Geschichte Gratkorns
Die Dult vom Schrauf3berg nach Westen urn 1965. Am 20. No- vember des Jahres 860 schenkt in Matighofen K6nig Ludwig der Deutsche auf Bitten des Erzbi- schofs Adalwin von Salzburg der Salzburger Kirche 41 H6fe, dar- unter "ad Strazinolun duo loca", also zwei Gegenden bei StraBengel. Bei einer dieser Be- sitzungen handelt es sich urn die Du!t, die dann in einer Urkunde vom 26. November 1223 erst- mals direkt genannt wird. (LMJ, Bild- und Tonarchiv, PL 33906.) 7 LA, Urkuncfe 21i4a Vgl. auch A Gaspantz,1895, S.16 8 Siehe dazu H, Pirchegger, 1936, S lil (Anm 30) 9 Po Cede, i984, S. 31€ 10 StuB i, Nr, 7, S 11 11 Vg!c F Posch.1980, S 29 uncl 0 P!ck!,1956, S 8f 12 StuB !] Nr` 17, S. 20f. Vgi auch 0 Pickl,1956, S. 8® 13 F Posch,1980, S 29f. i4 Vgi F Lochner5v Htittenbach, i976 S. 8. 15 F. Posch.1964, S. 90 Dult, weiters bevogtete sic hier einen Hof und sechs Hofstatten, in Brunn drei Huben und zwei Hofstatten. Geh6rten auch diese Gtiter zum alten Salzburger Be- sitz, muB er groBe Teile von Brunn und der Dult umfaBt ha- ben. Das Vorhandensein Salzbur- ger Besitzes in diesem Raum laBt uns dartiberhinaus die Grtindung der Mutterpfarre Gratwein fur das 9. Jahrhundert annehmen, ebenso wird die deutsche Besied- lung dieses Gebietes in das spa- te 9. Jahrhundert zu datieren sein. Die durchgehende Christianisie- rung dieses Raumes muB solnit urn die erste Halfte des 9. Jahr- hundert erfolgt sein, zumal auch Emst Klebel vermutet, daB es urn 860 bereits einen organisierten Zehentbezirk, also eine Pfarre, in StraBengel / Gratwein gegeben haben mtisse.8 Aus den wenigen erhalten ge- bliebenen schriftlichen Que]len dieser Zeit laBt sich die Vergabe von K6nigsgut an k6nigstreue Freie ab den ersten Jahrzehnten des 9. Jahrhunderts ableiten. Ftir den Gratkorner Raum vermuten manche Forscher, daB H6fe wie der Brunn- hansl' Lip- penjackl, Dultbauer, Eisbacher und Grillbauer da- mals entstan- den.9 Speziel- 1e flurana- lytische Unter- suchungen und archaolo- gische Befun- de k6nnten dartiber Aus- kunft geben. Die Ansiede- 1ung stiddeut- scher Einwan- derer, die einen neuen Kultivierungsschub eingeleitet hattenundimtibrigenmitboden- standigen slawischen Siedlern problemlos auskamen, fand mit der vernichtenden Niederlage des baierischen Heerbannes ge- gen die Ungam in der Schlacht bei PreBburg (907) ihr Ende. Die karolingische Ostmark h6rte praktisch zu existieren auf. Die gesamte Oststeiermark, somit alle 6stlich des steirischen Rand- gebirges liegenden pannoni- schen und karantanischen Gebie- te, standen unter dem EinfluB un- garischer Reiter- und Nomaden- v61ker. Die Grundherren und Geistlichen dieses Gebietes wur- den get6tet oder verschleppt, die D6rfer 6stlich Nestelbachs (860 als "Nezilinpah" erstmals ur- kundlich genannt]° ) fielen ver- mutlich der Verwtistung zum Opfer. Eine Besiedelung dieses waldreichen Gebietes erfolgte seitens der Ungarn nicht, haufi- ge Pltinderungsztige verhinder- ten jedoch vorerst jede weitere deutsche Besiede|ung.11 In der Obersteiermark, die wei- terhin unter karantanisch- bayrischer Verwaltung stand, konnte die deutsche Siedlungs- tatigkeit im beschrankten MaBe weitergefuhrt werden. Als die weitest vorgeschobenen Siedlungspunkte erscheinen 927 St. Lorenzen im Mtirztal und das Gebiet urn die heutige Stadt Bruck an der Mur.12 Wie F. Posch aus dem in der Folge noch mehrheitlich auftretenden slawi- schen Namensgut schlieBt, wird es sich dabei eher urn ein "all- mahliches Einsickem deutscher Siedler hande|n."13 Das Murtal zwischen der Mtin- dung der Mtirz in die Mur ("Muorizakimundi") und G6sting zahlte somit zum Grenz- gebiet des Reiches gegen Un- garn. Sind die slawischen Siedlungs- und Flumamen in der Oststeiermark merklich dtinn ge- sat, so ist das auf die Verwtistun- gen der Ungameinfalle zurtick- zufuhren. Der verhaltnismaBig hohe Anteil slawischer Namen, der sich in Gratkom erhalten hat, 1egt die Vermutung nahe, daB mit einem vollstandigen Abbruch der Siedlungstatigkeit hier nicht Zu rechnen ist.14 Eine Grenze im h6utigen Sinne existierte nicht, doch darf wohl die Mur als solche angesprochen werden. Wahrend der ersten Halfte des 10. Jahrhunderts kam 6stlich der Mur die planmaBige Siedlungstatigkeit jedenfalls zum Erliegen. Jedoch darf ange- nommen werden, "daB sich im ganzen Lande, besonders nathr- lich in Rtickzugsgebieten, slawi- sche wie deutsche Siedler gehal- ten haben, wenn auch die deut- sche Verwaltung fur ein halbes Jahrhundert ausgeschaltet war.„15
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