Geschichte Gratkorns
Die deutschen Soldaten waren unter der weiblichen Bev6lkerung mitunter gem gesehene Gaste. Die drei Wehrmachtsangeh6ri- gen bewachten nicht nur die Zwangsarbeiter am Feld. (Sammlung Fanninger) 1ien wurden so auseinander ge- rissen, Kinder von ihren Mtittem getrennt, Manner und Frauen sa- hen sich nicht wieder. Freilich, urn Schadensbegrenzung nach auBen war man stets bemtiht. So gab es fur die Zwangsarbeiter unter Umstanden auch die M6g- 1ichkeit, zur Erholung mach Hau- se zu fahren. Der ganze Zynis- mus dieser menschen- verachtenden Ignoranz spiegelt sich aber in der Bezeichnung die- ser Aktion wider: sie fuhren auf "Heimaturlaub". Verschleppte Menschen durften fur kurze Zeit weg von ihrer zugeteilten Ar- beitsstatte, sie besuchten ihre tiberfallene Heimat, sie waren auch dort Menschen zweiter Klasse. Sie machten Urlaub zu Hause. Den Kriegsgefangenen in Grat- kom ging es besser, wenngleich sic von vielen Bauern doch nur als Arbeitskraft und nicht als Mensch behandelt wurden. Schlage, Demtitigungen, anony- me Anzeigen standen oft an der Tagesordnung. Manche Gefan- gene wurden aber von ihren Kostgebern durchwegs freund- 1ich aufgenommen, es war bei- den Seiten bewuBt, daB man ein- ander brauchte. Die Bauem hat- ten so eine dringend ben6tigte zusatzliche Arbeitskraft, die Sol- daten konnten sich zumindest am Sonntag frei bewegen, das Essen reichte meist aus, urn nicht voll- kommen hungrig schlafen gehen zu mtissen. Gerade diese Sonn- tagsruhe wurde geschatzt, man konnte sich von der harten Ar- beit erholen, oft wurde auch ein wenig gefeiert. Als der Pucher- wirt an einem Sonntag eine Wag- gonladung voll mit Kohle be- kam, forderte er seine beiden zu- gewiesenen Arbeiter auf, ihm bei der Entleerung zu helfen. Beide weigerten sich, es kam zum Streit, und der Neuseelander Raimund schlug den Wirt nieder. Das Wachpersonal erstattete An- zeige, aber bei der Einvernahme meinte der Hans Teibinger nur, `£daB §i® ihn nieht strafen s®!iEeng wei! er ein guter Arieeiter ware® Er hatte nur etwas getrunken, unc§ seine w©hiverdiente S®nn" tagsruhe gen®ssenB"4 Beide hat- ten sich vorher schon wieder ver- s6hnt, und Raimund entschuldig- te sich mit den Worten: "S®vi©i FTaare ieh am K®pf hale©g §®viei tut miF das Ganz® !eid."5 "Wir hatten einen Englander, der hieB F}obert6 . Wenn eine Kuh nicht geputzt hat, wenn also nach dem Kalbern die Nachgeburt nicht ab-
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