Geschichte Gratkorns
Engelbert Eibel,1942 -1960 Di- rektor der Papierfabrik, war maB- geblich am "Wiederaufbau" der Produktion nach dem Krieg be- teiligt und setzte sich ftlr die Ver- sorgung der Gratkorner mit Le- bensmittel ein. (AG) M6bel, Radios „und die rest- lichen von den Russen tiber- sehenen Wertgegenstande. "6 Der Besitzer des' Gasthofes „Dulthof" fand sich eines Ta- ges in einer ganzlich von den „Tommies" verwtisteten Gaststube wieder. 6 E. Htltter,1960ff. 7 Verfassungsgesetz vom 8. Mai 1945 tiber das Verbot der NSDAP, StGBl. Nr.13. (In der Folge als „Verbotsgesetz" zltiert.) Vgl. auch Kriegsverbrechergestz vom 26. Juni 1945, StGBI. Nr. 32. 8 .,Verbotsgesetz" Art. 11, § 4. 9 Die folgenden Aussagen basieren auf den Meldeblattern gem. § 12 der 1. NS -Begistr. -Vdg. v.12, Mai 1945 (AG). 10 Samtliche Elnsprtlche der KPO Gratkom (aufbewahrt in AG) sind mit 1. August 1945 datiert. Ent- sprechendes Aktenmateria! der ehemaligen NSDAP - Ortsgrup- pe Gratkorn hat damals vorgele- gen. AUBerdem wies Mag. Lud- wig Fischer, der selbst unvoll- standige Angaben tiber seine Parteizugeh6rigkeit gemacht hat- te, der KP0 die Zugeh6rigkeit von mehr als zwei Dutzend Gratkornem zur NSDAP nach. 11 Zusammensetzung nach Berufen: Stand vom 25. Sept.1945 (AG). Diese Auswertung birgt sicher Fehlerquellen ln sich (Gefallene und noch Kriegsgefangene nicht ber8cksichtigt), vermag aber in. E. trotzdem, grundsatzliche Ten- denzen aufzuzeigen. 12 Vgl` dazu D. Stiefel,1981. 13 Schreiben an das Landes- gendarmeriekommando ftlr Stei- ermark vom 25. Mai 1945, ad Zl. 8 -1i2/1 vom 29. Mai 1945. 14 0ber die Tatigkeit der Genannten glbt dle Gendarmeriechronik kei- ne Aufschltisse. Angeblich we- gen Arbeitsuberlastung konnte die Chronik wahrend cler Jahre 1943/44 nicht weitergefdhrt wer- den. „Die summarische Darstel- lung der erzielten wesentlichen D!ensterfolge kann nlcht mehr erfolgen, well in den Umbruchs- tagen 1945 samtliches Akten- material bis einschlieBlich 1944 verloren glng," (CGG) - Manche der „erzielten wesen{Iichen D!ensterfolge" schlagen sich je- doch in den tw. erhaltenen Ak- ten des Volksgerlchtshofes nie- der. selbstbewuBt mit der Feststel- lung: „Sollten Sie nicht in der Lage sein, uns mit diesen erbe- tenen Kleinigkeiten zu untersttit- zen, werden wir uns ganz einfach diese Sachen besorgen lassen." Am 13. Mai waren die in Grat- korn stationierten russischen Batterien bereits abgezogen, am 23./24. Juli 1945 wurde die Steiermark von der britischen Besatzungsmacht tibernommen und in Gratkorn das 71. Field Regiment der Britischen Armee stationiert. Die Gratkorner Orts- schutzwachen wurden daher am 1. August aufgel6st. Wultsch am 18. August 1945 in seinem SchluBbericht an den Btirgermei- ster: „Es ist mir eine Genugtu- ung, Ihnen berichten zu k6nnen, daB von 57 Ausrtickungen 56 vollen Erfolg zeitigten und das alle S chutzwachmanner j ederzeit geme fur unser Hab und Gut und fur die Ehre unserer Frauen und Madchen sich einsetzten. [...] Die Ortsbewohner der Dult ha- ben auf Auregung der Hofrats- gattin Frau Leopoldine Kotzbeck in Anerkennung der Leistungen der Ortsschutzwache freiwillige Spenden gesammelt, welche den sch6nen Erfolg von ca. Sch. 1.500.