Geschichte Gratkorns

Interessant erscheint weiters eine Urkunde vom 25. Juli 1346, in welcher Otto der Lueger, seine Frau und Wolfger mit seinem Sohn Ull eine Schenkung an Rein vornehmen. Gegenstand dieser Schenkung ist eine Hof- statt, "die da leit auf dem puchel pey Velgaw"12 mit acht dazuge- h6renden Ackem. A. Mell sieht in dieser Hofstatt jenen Ort, wo einst Velgau stand.13 Die Nennungen mach 1346: Velgaw]4,1395: Velgow]5, ca. 1400: Velgaw[6, ca. 1450: Weldgaw]7 -beziehen sich nicht mehr auf das Geschlecht der Velgauer direkt, sic bezeichnen ein mehr oder minder ausge- dehntes Gebiet urn St. Stefan. Ernste Probleme bereitet nun die genaue Lokalisierung der Burg Velgau, geht man nicht mit R. Baravalle -W. Knapp, 1936- 1943 konform, die es fur nicht ausgeschlossen halten, "daB die Velgauer [...] sich abwechselnd von Lueg und von Velgau nann- ten und im 13. Jahrhundert die Bezeichnung Lueg auf ihre Burg Velgau tibertrugen."18 Weiters vertritt B aravalle die Ansicht, der 1159 genannte "Ruodiger de Luge" sei identisch mit dem 1165 genannten "Rudolf de vel8Ow».ig Ganz so sicher schien sich Baravalle 1961 damn nicht mehr zu sein, denn nun lokalisiert er Hofrat Univ.-Prof. Dr. Anton Me!l (7. Juni 1865 -14. Dezem- ber 1940), einer der verdienstreichsten steirischen Histori- ker, verbrachte in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts haufig seine Urlaube in St. Stefan. Mell wanderte viel in Grat- korn, fertigte Photographien an und beschaftigte sich als erster 1894 mit der Geschichte der Burg Velgau, die er beim Fe!berbauern zu lokalisieren g]aubte. (LA) die Burg vermutlich "auf der letzten klei- nen Kuppe eines vom Hausberg mach Stidosten ziehenden Rtickens, der am Nordwestende der Kirchenortschaft St. Stefan [...] mit ver- haltnismaBig steilen Hangen bei der Mtindung eines klei- nen Tales in die Mur abffillt." Das Fehlen jeder Spur dieser Wehranlage erklart Baravalle durch ihre Lage auf Kultur- boden.2o Peter Cede, ein profunder Ken- ner der Siedlungsgeographie, vertritt 1984 die These "von der Lage der Burg am Ende des Felbergrabens im Bereiche des Felberbauern".21 Bestatigt sieht er diese Theorie durch eine Nen- nung von 1265 ("in Velegan"), weiters durch die - vermeintliche - Tatsache, daB der Felbergraben im Mittelalter auch als "Hof- bachgraben" genannt wtirde und das Anwesen des Felberbauem mit der Bezeichnung "am Hof" ident ware.22 So verlockend diese Interpreta- tion sein mag, - sic findet sich bereits beim ehemaligen Grat- korner Pfarrer C. J. Brandtner 198023 , der offensichtlich A. Mell folgte -, so problematisch ist sie. "[...] daB der Felbergraben im Mittelalter auch als `Hof'bachgraben genannt wird und das Anwesen des Felberbauern mit nit der Be- zeichnung `am Hof ' ident ist", - das ist schlichtweg Erfindung. Unter einigernmaBen unklaren Nennungen (1345: "der Hofpach",1395: "der Hofpach", 1414: "Hoffpach")24 findet sich namlich auch eine im Reiner Urbar C von 1450: "Hofpach prope Lueg"25 , der Hofbach bei Lueg. Es handelt sich somit urn den Hofbach nahe der alten Burg Lueg. Die 6sterreichische Kar- te und die Bodenkarte, Kartierungsbereich Graz Nord26 , zeigen, daB dieser Hofbach(graben) auch heute noch existiert, namlich im stidwestlichsten Teil der KG Forstviertel, tiber 2 kin Luftlinie vom Felberbauem entfemt. Der Franziszeische Kataster von 182327 verzeichnet zudem an der Mtindung des Hofbachgrabens den vulgo Hofbacher. Das ist der "Hof im Hofbach" des March- futterregisters. Wie der Bach, so leitet auch dieses Anwesen sei- men Namen von der ehemaligen Burg Lueg auf dem Hausberg ab. Ebenso irrt Brandtner, wenn er den "Ho ff in der Grussaw" (ca. 1430) mit Velgau = Felberbauer 91eichsetzt.28 Der Felberbauer tragt seinen sch6nen Namen vielmehr von dem mittelhochdeutschen "velwer" oder "velber", dem Weidenbaum also.29 Der mittel- hochdeutsche ``velber" existiert zwar in der Hochsprache nicht mehr, doch kennt das Steirische (und die Gratkomer Bauem) sehr wohl noch den "Felber" oder "Felser", die salix alba, die Wei- Be Weide. Beim Felberach han- delt es sich urn ein Weiden- gestrtipp, bzw. urn einen zusam- menhangenden Bestand an Wei- den. Aus den Zweigen der Sal- weide schnitzte man die "Felberpfeife" und mit dem "Felberkreuzel", das auch aus der Salweide geschnitzt wird, besteckte der Bauer zu Ostem die zum Hof geh6renden Fluren. - An den Weiden wachst der "Felberschwamm", beim "Felberstaurich" handelt es sich urn ein Weidengebtisch, der 13 A. Me!l$ 1894. S. 86. i4 LA, Urkunde. 15 F}e!ner Urbar D, AB, i6 Montforter Urbar, LA. 17 Fieiner Urbar v 1450, AB. i8 Fi. Barava!ie -W Knapp,1936- 1943.11/1, S. 6. 19 StuB I, Nr 402, S. 387 und Nr. 492, S. 458. 20 Fi. Baravalle,1961, S 187. 21 P, Cede,1984, S. 44. 22 Ebenda. S. 45 23 C. J. Brandtner,1980, S. 3f. 24 08, S. 269. 25 Fteiner Urbar C, 29, APT. 26 6K 164, ©BK 164-1S. 27 FK 70, Frlesach, LA. 28 Bet diesem Hot handelt es sich viel- mehr urn clen i 370 (Urkunde, LA) erstmals genannten Bauemhof `bm der Grussaw", Cien Grussa(ch}bauem. 29 M. Lexer, i986. S. 266,

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