Geschichte Gratkorns
Bauernhof war das ein Seitenge- baude. Ich eignete mir ihre Lebens- weise an -das Leben hier war ganz anders als das zu Hause - und ab- gesehen davon, daB ich in der Nacht eingesperrt wurde, gefiel es mir. Sonntags hatte ich frei und ntltzte den Tag, urn die Post vom Sttltzpunkt im GasthausJ° zu holen und mit meinen Soldatenkollegen zusammenzukommen. Gelegent- lich besuchte ich auch einen ande- ren Bauernhof, urn mich mit einem Freund, der dort arbeitete, zu un- terhalten. Ich erinnere mich gerne daran, wie ich mit dem Besitzer meines Bauernhofes durch den Schnee stapfte, urn eine Kuh zum benachbarten Bauernhof zu brin- gen. Ich ftlhre bewuBt dieses Bei- spiel an, weil ich in der Stadt gebo- ren und aufgewachsen bin und bis zu dieser Zeit ganz und gar keine Ahnung von der Landwirtschaft hat- te. Auch Schnee war fremd ftlr mich, und ich genoB die Gesell- schaft des Bauern, der mich gebe- ten hatte, inn zu begleiten. ]ch er- innere mich auch noch, als ich das erste Ma! einen "B!uttommerl" aB - eine durchaus schmackhafte Erfah- rung, bis ich bemerkte, daB darin Schweineblut enthalten war. Ich hatte an diesem Morgen dem Bau- ern beim Sauabstechen geholfen. Der Grund, weshalb ich diesen Bauernhof sch!ieclich verlieB, war folgender: Die Bauerin wollte, daB ich auch am Sonntag arbeite, was ich aber strikt ablehnte. Oberaus verargert erklarte sie mir, daB sie der BOB sei und ich zu arbeiten hatte. Der Streit endete schlieBlich damit, daB ich vom Bauernhof weg- ging, zurtlck zum Sttltzpunkt, sehr zum Entsetzen der dortigen Wa- che. Am nachsten Morgen wurde ich einem sehr alten Paar zugeteilt, das an der HauptstraBe in der Nahe des Ortes wohnte.Jt Sie hatten un- gefahr sechs Kalben, die ich zu ftJt- tern hatte, und dazu mur3te ich Ktlr- bisse, Mais und dergleichen mah- len. Es fiel nicht sehr viel Arbeit ftlr mich an, und ich hatte viel freie Zeit zur Verftlgung. In dieser Zeit saB ich am Zaun vor dem Haus und pfiff den vorbeigehenden Madchen nach. Geredet habe ich allerdings nie mit ihnen, wir haben uns immer nur angelachelt. Auf diesem Bau- ernhof wurden mir meine Mahlzei- ten zwar zubereitet, ich muBte aber immer allein essen. Ich erinnere mich noch gut, als ich mit dem Finger in die Mdhle kam und mir dabei einen Fingernagel verletzte. Ein Wachposten wurde gerufen, urn mich zum Arzt zu be- gleiten, Der Arzt klemmte einfach meinen Arm unter den seinen, zog mir ohne zu z6gern den Nagel, ver- band den Finger und schickte mich zurtlck zur Arbeit. Ich weigerte mich jedoch, mit so einer schmerzenden Hand zum Bauernhof zurtlckzuge- hen und ging stattdessen mit dem Wachmann zum Sttltzpunkt. Als wir dort ankamen, blutete mein Finger sehr stark, und der Verband war von Blut durchtrankt. Also zuruck Familie Lanz vlg. Gsulbauer, urn 1929. (Sammlung Gsulbauer)
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