Geschichte Gratkorns

Grabfunde (10. Jh. n. Chr.) vom Straf3engler Kirchhtlgel. "Der Schadel und die kleineren Knochen waren ganz zerfallen, und die P6hrbeine sehr morsch. Da- bei lagen mehrere Metallsachen: zwei Ohrgehange, zwei Armringe, ejn Draht mit drei G16ckchen und ein stark verrostetes hakenf6rmiges Eisensttlck." Die Funde werden im Landesmuseum Joanneum, Abteilung ftlr Vor- und Frtlh- geschichte (lnv. 6385, 7002, 7005 und 6384) aufbewahrt. Das hakenf6rmige Eisenstt]ck, vielleicht der Rest einer Eisenfibel, befindet sich nicht im LMJ. (K. Weinhold,1858.) die R6hrbeine sehr morsch. Da- bei lagen mehrere Metallsachen: zwei Ohrgehange, zwei Arm- ringe, ein Draht mit drei G16ck- chen und ein stark verrostetes ha- kenformiges Eisensttick."5 Die- ses Grab war wohl eines von vie- 1en, die einst der regen Bau- tatigkeit am Kirchhtigel zum Opfer fielen. Die enge Beziehung des Fund- materials zu den K6ttlacher Fun- den (Horizont K6ttlach 11), un- ter anderem zum Graberfeld Pristava in Bled, 1iefert eine Da- tierung, die "unbestreitbar in den Zeitrahmen des 10. Jahrhunderts zu setzen ist [...]."6 In diesem Grab jedoch die letzte Ruhestat- te einer Slawin zu sehen7 , halte ich fur reine Spekulation. Bereits 1858 erklarte K. Weinhold: "Uber das Volk laBt sich nur mutmaBen. Stammt das Grab noch aus heidnischer Zeit, so war mach den gegebenen Verhaltnis- sen die darin Begrabene eine Slavin; geh6rte es christlicher Zeit an, so k6nnte auch eine Deutsche darin bestattet sein."8 Wenn derartige Funde, beson- ders wenn sie in Gegenden nit slawischen Ortsnamen vorkom- men, gerne als rein slawisch ge- deutet werden, so wird dabei ver- drangt, "daB die Bestattungs- weise in diesen Graberfeldem an spatmerowingisches B rauchtum, und nicht slawisches Brauchtum anknupft."9 Der Name StraBen- gel selbst dtirfte aus dem Slawi- schen stammen und von Straza (= Wacht, Warte) herzuleiten sein.10 Auch der nahere Umkreis ist reich an frtihmittelalterlichen Funden.11 In Deutschfeistritz wurde eine Eisenschmelze mit Herdanlagen aus den 10. Jahr- hundert nachgewiesen]2 , frtih- mittelalterliche K6rpergraber sind aus Waldstein und Peggau - Hinterberg bekannt[3, aus G6sting Scherbenfunde, die in das 8. bis 11. Jahrhundert wei- sen[4 , ebenso aus Peggau]5 . Es ist nicht anzunehmen, daB der Raum Gratkom isoliert als wei- Ber Fleck innerhalb dieses Siedlungsraumes zu gelten hat. 5 K. Wejnhold,1858, S.140. Vgl. auch A, Gasparitz,1895, S. 53 , W. Modrijan, 1963, S. 80f und W. Modrijan,1975, S. 35f, Die Fun- de werden im Landesmuseum Joanneum, Abteilung ftlr Vcr- und Frtlhgeschichte (lnv. 6385, 7002, 7005 und 6384) aufbe- wahrt. Das hakenf6rmige Eisen- stock, vielleicht der F3est einer Eisenfibe!, bef!ndet sich nicht im LMJ. 6 V. Sribar -V. Stare, 1978#9, S` 212. Keinesfalls ist das StraBengler Grab in clas 6. Jahrhundert zu datie- ren, so zu !esen unter anderem in einem aktuellen Kirchenfdhrer einer Kunthistoriker!n. (M, Gerstenberger,1985, S. 50, An- merkung 2.) - M. Gerstenberger hatte sich gctrost an K. Weinhold, 1858. S[ 149 halten k6nnen, der schon seinerzeit feststellte, daB "nlchts ftlr ein h6heres Alter spricht" und das Grab "f rtihe- stens dem 8 Jahrhundert" zu- schreibt. In der aktuellen Chronik der Gemein- de Judendorf-StraBengel wird der Gipfel der Unvernunft er- reicht: "Die heidnische Grabstat- te stammt aus der r6misch- karantanjschen [sic!] Zeit", heiBt es dort. 7 Wie etwa M. Gerstenberger,1985, S. 50. 8 K. Weinhold,1858, S.149. D. Kram- er,1989, S. 7 bemerkt zur Frage "deutsch oder slawisch": "Eine ethnische Zuordnung der m!t die- sen Gegenstanden in den fragli- chen F}egionen Bestatteten ist mit archaologischen Methoden kaum m6glich und laBt sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit an- thropologischen Methoden nur in vereinzelten Sonderfallen kla- ren." Vgl` dazu auch D. Kramer, 1996, S. 58ff. 9 D. Kramer,1994, S 70. io a, Mader,1986, S. 94f. 11 Dazu vg!. auch W. Modrijan,1963, S. 47ff. 12 a. Macler,1986, S.139, 13 8. Mader,1986, S.149; D. Kramer 1990, S.151f. W. Artner,1997. 14 8 Mader,1986, S.140. 15 a. Mader, i986, S.145f. Zum Ge- biet Peggau und Umgebung vg!. besonders auch W. Moclrijan, 1966/67, S. 5 -19.

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