Geschichte Gratkorns
2565 Arbeiter 855 in der Land- und Forstwirtschaft Beschaftigte 1080 Angestellte, Beamte, freie Berufe, Hausfrauen, Schtiler, Rentner Am 25. November 1945 fanden in der Steiermark die ersten frei- en Wahlen seit dem 24. April 1932 statt. Streng genommen handelte es sich bei den Wahlen vom 25. November 1945 urn Nationalrats- und Landtagswah- 1en, jedoch erfolgte die Bildung der Gemeindevertretung auf- grundderStimmenergebnissefur die Nationalratswah|.15 Diese auBerordentlich wichtige Wahl stand unter keinen guten Vorzeichen. Sechs Tage vor der Wahl muBte auch die Gemeinde Gratkorn auf Anordnung der Landeswahlbeh6rde eine Kund- machung an der Amtstafel an- schlagen, wonach den ehemali- gen Mitgliedem und Anwartem der NSDAP oder deren Wehr- verbande das Wahlrecht entzo- gen wurde.16 Diese problemati- sche Entscheidung war nicht zu- 1etzt da fur verantwortlich, daB sich die „alten Kampfer", „I11e- galen" und „Parteigenossen" nur mehr schwer mit der Zweiten Republik identifizieren konnten und so ihren Weg zu dem am 5. Februar 1949 gegrtindeten Verband der Unabhangigen (Vdu, Vorgangerpartei der FPO, die als „Wahlverband der Unab- hangigen" kandidierte) fanden. Auch sonst hatte das Demokra- tieverstandnis in Gratkom gelit- ten, wie es ein kurioser Vorfall im Zusammenhang nit der Wahl zeigt: Ein Mitarbeiter der Orts- organisationderSPOwarausge- schickt worden, urn von Haus zu Haus zu marschieren und Wah- 1er zu werben. Der gute Mann legte seinen Auftrag relativ weit aus, befragte die Leute frei von der Leber weg nach ihrer Wahl- absicht und verzeichnete die Antworten akribisch auf einer Wahlberechtigte Gtlltige Stimmen Sozialdemokraten Christlichsoziale Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund Heimatblock NSDAP - "Hitlerbewegung" Kommunistische Partei Osterr. Volkspartei (nicht identisch mit der OVP) Liste. Nachdem diese doch eher im Widerspruch zur Verfassung stehende Aktivitat seitens der Gendarmerie beanstandet wurde , entschuldigte sich der Ortspartei- obmann mit dem Hinweis, er hatte nicht gewuBt, daB sein Mit- arbeiter „geistig nicht ganz auf der H6he war".17 Die Aktivitaten der Parteien im Wahlkampf hielten sich in Gren- zen. Btirgermeister Ing. Rupert Sieber berichtete zwei Tage vor der Wahl an den britischen 31. FSS: „W6chentlich 1 bis 2 Ver- sammlungen der 3 Parteien in den Abendstunden oder Sonntag vormittags im Werkssaal der Pa- pierfabrik Gratkorn, im Gast- hause Teibinger und H6chwirt. Die beztiglichen Referate wer- NF] 1930 2742 2501 (1 ooo/o) 1472 (58,86°/o) 269 (10,76°/o) 191 (7,64°/o) 412 (16,47) 98 (3,92°/o) 50 (2 0/.) 9 (O,36°/o) NR 1945 2670 2455 (|ooo/o) 1424 (58°/o) 771 (31,4°/o) 260 (10,6o/o) den mit Interesse aufgenommen, Debatten oder Unruhen waren bei solchen Wahlerversammlun- gen noch nicht zu verzeichnen. Als Industrieort dtirfte in Grat- korn die Spa gefuhlsmaBig als starkste Partei aus dem Wahl- kampf hervorgehen. " 18 Sieber irrte damit nicht. Bemer- kenswert ist das Wahlergebnis trotzdem, denn die Sozialisten erhielten exakt ebensoviele Prozentanteile an Stimmen wie 15 LGBl. Nr. 4 / 1946. 16 StGBI. Nr.198/1945, § 7.D. 17 Zitiert nach A. Juri,1995, S. 49f. i8 Bericht an dle 31. FSS Graz vom 23. November 1945 (8 -100/1) im AG.
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