Geschichte Gratkorns

zum Arzt zum Verbandwechseln und anschlieBend wieder zurt]ck zum Sttltzpunkt. Inzwischen war dort die Gestapo gekommen und befahl der Wache, mich ftlr immer am Sttltzpunkt zu behalten, da ich mich ihrer Meinung nach schon zu gut mit den Einheimischen ver- stand. Nun wurde ich also dem Gasthaus Pucher zugeteilt. Viel- Ieicht sollte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, daB es in den Lagern nur wenig zu essen gab. F3otkreuzpakete waren in dieser frt]- hen Phase des Krieges auBerst rar, und der einzige Ort, an dem es Nahrungsmittel in ausreichender Menge gab, war am Bauernhof . Deshalb arbeiteten wir und schatz- ten uns gltlcklich, auf den Bauern- h6fen zu sein. Selbst nach so lan- ger Zeit kann ich often und ehrlich behaupten, das Geftlhl des Hasses nie versptlrt zu haben. -Arger schon, von Zeit zu Zeit. Vor allem im Lager ging es uns oft wirklich miserabel: Das kargliche Essen, die nur langsam "eintrudelnde" Post, das kalte Wetter oder einfach die Langeweile - sie alle forderten einen hohen Tribut. Gltlck spielte natt]rlich auch eine Polle: Auf den Bauernh6fen, denen ich zugeteilt war, wurde ich immer gut behan- delt. Doch nicht alle hatten so ein Gltlck: Einem Soldaten hat man die Potkreuzpakete beschlagnahmt und in seiner Post herum- geschnt]ffelt. Die Menschen sind nicht tlberall alle gleich, und vor al- lem in Kriegszeiten k6nnen auch die Umstande die Menschen ver- andern. Also, dort im Gasthaus waren wir zu dritt, die wir jede Nacht einge- sperrt wurden; und dieses Eingesperrtsein haBte ich wirklich. Einer, ejn Neuseelander (Kiwi!) ar- beitete mit mir zusammen, und der andere, auch ein Neuseelander, arbeitete auf einem der anderen Bauernh6fe und kam jede Nacht aus Sicherheitsgrdnden ins Gast- haus zurtlck. Im Zimmer neben uns schlief ein Wachmann. Ich habe mich rasch eingelebt und machte jegliche Arbeiten, die mir aufgetra- gen wurden, z. 8. mit der Sense mahen. Wenn ich mit der Sense mahte, trug ich gleichzeitig auch zur allgemeinen Belustigung bei, schlieBlich war ich ein reiner Ama- teur, wahrend der Neuseelander ein Vollprofi war. -Ein Ht]ne von Mensch, der vor dem Krieg in sei- ner Heimat Bauer gewesen war. Mit dem Besitzer des Gasthauses hat- te ich immer Schwierigkeitenl2 . Der Neuseelander - seinen Namen habe ich vergessen -war ein Mann, der standig arbeiten muBte. Wur- de uns eine Arbeit zugewiesen, so bestand er darauf, dab ich mich hinsetzte, wahrend er die Arbeit erledigte. Zugegeben, ich lieB mich relativ leicht dberreden, tat aber immer sehr tlberrascht. Eine meiner Aufgaben war es, das Holz zu hacken und es fur Plosi Fanningers Mutter ins Haus zu tra- gen. Auch hier bestanden Sprach- barrieren, doch sie muB mit mir zufrieden gewesen sein, denn sie schenkte mir off ein Lacheln. Ich half den anderen auch beim Heuen und Heuaufhangen, wie gesagt, ich machte jede Arbeit, die mir aufge- tragen wurde. Ich kann mich noch gut an einen kleinen alten Mann erinnern. Er ktlmmerte sich urn die zwei Hengste, die sein ganzer Stolz waren. Manchmal, wenn er krank war, hat Flosi diese Arbeit gemacht. Ich durfte mein Essen im Haus ein- nehmen, gemeinsam mit Plosi, Paula - einem anderen jungen Madchen, das dort arbeitete -, ei- nem ruhigen Mann mittleren Alters, dem allen Pferdeknecht und dem groBen Neuseelander. Abgesehen davon, daB ich in der Nacht einge- sperrt wurde, hat man mich also tat- sachlich wie ein Familienmitglied behandelt. F}osi und ich haben off tiber Austra- Iien diskutiert, ja sogar gestritten. Sie glaubte mir nicht, daB manche unserer Farmen in Australien wirk- lich so groc sind, und nicht selten beendete Plosi die Diskussion mit folgendem Satz: "Warte nur, wenn mein Bruder nach Hause kommt, dann wird er's dir zeigen." F}osis Bruder war bei der lnfantrie. Wie immer im Leben gab es auch lustige Vorfalle. Als ich eines Mor- gens gerade auf der Kellertreppe saB, sah ich ein Pferd mit einem Sulky (zweiradriger Wagen wie bei Trabrennen), gefahren von einem australischen Kriegsgefangenen, der gerade auf dem Weg zum Bahnhof war, urn Besorgungen zu machen. Ich bot ihm ein Glas Most an, und nachdem wir ein wenig ge- plaudert hatten, Iud er mich ein, im Sulky mitzufahren. Warum auch nicht? Auf dem Weg zum Bahnhof, als wir erhobenen Hauptes im Wa- gen saBen, fuhren wir an einigen einheimischen Soldaten und ihren Freunden vorbei, die alle zu FUB unterwegs waren. Da waren wir also - zwei Kriegsgefangene, die stilvoll dahinkutschierten (und da- mals galt das Fahren in einem Sul- ky als stilvoll), wahrend jene, die uns gefangen hielten, zu FUB ge- hen muBten. Auch sie fanden die Widersprdchlichkeit der Situation h6chst amtlsant. Und die Verant- wortlichen im Gasthaus hatten mich nicht einmal vermiBt. Dann war da noch: Der Sommer war gerade im Anzug, und dem Bernhardiner Sedan im Gasthaus machte die Hitze zu schaffen. Des- halb fragten wir Flosi, ob wir sein Fell scheren dtlrften, und sie stimm- te zu. Der Neuseelander schor ihn und lieB ihm nur eine Mahne und ein Haarbtlschel am Schwanz tlb- rig - er sah also aus wie ein L6we. EEiEEEHREEEEEELJEiHraEREEiREHHJiFiREEEERE

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