-aufweisen. Frau Kotz- beck hat die Sammlung selbst durchgefuhrt." Das Leben unter den Briten ge- staltete sich jedoch durchaus nicht unproblematisch, denn auch Angeh6rige dieser Besat- zungsmacht „beschlagnahmten" Neben der Sicherung der Lebensmittelversorgung und der Versorgung mit Gebrauchsgti- tern konzentrierte sich die Ge- meindeverwaltung auf den Wie- deraufbau der Verwaltung und diesogenanhteEntnazifizierung. In manchen Bereichen ging dies problemlos vor sich. Sechs poli- tisch belastete Gemeinde- bedienstete wurden entlassen und die Sache war damit erledigt. Das Verfassungsgesetz vom 8. Mai 19457 schrieb generell die Meldepflicht und Registrierung ehemaliger Nationalsoziaisten vor. Dieser Registrierungspflicht unterlagen „[...] alle Personen mit dem ordentlichen Wohnsitz oder dem dauemden Aufenthalt im Gebiet der Republik Oster- reich, die zwischen dem 1. Juli 1933 und dem 27. April 1945 der NSDAP oder einer ihrer Wehr- verbande (SS, SA, NSKK, NSFK) angeh6rt haben [..]."8 Genauere Bestimmungen folg- ten. In der Regel hatte man am Gemeindeamt ein Meldeblatt auszufullen und das Datum des Parteieintrittes, besondere Lei- stungen fur die NSDAP etc. an- Zugeben.9 Nun bereuten es manche, daB sic anlaBlich des Aufnahmean- 1 suchens urn Parteimitgliedschaft schamlos tibertrieben hatten. Nun wurde, wie 1938, besch6- nigt, heruntergespielt, denunziert und gelogen. Es kam zu unzth- ligen Richtigstellungen und die Ortsgruppe der KP6 Gratkorn brachte von den insgesamt 348 Registrierten an die 140 wegen vermutlich unrichtiger Angaben zurAnzeige.L°25%davonerwie- sen sich als berechtigt und schwerwiegend; einzelne Gratkomer wurden bis zu zwei Jahren in den Lagem Wolfsberg oder WeiBenstein (Kitten) in- haftiert. Generell ergibt sich, mach Auswertung der Akten, fur Gratkom folgendes Bi|d: 11 Ging die „Entnazifizierung", die in dieser Form problematisch genug war]2, in Gratkom relativ klaglos vonstatten, so wehrten sich Wilhelm Partbauer (Ortsgruppenobmann der Spa) und Josef Graf (Ortsgruppen- obmann der KPO) zumindest gegen die Wiedereinstellung von schwer belasteten Exekutiv- beamten, die wthrend der NS - Zeit mehr als ihre Pflicht getan hatten: „Heute den 26. Mai 1945 erschien Gend. Leutnant Schwindhackl am Gendarmerie- posten Gratkom mit dem Auftra- ge des Landesgendarmerie- kommandos in Graz, den Posten Gratkom zu reorganisieren. Die Gemeinde Gratkom begrtiBt die- sen Schritt nur ist sie damit nicht einverstanden, daB die Herren Baier, Wohlkinger und Stiegler wiederbeimGendarmerieposten Gratkom in Dienst gestellt wer- den [...]. [Sie trugen] wahrend der Naziherrschaft wesentlich dazu bei, daB eine Anzahl von braven Arbeitern wegen ihrer Uberzeugung ins Konzentrati- onslager bezw. Kerker geworfen wurden. Einige muBten ihre Ge- sinnung mit dem Leben bezah- len. Ihre seinerzeitige Tatigkeit tiberschritt vielfach die rein dienstlichen Befugnisse."13 Aus ahnlichen Grtinden wurden die Polizeireservisten aus dem B anat (Metzger, Koch und Polz) abge- lehnt.14
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