Geschichte Gratkorns

beltiftet, die Abluft in den Kes- selanlagen der Papierfabrik vcr- brannt. Die Baukosten fur diese damals gr6Bte biologische Klar- anlage der Steiermark - Kommunalklaranlage und Rest- stoffverbrennungsanlage einge- schlossen -betrugen 765 Millio- men Schilling. Mit der Inbetrieb- nahme der mechanischen Stufe (April 1987) und der Biologie (November 1987) trat im Bereich der Abwasserfrachten der Pa- pier- und Zellstoffabrik sowie der kommunalen Abwasser- frachten eine grundlegende Vcr- besserung ein. Bei der neuen Dampfkraftanlage (Kessel 11) entfielen 420 Millionen Schilling auf umweltrelevante Anlagen- teile. Die mittlere Staubemission konnte von 525 kg/Stunde im Jahre 1977 auf 17 kg gesenkt werden; die S02 - Emissionen von 400 kg/Stunde auf 110 kg. Erst in jtingster Vergangenheit gelang der Papierfabrik mit der Umstellung von Chlor- auf Sauerstoffbleiche ein weiterer revolutionarer Schritt. Nachdem der Ausbau der bestehenden An- 1age mittels Modulbauweise unter Aufrechterhaltung des Normalbetriebes erfolgt war, konnte im Juni 1993 die gesam- te Produktion auf die chlorfreie Bleichtechnik umgestellt wer- den. Diese gewandelte Einstellung zu 6kologischen Themen manife- stierte sich in Gratkorn auch in- nerhalb politischer Jugendgrup- pen. Exponenten dieser Bewe- gung gerieten nicht selten in Wi- derspruch zur Kommunalpolitik der „Wiederaufbaugeneration", deren Zielsetzung, namlich die Erreichung optimalen wirt- schaftlichen Wachstums als Ga- rant fur ein materiell abgesicher- tes Leben, einer jungen, kriti- schen Generation allein nicht mehr gentigen konnte. Unter die- ser Pramisse wurden bereits in den letzten Jahren der Amtszeit Btirgermeister Feldgrills Initia- tiven gesetzt, so unter anderem: neue Ortsdurchfahrt, Senioren- wohnheim beim Gemeindeamt, Ortsgestaltung, sozialer Wohn- bau fur Jungfamilien, neue Ab- fallkonzepte, Hochwas serschutz, Kindergarten in der Sportplatz- gasse, Modemisierung des Ge- meindeamtes, Kanalisation in Friesach. Ftir diese Verdienste erhielt August Feldgrill anlaBlich seines gesundheitlich bedingten Rticktrittes im Dezember 1987 den Ehrenring der Marktgemein- de Gratkorn verliehen, 1991 wurde Feldgrill Ehrenbtirger, 1992 erhielt er das Goldene Eh- renzeichen des Landes. Hatte Elmar Fandl bereits als Gemeinderat wahrend der Amts- zeit August Feldgrills diese neue 6kologisch und sozial orientier- te Kommunalpolitik wesentlich gepragt, so kamen diesen Prin- zipien -unter Betonung der Btir- gemahe - mit der Wahl Fandls zum Btirermeister (Dezember 1987) noch deutlicher zur Wir- kung. Wesentliche Untersttit- zung findet Fandl in Karl - Heinz Frommknecht; als Leiter der Ver- waltung verfugt er in Eduard Kolle tiber einen versierten und engagierten Amtsleiter. Die In- itiative dazu ging in erster Linie von Btirgermeister Fandl und Amtsleiter Kolle aus. Als eine der ersten MaBnahmen Fandls erfolgte im Mai 1988 die Etablierung einer Gemeinde- zeitung (Btirgermeister - Info), wodurch die Transparenz der Verwaltung und die Kommuni- kation mit dem Btirger eine we- sentliche Verbesserung erfuhr. Auch kulturellen Belangen und den Belangen der Gratkorner Vereine wird hier gebtihrender Raum gewidmet. Der Herbst 1988 brachte grund- 1egende Entscheidungen tiber den Verkauf der Leykam - Mtirztaler AG. Der damalige Abg. z. NR und Zentralbetriebs- ratsobmann Ing. Hans Joachim Ressel und Arbeiterbetriebsrats- obmann Karl - Heinz Fromm- knecht, beide auch langjahrige Kommunalpolitiker, zeichneten da fur verantwortlich, daB ein Verkauf der Papierfabfik an den deutschen PWA - Konzern ver- hindert werden konnte. In einer tiberraschenden Aktion wurden Mitarbeiteraktien aufgelegt: in- nerhalb weniger Tage hatten Leykam - Mitarbeiter Anteile von 116 Millionen Schilling ge- zeichnet. Streikdrohungen stan- den im Raum, als am 25 . Novem- ber 1988 in Wien die Entschei- dung fiel, daB es vorerst eine Minderheitsbeteiligung des hol- 1andischen KNP - Konzerns ge- ben werde. Hans Joachim Ressel und Generaldirektor Dr. Sieg- fried Meysel erhielten fur ihren Einsatz den Ehrenring der Marktgemeinde. Die endgtiltige Produktionszusammenlegung und die Anderung der Firmen- bezeichnung in „KNP Leykam" erfolgte 1994. Ein weiterer bedeutender Gratkorner, der 29 Jahre lang als Finanzreferent fur die Verwirk- lichung kommunaler Projekte sorgte, Kurt Roth, 1egte 1989 sein Gemeinderatsmandat zu- rtick. Trotz der bedeutenden In- vestitionen konnte Roth den VerschuldungsgradderMarktge- meinde - gemessen an allen 6sterreichischen Gemeinden - im unteren Drittel halten. Als Nach- folger Kurt Roths wurde Ing. Franz Isker bestellt. Kurt Roth

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