Geschichte Gratkorns

Heuarbeit in Festtagstracht. Die drei herausgeputzten Madeln wa- ren (v.I.n.r.) Milli Trummer, Paula Trojer, Maria Teibinger. Der Htlne ganz links war der "Kiwi" F3ajmund, die Wache rechts war eigentlich Statist. (Sammlung Fanninger) treten und suchten nach Freiwilli- gen, die das Lager verlassen und gegen ein Essen ft]r die Einheimi- schen arbeiten wtlrden. Sergeants konnten sich nur freiwil!ig melden, denn sie standen unter dem Schutz des Poten Kreuzes und konnten nicht gezwungen werden. AIles war besser als in diesem Lager einge- sperrt zu sein, und so meldete ich mich freiwillig. Unser erster Arbejts- platz war in Wolfsberg, dort mur3- ten wir Kanale graben und verscha- len. Es stellte sich bald heraus, daB wir kein zusatzliches Essen beka- men, auBer sonntags, wenn die Einheimischen kamen und uns ba- ten, ftlr ein Essen einen Tag auf dem Feld zu arbeiten. Die Einhei- mischen waren gut zu uns: Wir sa- Ben gew6hnlich al!e gemeinsam beim Mittagessen und machten uns dann wieder an die Arbeit, bis sie uns ins Lager zurtlckbringen muB- ten. Als Sprecher unserer Gruppe beschwerte jch mich beim zustan- digen Offizier, daB wir das zusatz- liche Essen nicht wie versprochen bekamen. Als er das erfuhr, war die H6lle los -offensicht[ich hatten sjch die Wachen das Essen ftlr sich selbst zuruckbehalten. Der Offizier war sehr erbost, als er bemerkte, was vor sich ging. Die Wachen wur- den entlassen, und wir waren sei- ner Meinung nach Unruhestifter, also wurden wir am nachsten Tag auf einen Lkw verladen und in ein Straflager, eine groBe Zementfabrik mit einem Steinbruch, gebracht. Wir wurden auf sehr kleinem Fiaum eingesperri; ftlnfzehn Manner wurl den der Zementfabrik zugewiesen und ftlnfzehn dem Steinbruch, urn dort Gestein abzubauen. Ungefahr zwei Monate vergingen, inzwischen war auch der Winter hereingebro- chen, und wir muBten mit Beleuch- tung arbeiten, da es frtJh dunkel wurde. Wir hatten noch immer un- sere Wtistenuniformen an, die wir bei unserer Gefangennahme tru- gen, die aber ftlr das Wetter und die Arbeit, die wir verrichten soll- ten, h6chst ungeeignet waren. Au- Berdem waren die Essensrationen ftlr eine solche k6rperliche Arbeit vie] zu klein. Eines Morgens wider- setzten sich die Manner dem Be- fehl zur Arbeit zu marschieren. Man verhande!te zuerst mit den Wachen und dann mit den zustandigen Of- fizieren. Die Manner muBten auf- marschieren und bekamen den Be- fehl zu arbeiten. Da sie verweigerl ten, wurden drei Manner willktlrlich ausgewahlt, und man drohte, die- se zu erschieBen, sollten die Man- ner den Befehlen nicht gehorchen. Daraufhin antwortete einer der drei ausgewahlten Manner: „Erschie- Ben Sie mich doch, denn ich wei- gere mich, unter diesen Umstan- den zu arbeiten." Also berieten sich die Offiziere abermals und mach- ten schlieBlich folgenden Vor- schlag: Zwei weitere Wochen un- ter denselben Bedingungen arbei- ten, und dann wtlrden alle Manner auf Bauernh6fe verlegt werden. Und so kam ich nach Gratkorn. Mein erster Bauernhof lag ca. eine Meile auBerhalb des Ortes, auf ei- ner Anh6he; ein k[einer Bauernhof, auf dem ein Mann mittleren Alters mit seiner Frau und seiner Schwie- germutter lebte. Ich muBte dort al- les tun, was so anfiel: beim Kalben helfen, Schweine schlachten, Holz hacken, Weizen dreschen und durch ein Sieb schtltten, Mais scha- len usw. Ich hatte zur gesamten Fa- milie ein freundschaftliches Verhalt- nis und nahm das Essen am glei- chen Tisch ein. Mit Hilfe von Z6i- chen gelang es uns, die Sprachbar- rieren zu tlberwinden. Wie ]angeich auf diesem Bauernhof war, weiB ich nicht mehr. Ich sollte vielleicht ndch erwahnen, daB es ftlr einen Kriegs- gefangenen nur dann m6glich war, bei der Arbeit zu helfen, wenn ftlr ihn ftJr die Nacht ein "Gefangnis" zur Verftlgung stand. Auf diesem

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