Geschichte Gratkorns

1 F. Poschj 1980, S 23. 2 D. Kramer, i986, S. 22 3 F. Posch,1964, S. 87f 4 F. Posch,1980, S. 23ff, 5 „Von Emanz!pation und allgemei- ner Anerkennung der Mitte!a!terarchaologie !n der Steiermark kann zum gegen~ wart!gen Zeitpunkt [1992] kei- ne Plecle seln; wenn tiber- haupt, konnte sie bisher nur ansatzweise betrieben wer- den," D. Kramer, i992c, S. 4i 6 D. Kramer] 1992c, S. 43. GEseEL[eELEFTE EBEs M]HHEELAEHTEffis V6LKERWAREBEHUN® UNS FffitsELMITFEEHAhTER Das 6. nachchristliche Jahrhun- dert brachte fur den Ostalpen- raum den Verlust seiner Bindun- gen zum r6mischen Weltreich. Der Einfall des asiatische Reiter- volkes der Awaren hatte die Vor- herrschaft germanischer V6lker im Karpatenbecken beendet. In der Folge drangen im ausgehen- den 6. Jahrhundert Slawen in den Ostalpenraum ein, "wodurch ganz Steiermark und Kamten mit einer dtinnen slawischen Siedlungsschichte tiberzogen wurden."1 Das Siedlungsgebiet dieser Slawen, sie werden auch als Alpenslawen bezeichnet, reichte ungefahr bis zur Linie Innichen (St. Candido) - Rad- stadt - Mondsee - Traun. Diese Einwanderung, Siedlungen und Graber dieser Slawen, die in der Untersteiermark und in Kamten die letzten Reste spatantiker Kul- tur ausl6schte, lassen sich ar- chaologisch in der Steiermark bislang nicht nachweisen. In der Mittel- und Obersteiermark vcr- siegen die archaologischen Quel- len bereits im 5 . Jahrhundert und setzen erst Ende des 8. Jahrhun- derts wieder ein.2 Mit der slawischen Einwande- rung zu Ende des 6. nachchrist- lichen Jahrhunderts beginnt sich auch in der Steiermark eine siedlungsgeschichtliche Konti- nuitat in den Geh6ftformen des karantanischen Haufenhofes, in den Weileranlagen der Siedlun- gen und in der Blockgemenge- flur zu manifestieren.3 Das Ver- breitungsgebiet ganz spezifi- scher Geh6ft-, Siedlungs- und Flurformen deckt sich weitge- hend mit slawischen Siedlungs- und Flumamen. Die ausgeprag- te Geschlossenheit des slawisch- karantanischen Siedlungsgebie- tes wird lediglich in zwei Regio- nen gest6rt. Es handelt sich ei- nerseits urn das obere Ennstal, wo es in der ersten Halfte des 8. Jahrhunderts zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwi schen Baiern und Slawen kam.4 Die Oststeiermark, andererseits, galt bis ins 12. Jahrhundert hinein als Grenzgebiet zu Ungarn und bot aufgrund der durch Kriegsereig- nisse hervorgerufenen Ver6dung wenige Aureize fur eine Besie- delung. Dieses Faktum hat fur den Gratkomer Raum, wie in der Folge dargestellt wird, eine ge- wisse Bedeutung. Archaologische Zeugnisse, die dem Frfuhmittelalter zuzuordnen waten, fehlen aus Gratkom bis- 1ang v611ig. Dies mag beim der- zeitigen Stand der Mittelalter- archaologie in der Steiermark weiter nicht verwundern.5 Le- diglich aus StraBengel ist ein in- teres santer frtihmittelalterlicher Grab fund bekannt, auf den ich weiter unten naher eingehen werde. Anhand von Untersuchungen am tiberlieferten Namen sgut werden sich jedoch mannigfaltige kon- krete Aussagen tiber Jahrhunder- te treffen lassen, die sich nur sparlich - und im Falle Gratkom gar nicht - anhand "gegenstand- 1icher" Quellen wie Bodenfunde oder Urkunden dokumentieren. Dabei wird es notwendig sein, besonders bei der Interpretation der Siedlungs- und Flumamen, auf lokale siedlungsspezifische Komponenten (wie topogra- phisch - biologische Gegeben- heiten, Rodungen, Trockenle- gungen oder Kultivierungen) zu achten. Keinesfalls freilich dtir- fen wir davon ausgehen, daB sich der Raum Gratkorn den ersten slawisch - karantanischen Sied- 1em in seiner uns heute bekann- ten Fomi zeigte. Lassen sich der- art also wichtige Hinweise zur Geschichte der frfuhen Besiede- lung dieser Region gewinnen, so sollten sie lediglich als solche angesehen werden, solange ein endgtiltiger Beweis nicht zu fuh- ren ist. Denn allzu berechtigt ist noch die Kritik, "daB mach wie vor viele Historiker glauben, daB sic sich nicht urn die archaologi- schen Funde, Befunde und Da- tierungen zu ktimmem brauchen. Dieser Entwicklung ist Einhalt Zu gebieten."6 Ich bitte den Leser, nachstehen- de Ausfuhrungen unter diesem Aspekt zu verstehen.

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