Geschichte Gratkorns

Der Bereich "Weinzettel" -SchloB St. Gotthard auf einer urn 1850 entstandenen kartographischen Darstellung. Hier wurden urn die Jahr- hundertwende in der Schottergrube der Marie Gagel r6merzeitliche Graber gefunden. Das Gebiet geh6rte einst zur selbstandigen Ge- meinde Schattleiten. Es wird von "Trtimmer[n] und Denksteine[n] aus der R6mer- zeit"19 berichtet, die - auBer in Kumberg - u. a. auch in St. Ste- fan am Gratkom beobachtet wor- den seien. Weiters wird hier auch folgende interessante Sage tiber- liefert: Neben dem "R6merweg" auf den Sch6ckelkopf soll eine r6mische Verkehrsverbindung "auch tiber die Leber, an deren FUB eine Stadt, Levem geheiBen, gestanden hatte, nach Semriach gefuhrt haben, und ebenso soll auch eine Verbindung des Thales mit St. Stefan am Gratkom be- Standen haben."20 Bis zu Beginn der 70er Jahre des zweiten nachchristlichen Jahr- hunderts erlebte Norikum Zeiten des Friedens und wirtschaftlicher Bltite. Als Folge der Marko- mannenkriege, unter denen auch Flavia Solva gelitten haben dtirf- te, erlebte Norikum eine tiefgrei- fende Umorganisation und unter Kaiser Diocletian eine letzte Blti- te. Urn etwa 400 beginnt der end- gtiltige Niedergang Norikums. Ftir die Mittel- und Obersteier- mark versiegen nun die archao- 1ogischen Quellen im 5 . Jahrhun- dert und setzen erst Ende des 8. Jahrhunderts wieder ein.21 Eugippius berichtet zu Beginn des 6. Jahrhunderts in seiner „Vita Sancti Severini" (der hl. Severin wirkte in Ufernorikum und starb 482) von bewegten Geschnitzter und gedrechselter Schlangenkopf gefunden bei der Ausgrabung Walter Schmids in der Zigeunerh6hle (1923) im Quadrant D 14. Aufgrund der ungesicherten Stratigraphie (Lage in der Schichtabfolge) laBt sich der Fund bislang nicht datieren. Derartige Schnitz- und Drechselarbeiten aus Bein sind jedenfalls bereits seit der F36merzeit bekannt. (Zeichnung: lngrid Kusch in H. Kusch,1996, S. 67.) Zeiten, veramiten Men- schen und dem Unter- gang r6mischer Kultur, Verwaltung und Zivili- sation in Norikum. 476 hatte die regulare Ver- teidigung des norischen Donau-Limes ihr Ende gefunden. 488 1aBt Odoaker Ufernorikum teilweise raumen.22 Uber das Schicksal des Raumes Gratkorn zu jener Zeit k6nnen wir aufgrund fehlender schriftlicher Quellen und (noch) unbekannter Bodenfunde nicht ein- mal Vermutungen an- stellen. 13 F. Pich!er,1887/88. VgI. auch ALA Gratkorn 677-220/i. 14 Karte Graz-Umgebung 1872. (MaBstab 1:4440). Blatt 1` Vg!. auch OK 164. i5 V. Hilber,1922, S. 70f; Vg!. dazu auch W` Artner. i995, S. 45 unc} W. Ariner, 1997. Meinem Freund Mag. Wolfgang Artner danke ich an clieser Stelle herzllch ftlr un- zah!ige Gesprache und werivol- le Bat§chlage 16 A, v, Muchar,1844. Bd.I, S. 434. 17 F. Pichler,1879, S. 49. 18 Fllst, Nr. 67, 68t 19 H. v. d. Sann,1892, S.110. 20 Ebenda, S. 20 - Der Name "Leber(n)" !aBt zumindest den Archaologen aufhoroher!. Die r6- mische Staclt Lewer sol! sich van der Hub bis\auf die Leber er- streckt habera, tiber Jahrhunder- tsec£:t{{::u!:#g:a:e:e:trfig:s::: zu sehen gewesen sein Be!m Griesacker, so erzahite man s!ch, bestand der Stadtplatz. Ebenda, S. 63. 21 Zur archaologischen Quel{en!age bez. Slawen !n der Steiermark vgl. D. Kramer,1988b, S. 2ff und D. Kramer,1989, S. 3ff. 22 M. Hainzmann,1990, S.184f

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