Geschichte Gratkorns

4. April 1907: Die k. k. Bezjrkshauptmann- schaft Graz teilt der Gemeinde c]ie Geneh- migung der Namensanderung von "St. Ste- fan am Gratkom" In "Gratkorn" mit. (AG) Befestigungsanlagebezeichnet.7 Den Wortteil -korn k6nnte man vom altslawischen "gora" ablei- ten, was einen Berg, auch ein bergiges, bewaldetes Gebiet, be- zeichnet.8 Gratkorn (grad-gora) ware somit als "Burgberg" zu verstehen. Umso verlockender bietet sich diese Deutung nattir- 1ich an, wenn wir dabei an den einstmals befestigten Hausberg denken. So verlockend auch ich diese These finde, - sic ist unhalt- bar. Nach neuesten Erkenntnissen sind drei m691iche Deutungen in Betracht zu ziehen.9 Die eine geht davon aus, daB es sich urn einen Personennamen handelt. Folgen wir dieser These, sie wird erstmals von K. Kniely vertre- tent° , dann besttinde die Wahl zwischen dem deutschen "Gracco" und - dies die zweite These - dem slawischen „grak" oder "krok" (= Rabe). In beiden Fallen ware das heutige Gratkom eine Verdumpfung ftir "Grakaren", was Kniely seiner- seits als "bei den Leuten des Grak (Gracco)" interpretiert. (Die These, die Alpenslawen hat- ten keine Ortsnamen aus Perso- nennamen gebildet][ , ist ohnehin zweifelhaft.) SchlieBlich kame noch das sla- wische "krak" in Betracht, was den FluBarm bezeichnet, in Be- tracht. Diese Deutung ware vor allem im Hinblick auf die Lage an der Mur, bzw. auf einen even- tuell alten FluBarm im Bereich stidlich des Hausberges von Re- 1evanz. DaB der Name Gratkom aus dem Slawischen stammt, kann zumin- dest vermutet werden. Eine In- texpretation in diesem Sinne wird durch den Umstand untersttitzt, daB sich im Gratkomer Becken nicht nur zahlreiche weitere sla- wische Siedlungs- und Flurna- men nachweisen lassen, auch in Urkunden des 11. bis 14. Jahr- hunderts werden in G6sting und Rein, wie oben erwahnt, zahlrei- che Slawen in nicht unprominenter Stellung nament- 1ich genannt. Zu den divergierenden Schreib- weisen ("Krakom" , "Krackamn" etc.) sei angemerkt, daB sich das geschriebene Deutsch bis ins 19. Jahrhundert durch ein kaum vor- handenes orthographisches Regelsystem auszeichnete. Wah- rend des Mittelalters und auch nachher wurde ein Name so nie- dergeschrieben, wie ihn der Schreiber - und der war nur in seltenen Fallen ein Einheimi- scher - gerade verstand. Im steirischen Raum tritt Grat- korn als Flur- oder Siedlungs- name mehrmals auf. 1249 wird der Siedlungsname "Grackerer" bei Stainz als "villa Grakorn" erstmals urkundlich genannt.12 Als "der Graker" wird die Kra- kau bei Murau erstmals ge- nannt.13 1395 nennt eine Urkun- de das Dorf "Grakorn" zwischen Kalsdorf und Wagnitz, stidlich von Graz. Urn 1450 erscheint dieses Dorf in der Schreibung "Krackamn prope Wegniez", be- ziehungsweise als "Grockoren". 14 Und schlieBlich nennt eine Quelle aus dem Jahre 1407 eine "hueb am Grakor", also das Geh6ft "Kroker" west- lich von Graz.15 Gratkorn und das westlich der Mur gelegene Gratwein werden, alleine schon wegen der Namensahnlichkeit, oft mitein- ander in Zusammenhang ge- bracht. Auf die kuriose volks- etymologische Deutung der Na- men (Gratkorn und Gratwein - wo Kom und Wein gut geraten) wurde bereits hingewiesen. In Wirklichkeit aber leitet sich auch Gratwein vom slawischen "grad(ice)" (= Befestigung, Burg) ab. 1138 wird Gratwein als "Gradewin" erstmals urkundlich genannt. 16 Es fuhrt seine Wurzel auf das slawische "gradovfna" zurfuck, was die Gegend urn eine Burg bezeichnet.17 Die frtihe Besiedelungs- geschichte laBt sich anhand sol- cher Beispiele freilich nicht dar- stellen, h6chstens ihre Komple- xitat vermag damit angedeutet und das Interesse des Lesers fur diese Thematik geweckt werden. Das Namensgut des Raumes Gratkorn soll daher in seiner Gesamtheit kurz einer Betrach- tung unterzogen werden.

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