bach, heute "Picklbach" genannt, wird in ei- nem Kontrakt aus dem Jahre 1715 als "das sogenante Pichlpachl"37 bezeichnet. Die Lage des Bichels ist somit ein- deutig festgestellt, ein gewichti- ger Anhaltspunkt fur die Lokali- sierung der Burg gegeben. Zwei StraBen, sic fuhren treffend den Namen "Am Bichl" fuhren zum ehemaligen Standort der Burg. Nach dem Niedergang der Velgauer und ihrer Burg, aus welchen Grtinden auch immer38 , blieb ihr Name lediglich im Siedlungsnamen ("Ve|egan"39 ) einige Zeit erhalten.

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