Geschichte Gratkorns

nach einem F}astplatz, wo wir uns verstecken konnten. Es kam eine Anh6he, doch urn diese zu errei- chen, muBten wir zuerst ein Mais- feld tlberqueren, und daran mach- ten wir uns auch sogleich. Als wir jedoch die Anh6he erreicht hatten und zurtJckblickten, sahen wir un- sere Spuren quer durchs Maisfeld - klar und deutlich ftlr jeden zu er- kennen. Noch einmal stand uns aber das Gltlck zur Seite, und uns passierte nichts. Das ging ungefahr zwei Wochen so weiter. Wir glaub- ten, in Bichtung unseres vorgese- henen Zieles, namlich der Schweiz zu gehen; wenn Hindernisse auf- tauchten, fanden wir einen Weg, sie zu umgehen. Die Lebensmittel wur- den knapp, da wir damit gerechnet hatten, uns yon der Natur ernah- ren zu k6nnen, doch wir irrten uns. Als wir einmal im Dunklen urn eine Ecke gingen, stieBen wir auf drei Soldaten, die gerade urn ein Feuer saBen und vermutlich Wache hiel- ten. Sie sprachen uns aus der Ent- fernung an, dicht ans warme Feu- er gedrangt, und schnell wie der Blitz antwortete der Englander in ausgezeichnetem Deutsch: "Wir sind auf dem Weg zur Arbeit." Dar- aufhin mahnte uns der deutsche Soldat zur Eile, da wir ansonsten zu spat kommen wtlrden. In diesem kleinen Ort - an den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern -stand eine groBe Fabrik. Er muf3 -zu un- serem Gluck - angenommen ha- ben, daB wir dorihin unterwegs wa- ren. Also gingen wir durch den Ort und noch einige Meilen weiter. Un- gefahr zu dieser Zeit wurde dem Englander schlecht, und wir muB- ten ihn verstecken, damit er sich ausruhen konnte. Wie es das Schicksal so wollte, bezog ein Mit- glied der Gestapo an der StraBe Stellung, gleich neben den niedri- gen Baumen, wo wir uns versteckt hielten, und kontrollierte den gan- zen Tag die Fteisenden auf der StraBe. Gespannt verharrten wir in unserem Versteck hinter den klein- gewachsenen Baumen, bis er schlieBlich, zu unserer gror3en Er- leichterung, am Ende des Tages abzog. Inzwischen ging es dem Englander besser, und wir gingen wieder weiter, bis wir zu einem kla- ren Bach kamen, wo wir im eiskal- ten aber erfrischenden Wasser ba- deten. Vor uns lag die Stadt Bruck und, wie es schien, eine unbewach- te Pumpstation. Wir schliefen und gingen weiterhin nach unserem ge- wohnten Schema, muBten aber feststellen, daB unsere Lebensmittelvorrate erschreckend knapp geworden waren, und daB es wahrscheinlich unsere einzige Chance war, heimlich auf einen Zug aufzuspringen. Nachtens, als wir am Pangierbahnhof neben ei- nem Gtlterzug hergingen und ihn jnspizierten, tlberraschten wir ein Mitglied der Gestapo (und waren gewiB auch selbst tlberrascht!). Dieser sah uns einmal kurz an und holte so fort Verstarkung. Wir WUB- ten, daB er uns als gefltlchtete Kriegsgefangene erkannt hatte. Da wir nicht riskjeren wollten, daB man auf uns schier3t, befanden wir es als das beste, uns bei der Polizei- station zu melden, und uns zu stel- len. Dazu muBten wir die Polizei- station aber erst finden. Wir klopf- ten an einige Ttlren, aber jede wur- de vorsichtig ge6ffnet und dann schnell wieder zugeschlagen. SchlieBlich fanden wir die Polizei- station zwar, doch niemand 6ffne- te auf unser Klopfen. Wir 6ffneten die Ttlr und fanden ein leeres Wachzimmer vor. Zweifellos waren alle damit beschaftigt, nach uns zu fahnden. V6llig ersch6pft brachen wir am Boden zusammen und schliefen ein. So fand uns die Poli- zei dann auch. Wie Sie sehen, ha- ben wir Wien nie erreicht, und un- sere Freiheit dauerte nur etwas mehr als 14 Tage. Wir wurden von der Polizei verh6rt und dann ins Arbeitslager ftlr Kriegsgefangene, in jene Stadt, in der die englischen Kriegsgefange- nen stationiert waren, gebracht. Diese machten tlbrigens einen gro- Ben Bogen urn uns, wahrscheinlich hielten s!e uns ftlr Spitzel der Ge- stapo. Am nachsten Morgen wur- den wir auf einen Lkw verladen, nach Wolfsberg gebracht und dort eingesperrt. Zwei Tage spater wur- den wir drei nach Spittal in ein gr6- Beres Kriegsgefangenen-lager ver- legt, wo man "Unruhestifter`` gefan- gen hielt, bevor man sie nach Deutschland brachte. Nach ca. zwei oder mehr weiteren Monaten, auch hier kann ich mich nicht mehr genau erinnern, wurden wir nach Hohenfels, in ein Unteroffiziers- gefangenenlager in Deutschland in der Nahe von Pegensburg, tiber- stellt, wo wir fast bis Kriegsende blieben. Von diesem Lager flt]chtete ich letztendlich mit zwei anderen Kriegsgefangenen. Wir versteckten uns unter der Feldkt]che bis das Lager geraumt war und sich die anderen Kriegsgefangenen weiter entfernt hatten, SchlieBIich trafen wir gleich aur3erhalb von Ntlrnberg auf Soldaten des amerikanischen Heeres. Die US-Armee flog uns dann zurtlck nach England, und dort war ich auch am Tag des Sie- ges (8. Mai 1945). Wir wurden gut verpflegt, und ich nahm tiber sechs Kilo zu, bevor ich zirka ejn Monat spater mit dem Schiff nach Austra- lien zurtlckgebracht wurde. Ich war ledig, als ich Australien verlier3, aber meine Freundin Dorothy und ich standen wahrend der ftlnf Jah- re in Briefkontakt - manchmal dau- erte es sechs Monate, bis die Brje- fe zu uns durchkamen. Wieder zu Hause heirateten wir, und wahrend

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