Geschichte Gratkorns
ist: Zu St. Peter 1456 tibergab Christian D6rer, Kaplan der Luciakapelle auf der Burg Peggau, mit "rechte Kaufbrief [...] der ganzen gemain zu Wor- th, ihm und allen ihren erben, mein Auen gelegen bey der Murr unter worth, und davon man Jatlichen zu St. Merthen Tag, ei- nen jeden Capellan zu P6ggau, 80. pfening lands w6hrung in Steyr gibt, und sollen auch nichts einfang darauf machen, sondem daB es bleibe ein Auen auB von alters, das die ganze gemain ihr vich weiden solle darauf, und sollen mir, und allen meinen nachkummen darvon gehorsamb, und gewertig sein, als andere meine holden, di ein der MeB gestifftet sein, sie sol- len auch die obgenante Auen ih- men haben, und niessen, als der Kauffrecht ist in dem land zu Steyer, und habent mir darum geben ein Summa Gelts, daran mich wol beniegt hat, und des zur urkundt gib ich dem Brief besiglet, mit des edlen vesten Wolf Stadler der zeit pfleger zu Peggau anhangenen Insigl [...]."14 Zu Beginn des 19. Jahr- hunderts wurden von den D6r- femEggenfeld,W6rthundFries- ach noch insgesamt 36 ha als Allmende genutzt.15 Urn die Mitte des 11. Jahrhun- derts galt das heutige Gemeinde- gebiet als sicherer Siedlungs- raum, der nicht mehr den Gefah- ren von Ungameinfallen ausge- setzt war. Die deutschen Siedlungsschtibe urn 1010/20 und urn 1050 trugen jedoch kei- neswegs den Charakter einer "Eindeutschung" gewaltsamer Art. Bestimmte Gegenden be- wahrten vermutlich noch tiber langere Zeit ihren slawischen Charakter, wenn sich auch der deutsche Bev6lkerungsanteil durch die kontinuierliche Neu- grfundung von D6rfem und H6- fen erh6hte. Eine sich auf G6sting beziehende Urkunde aus dem Jahre 1042 vermag tiber die ethnischen Verhaltnisse im Gratkorner Becken wohl einen Hinweis zu geben. Auf den zwei k6niglichen Huben "in loco Gestnic", welche K6nig Hein- rich Ill. den Markgrafen Gott- fried schenkt, sitzen namlich bei G6sting ausschlieBlich Unterta- nen mit slawischen Namen: Wengei, Stano, Trevino und Obolom.16 Bis lange mach 1050 wird fur den Raum Gratkorn eine deutsch - slawische Mischbev61kerung anzunehmen sein, wobei die Fra- ge mach der Quantitat slawischer Siedler und der Rolle des "sla- wischen Elementes" offen blei- ben muB. Seit der ersten deut- schen "Kolonisation" standen sic freilich unter deutscher Oberho- heit, zumal sich die Slawen nicht zu einem langerwahrenden staat- lichen Organismus zusammen- schlieBen konnten, sieht man vom (historisch ohnehin schwer faBbaren) GroBreich des franki- schen Kaufmannes Samo im zweiten Viertel des 7. Jahrhun- derts ab.17 Im Laufe des Mittelalters ver- schwanden slawische Relikte zusehends, sodaB wir heute in erster Linie auf die Interpretati- on des slawischen Namensgutes angewiesen sind, urn ein wenig Licht auf den Ablauf slawischer Besiedlung und die Assimilati- on an die deutschen Einwande- rer zu werfen. Gerade in der Dau- er dieser Assimilation aber ist der Beweis dafur zu sehen, "daB kei- ne slawische Bev61kerung aus- gesiedelt wurde, daB nirgends gewaltsam germanisiert wurde und daB nur der friedliche Landesausbau durch die deut- sche Kolonisation die dtinn- siedelnden Slawen in die Min- derheit gebracht und schlieBlich assimiliert und eingeschmolzen hat.„18 Die "Ftuinacker" (Pleinacker) in der KG Friesach-St. Stefan, zwischen Eggenfeld und Haus- berg, nach der Kataster- aufnahme von 1823 (mit Ergan- zungen bis tw.1850). Besonders gut ist hier die Gewannflur zu erkennen. (AG / FK)
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=