Geschichte Gratkorns

Feldarbeit (Grasmahd) in St. Stefan urn 1890. (Sammlung Gasthaus Pucher, Fiosa Faninger) 1eistungen fur den Grundherrn verpflichtet. Der Ausdruck "Leibeigene" traf dennoch nicht auf sic zu. Den Mittelpunkt der Wirtschaftsverwaltung bildete der Herrenhof, auf dem der Grundherr oder sein Verwalter saBen. Der Hof und das umlie- gende Land wurden von den un- tertanigen Bauern bewirtschaf- tet. Der Ackerbau wurde im mittel- alterlichen Gratkorn als Wechsel zwischen Sommer-, Winter-und Brachfeld betrieben. Der Bauer teilte seine Ackerflache in drei Teile und bebaute sie im genann- ten Rhythmus (Dreifelderwirt- schaft). Anhand der mittelalter- 1ichen Urbare, - eine Art Besitz- und Steuerverzeichnis , Vorlaufer der Grundbticher -, lassen sich die damals in Gratkorn tiblichen Anbauprodukte feststellen. Weizen, Spelz, Roggen, Korn und Hafer fallen als die am hau- figsten vertretenen Getreides- orten auf. Ebenso fur Gratkorn bezeugt ist der Anbau von Boh- nen, Mohn, Rtiben, Kraut und Erbsen. Erst ab der Mitte des 18. Jahrhun- derts sind Leinsamen, Hanf, Mais und Kartof- fel nach- weisbar. Intensiv wurde im mittelalter- 1ichen Grat- korn der Weinbau betrieben, 1265 reicht das Anbau- gebiet bis Ffohnleiten.24 Das Reiner Urbar D von 1395 berichtet im Ant "prope foramen" (Ant Lueg) tiber Weingarten im heutigen Gemeindegebiet. 15 solcher Weingarten bestanden damals "yin Hofpach", jedoch standen 13 von ihnen zu diesem Zeit- punkt Ode. Zwei Weingarten ver- zeichnet das Urbar "yin Czental", einen "yin Czeltengraben", ftinf "yin Czauchen" (Zauchen) und sechs am Hausberg. Insgesamt bestan- den in Gratkom damals 29 Wein- garten, die an Rein zinsten. Ftir die Eintreibung des Weinzehents aus der Gegend urn Eggenfeld war der Reiner Amtmann zustan- dig. Das Reiner Urbar von 1454/61 (AR) verzeichnet unter dem Amt "Schimpl" (Gratkorn) sechs Weingarten, ein Weingarten ist urn diese Zeit in der Dult be- zeu8t. Im Reiner Urbar von 1572 scheint das Amt Schimpel nicht mehr auf, das Amt Eggenfeld umfaBt nun einen Teil dieses Amtes. Am Polzegg, das vermut- 1ich in der FreBnitz zu lokalisie- ren ist, sind die drei Weingarten verschwunden. In Eggenfeld er- folgte eine Besitzkonzentration, die Anzahl der Weinkulturen wurde von einer auf acht er- h6ht.25 Im Urbar von 1646 ver- fugt Rein im Amt Eggenfeld tiber zehn Weingarten.26 Urn 1822 wurde innerhalb der Gren- zen des ehemaligen Bezirkes Peggau einzig im Gratkorner FreBnitzviertel Weinbau betrie- ben. Hier standen Weinkulturen auf einer Flache von etwa 4.200 Quadratmetem.27 Ktihe und Ochsen versorgten den Bauem einerseits mit Fleisch und Milch, andererseits dienten sie als Zugtiere fur Egge, Pflug und Wagen. Der Viehbestand hielt sich dennoch in Grenzen, das Pferd blieb auch in Gratkorn wahrend des Mittelalters bis in die frtihe Neuzeit ein in erster Linie den wohlhabenderen Schichten vorbehaltenes Tier. Der Boden war nicht Eigentum des Bauem. Er erhielt ihn vom Grundherrn geliehen und muBte da fur bestimmte Abgaben ent- richten. Dieses von den Unterta- nen bewirtschaftete Land hieB Rustikalland, das Dominikalland muBte von den Untertanen in Form von Robotleistungen be- baut werden. Ftir die Katastralgemeinden FreBnitz- viertel und Forstviertel betrug urn 1750 diese Robot- vexpflichtung bis zu drei Mona- te jahrlich. Zu h6herer Robot waren die Bauern aus dem Kirchenviertel und aus Friesach Verpflichtet.28 Der Grundzins bildete den GroB- teil der Abgaben. Er wurde in Form von Naturalabgaben (Wei- zen, Htihner, Eiser, Kase u.s.w.) geleistet, spater erfolgte eine Umwandlung in Geldzins. Ne- ben diesen Abgaben hatte man

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