Geschichte Gratkorns

1 Auch der Name der Stadt Graz (er ist slawlscher Herkunf{ und bezeichnet elne Burg) wjrd in der "Volksetymologie" ahnlich abgeleitet. So hatte ein munter dahinzimmemder Siedler aus Bayern e!nem Slawen auf die Frage mach seinem Tun erk!art, hier wer- de Sine Stadt gebaut. "G'rat's, so g'rat's", hatte der Bayer seine Arbeit we!ters kommentiert Vgl. H. v d. Sann,1920, S.1. 2 Gratweiner Urbar (AF!) 1486; 08, S. 439. 3 08, S. 439. 4 Erla8 der k u. k. Statthalterei Graz vom 17. Marz 1907. AG. 5 08, S 439. 6 8. Mader,1983, S. 43 unc! a. Mader. 1986, S. 36. 8. (Maclers Arbeit m6ge jedoch mit Vorsicht genossen wer- den. Sie zeichnet sichg so K. Spreitzhofer, i987, S. 299, clurch elnen "sorglose[n] Urn- gang mit Quellen uncl Litera- tur' aus.) Weit verbreitet unter der Bev6l- kerung des Gratkomer Beckens ist die Ansicht, der Name Grat- kom erklate sich aus dem Urn- stand, daB hier das Kom gut ge- rate, der Name Gratwein aus je- nem, daB dort der Wein gut ge- rate. Weil Weinbau hier langst nicht mehr betrieben wird, dtirf- te diese volksetymologische Deutung bereits seit geraumer Zeit tradiert werden. Sie ist zwar nett erdacht, dennoch schlicht- Weg falsch.1 Tatsache ist es, daB mit der Grtin- dung der Gratkorner Papierfa- brik im frtihen 19. Jahrhundert und ihrer Entwicklung sich das gesamte wirtschaftliche und so- ziale Gefuge der Region ander- te. Jahrhundertealte, bis ins Mit- telalter zurtickreichende S truktu- ren fanden ein jahes Ende. St. Stefan, bis dahin Zentrum der Gemeinde, verlor mit der Expan- sion der Papierfabrik fortschrei- tend an Bedeutung, reziprok dazu entstand im Umfeld der Pa- pierfabrik, beiderseits der ReichsstraBe (Post- und KommerzialstraBe, heute BruckerstraBe GrazerstraBe) , die do- minierende Indu strie- siedlung mit dem Na- men Gratkom. Heute versteht man darunter ein etwa halb- kreisformiges Gebiet, das, beginnend an der Mur, nach Osten him ansteigt und vom Hausberg, St. Stefan und Brunn begrenzt wird. Es ist bezeichnend, daB auf offiziellen Briefk6pfen der Pa- pierfabrik bis zum er- sten Drittel dieses Jahrhunderts nicht der Name Gratkorn aufscheint sondern der Firmenname mit den Zusatz "...bei Gratwein". - St. Stefan war zu unbedeutend und weit entfemt, Gratkom noch zu jung und unbekannt. In Grat- wein befand sich zudem die Ei- senbahnstation, tiber die der GroBteil der Rohstoffe bezogen und die Produkte ausgeliefert wurden. Dieser Zusatz "bei Grat- wein" hatte tibrigens Tradition, denn das aus regionaler Sicht mehr oder minder unbedeutende St. Stefan wird bereits 1478 mit dem erlauternden topographi- schen Zusatz "vnder dem Lug gegen Greydwein vber" verse- hen.2 Andere frfuhe Nennungen konkretisieren die Lage des klei- nen Dorfes und der Kirche St. Stefan mit "ob Endricz" (1390), "ob Graetz bey der Muor" (1407), "bey den Lueg" (1434) oder gar "bey Friesach" ( 1429).3 Den Namen Gratkom tragt die Gemeinde tiberhaupt erst seit 17. Matz 1907.4 Bis dahin, seit Ein- ftihrung der Gemeinde- verfassung und Konstituierung der Ortsgemeinden im Jahre 1849, hatte die Gemeinde den amtlichen Namen St. Stephan (St. Stefan) am Gratkom gefuhrt. Der Name Gratkorn selbst er- scheint, und das ist bemerkens- wert, in seiner frtihesten Nen- nung erst 1449 als Flumame auf, und zwar bezeichnet er konkret die Lage des Ortes St. Stefan als "s. Stephan in Krakom"5 , bezieht sich also auf ein keinesfalls ex- akt einzugrenzendes Gebiet. "In" Gratkorn, auch "zu" Gratkorn kommt vor, bezeichnet somit ur- sprtinglich ein Gebiet, in dem Kirche und Dorf St. Stefan lie- 8en. Die Slawistin 8. Mader stellt le- diglich lapidar fest: „*krak-+ dt. -aren zu krak_ ?"6 Ein interessanter Inteapretations- versuch (R. Baravalle und ihm folgend P. Cede) schlagt die Ab- 1eitung vom slawischen "gradec" oder "gradice" vor, was eine mehr oder minder ausgedehnte Erste Nennung St. Stefans (8. Zeile v. o.) im Jahre 1390. (Marchfutterregister von 1390, pag.1, Stiftsarchiv Rein.)

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