Geschichte Gratkorns
Feuer, Unwetter oder sonstige Naturgewalten die Emte vemich- tet, so verzichtete die Grund- herrschaft in der Regel auf Ab- gaben oder hob lediglich einen verminderten Zins ein. Im Rei- ner Urbar D von 1395 ist eine solche Vorgangsweise fur die "curia prope Lueg" bezeugt, namlich wegen "desolationem factam per Muram", also wegen Verwtistungen der hochwasser- fuhrenden Mur.14 In den verwaltungs- und sachbe- zogenen Amtem erhielt das Rei- ner "Officium pitancie camerarii" 1395 aus dem Grat- korner Raum lediglich aus der Dult von vier Huben und einer Hofstatt Abgaben. Diese Ab- gabenleistungen blieben jedoch ausschlieBlich fur Ehrentrunk und Ehrenspeise des Konvents reserviert. Das Reiner Urbar D von 1395 verzeichnet ftir das heutige Gemeindegebiet die zwei Verwaltungsamter Eggenfeld und ein Amt beim Zigeunerloch ("Officium prope foramen"). Innerhalb des Amtes Eggenfeld, im Original "Officium Ekkenveld" genannt, besaB Rein im Jahre 1395 elf Huben, acht Hofstatten, einen Acker, zwei Wiesen, einen Hof und einen Baumgarten. Jedes dieser Gtiter war an einen Bauern veapachtet, Rein verfugte 1395 tiber 24 un- tertanige Bauem im Ant Eggen- feld. Dieses Amt Eggenfeld umfaBte ein weitaus umfangreicheres Gebiet als lediglich das heutige Dorf Eggenfeld. Bei diesem Amt Eggenfeld wurde der Reiner Be- sitz von Friesach bis zu Dult ver- waltet. Speziell 1agen die Zins- gtiter wie folgt verteilt: sechs Hofstatten in worth ("Werd"); eine Hofstatt, ein Acker, eine Wiese, sechs Voll- und drei Halbhuben in Eggenfeld; ein Hof in der Dult ("Dullgen"); eine Hofstatt, eine halbe Hube und eine Wiese in Brunn ("Pruen"); eine Hube in Friesach ("Friesach"). Von den genannten Wiesen war eine, die an der Mur gelegene, 1ange Zeit unter dem Namen "M6nchs- wiese" bekannt. Die Forschung vermutet, daB diese Wiese auf eine Grangie hindeu- tet, weiters sei an die- ser Stelle, bei der Bereits im Mittelalter richteten Uberschwem- mungen verheerende Schaden in Gratkorn an. Die Grund- herrschaften reagierten darauf mit verminderten Zinsforderungen. Dar- stellung der in der Peri- ode 1874 -1891 durch- geftlhrten Arbeiten der Mur-Flegulierung in Steiermark [...]. Wien 1894. Durchschnitt ei- nes Leitwerkes mit Sinkwalzen bei mehr als 1,60 in Wassertiefe. Bei den Arbeiten der Murregulierung 1874 und 1875 verdienten sich viele Gratkorner ein Zubrot. (UB / SS) h6fte zu einer neuen Zins- einheit.16 Beim zweiten Reiner Amt von 1395 handelt es sich urn das "Officium prope foramen". Die- ses Amt wurde wahrscheinlich mach der H6hle (lat. : foramen) im Hausberg, dem Zigeunerloch, so benannt. In diesem Amt ver- zeichnet das Urbar D 23 Hof- statten, 16 Acker, eine Wiese, eine Hube, 35 Weingaten, zwei Eggenberg (links), Hausberg und Hohe Pannach, von Gratwein aus gesehen. Photographie urn 1910. (AG) Felsenh6hle des Luegberges namlich, "der Landungsplatz fur die murabwats gefl6Bten Waren der Abtei" Rein zu vermuten.15 Nachgewiesen konnte weiters werden, daB sich in Brunn ledig- 1ich eine halbe, keinesfalls eine ganze Hube befand. Man sieht zudem im Zusatz "cum area" (nit Flache) sehr deutlich ein Zusammenwachsen zweier Ge- H6fe, eine Fabrica (Werkstatte, Handwerker) und ein Navigium (FloB, Uberfuhr). 46 Untertanen hatten hier Abgaben zu leisten: ein Hof und eine Hofstatt bei Lueg ("prope Luegg"); ein Hof, ein Acker und eine Wiese beim Trattenhof ("Crottenhoff ') ; zwei Hofstatten zu Velgau; ein Acker am "Rosenperg"; zwei und 13 Ode Weingarten im Hofbach 18 Fi Baravalle -W. Knapp,1936- i g Die::]3;#:tLfu:?g7-2 Hofstatten, 1 Hube,12 Acker,1 Wlese,1 Hot , i Weingarten; Eggen- feldo 1 Hofstatte, 8 Huben, 7 Acker, 1 Wiese. 1 Hot, 1 Mtih~ ie, 1 Weingarten; Dult: 6 Hot- statten, 1 Hube, 1 Hot, 1 We!ngarten: FreBnltz. i Hot- statte, 3 Weingarten; W6rth` 2 Hofstatten,1/2 Hubs; Brunn. 1 Hubs; Ve!gau: 1 Hofstatte. (Vgl. M. Winkler,1977, S. 101) 20 M. Winkler, i977, S 116.
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=