Geschichte Gratkorns
Keiner hatte etwas dagegen einzu- wenden -wahrscheinlich fanden sie es genauso lustig wie wir. Ich verstand mich mit eben diesem Bernhardiner sehr gut, ftltterte und streichelte ihn oft I er war ein lieber Hund und ich hatte Hunde gem. Wahrend der ganzen Monate war ich nicht ungltlcklich, doch ich hat- te beschlossen, sollte sich die Ge- legenheit ergeben, wtlrde ich mit Sicherheit versuchen zu fliehen. Vermutlich wollte ich einfach nur nach Hause, oder zumindest zu- rtlck zu meiner alten Einheit. Dazu war allerdings sehr viel Planung notwendig. Ich mur3te mir tlberle- gen, Essensvorrate anzulegen, mit jeglichen Lebensmitteln, die ich beschaffen konnte, und zwar von den F}otkreuzpaketen, die nun ver- einzelt zu uns durchsickerten. Ebenso muBte ich mir einen Flucht- weg ausdenken und die Flucht aus dem Gasthaus und aus Gratkorn konkret ausarbeiten. Mittlerweile war es Sommer - die einzige Zeit, in der eine F!ucht m6g- Der Bernhardiner Sedan, Verbtlndeter bei der F!ucht. (Sammlung Fanninger) lich war. Ich hatte heim- lich Le- bensmittel im Stroh unter den unbentltzten Matratzen im "Verlies" versteckt. Dann fand ich eine Metallsage und begann damit am hellichten Tage leise dle Fenster- stabe durchzusa- gen; ich sagte im- mer nur ein kleines Sttlck, das ich dann wieder mit Seife "anklebte", bis sich schlieBlich drei Stabe her- ausnehmen lieBen.T3 Das machte ich alles sehr vorsichtig tiber einen Zeitraum von Monaten. Heimlich machte ich einen Einheimischen ausfindig, der mir gegen Zigaretten bereitwillig eine Landkarte der Fie- gion eintauschte. Der Hund war kein Problem, wir waren dicke Freunde. Der groBe Neuseelander war an einer Flucht nicht interes- siert, sehrwohl jedoch der andere Neuseelander, der auf einem Bau- ernhof auBerhalb des Ortes arbei- tete und auch ein Englander von einem anderen Bauernhof . Wir ver- einbarten einen Treffpunkt und eine Zeit: Punkt 12 Uhr Mitternacht und keine Minute spater, oder wir mtlB- ten den Zuspatkommenden zu- rtlcklassen. Eine Dose Heringe mit Tomatensauce sorgte daftlr, daf3 der Hund ruhig b!ieb, wahrend der Neuseelander durchs Fenster klet- terte. Ich streiche!te den Hund und ergriff die Flucht. Nachdem wir uns getroffen hatten, gingen wir durch den Ort, niemand war zu sehen; vorbei an der Papier- fabrik - damals noch viel kleiner - und tiber die Brtlcke. Wir wuBten nicht, ob am anderen Ende eine Wache postiert war. - Zum Gltlck nicht. Wir steuerten direkt auf die Baume zu, denn wir wollten uns im Wa!d abseits von der Strar3e wei- terbewegen. Zwischen den Bau- men war es aber unglaublich fin- ster! Unser Plan war folgender: In der Nacht auf der StraBe zu gehen, und tagstlber im Wald zu schlafen. Die Karte, eine Wanderkarte, - und offensichtlich wuBte derjenige, der mir sie gegeben hatte, urn ihre Harmlosigkeit und Nutzlosigkeit - war, wie sich herausstellte, sehr alt. Es waren einige Holzfallerhtltten eingezeichnet, und diese fanden wir auch. Eingezeichnet war auch eine Notunterkunft ftlr Schifahrer - Lebensmittelvorrate vorhanden - und es war unser Ziel, diese Htltte zu errejchen. Doch wie sich heraus- stellte, war im Laufe der Jahre aus der "Htltte" ein Schihotel geworden, voll mit Schifahrern und Soldaten, die dort ihren Heeresurlaub ver- brachten. Wie angewurzelt blieben wir stehen, ohne zu wissen, wohin wir den nachsten Schritt setzen sollten, da lautete die Essens- glocke und machte uns den Weg frei, da alle zum Abendessen ver- schwanden. Wir machten einen weiten Bogen urn das Hotel und gingen den Berg auf der anderen Seite hinunter. Mittlerweile war der Berg sehr steil, und wir mur3ten auf den Baumen schlafen, urn den Hang nicht hinunterzurollen. Wir gingen in der Nacht und schliefen am Tag, urn nicht entdeckt zu wer- den. Wir waren zirka vier Tage ge- gangen, seit wir unser Quartier ver- lassen hatten, Fines Morgens, ab- seits des Berges nun, als es hell wurde, waren wir auf der Suche
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