Geschichte Gratkorns

Nur langsam begann sich die Lage zu beruhigen, und das Leben wurde wie- der Alltag. Am 25. Juni 1950 konnten die drei neuen Glocken geweiht. wer- den Die Pfarrkirche erhielt somit den Ersatz fur die im Zweiten Weltkrieg ein- geschmolzenen Glocken und hatte nun wieder ein vierstimmiges Gelaut. (Sammlung Gsulbauer) eltern alles aushandelte, damit sie das Zimmer raumen wtlrden. Er sagte ihnen auch, daB ihnen nichts passieren werde, und daB sein Kommissar eine oder auch zwei Frauen mitbringen wtlrde. Der Kommissar kam dann auch mit zwei F3ussinnen, die eine blond und die andere eine schwarze. Mit denen war er dann tagstlber unterwegs, ge- gen 16.30 ist er dann heim zu uns gekommen, dann haben sie Toilette gemacht. Meine Mutter muBte daft]r Wasser heiB ma- chen, damit die Russen ein Bad nehmen konnten. Die h6heren Offiziere wurden alle privat einquartiert, die Mannschaft muBte bei ihren Wagen bleiben. Eines der Lager war im Bereich der heutigen Firma Thyssen, auch stJdlich des Murlagers, wo heute der Ubungs- platz ist. Im Murlager hatten sie Kartoffeln gehortet, da mur3ten die Frauen immer Erdapfel schalen. Meist wurden diese dann auch ver- gewaltigt. Auch Schweine und Rin- der, die sie von den Bauern be- schlagnahmten, waren unten, wenn sie eines essen wollten, dann haben sie es einfach niederge- schossen, und gleich an Ort und Stelle aufgearbeitet." Auch in der Dult und bei den Bauem im Forst- und FreBnitz- viertel kam es zu Ubergriffen seitens der russischen Besatzung. Helga Steinbauer und Katharina Stelzl, beide damals fesche Dirndln, waren wie auch viele andere junge Gratkornerinnen Freiwild fur die sich breitma- chende Besatzungsmacht. "Ich war damals gerade in Gratkorn herauBen, als mir ein Mann zurief: `Madl verschwind hejm. Die F3us- sen sind schon bei der Weinz6dlbrtlcke.' lch mach' kehrt und renn' da herauf und wie ich heroben war, war schon ein F}uss' mit dem Pferd hinter mir. So schnell ist das gegangen, die waren alle beritten. Das war die erste beritte- ne Truppe. Sie haben alles abge- sucht, die ganze Gegend bis auf den Berg herauf , du hast dich ver- stecken k6nnen wo du wollen hast, sie sind dberall gewesen. Mit ihren Pferden sind sie hinaufgeritten, so kleine Ponys oder so haben sie ge- habt. Die ersten drei Tage der rus- sischen Besatzung waren die furchtbarsten drei Tage. Nachher, wie das alles geregelt war, dann war es eh zum Aushalten, aber zuerst haben sie geplundert. Sie sind gekommen und haben genom- men, was sie wollten. Mit dem Ge- wehr sind sie jn die Hauser ge- sttlrmt, `Wo Mann, wo Puschka?' haben sie gerufen. Zu jedem Belt sind sie hingegangen und haben mit dem Gewehr hineingestochen. Sie haben wahnsinnige Angst ge- habt, daB irgendwo Soldaten mit Gewehren versteckt sind, daB sie irgendwo angegriffen werden. So haben sie alles durchsucht. Einmal kamen sie auch zu uns nach Haus'. Zuerst haben sie uns ins Zimmer eingesperrt, dann ha- ben sie einen nach dem anderen herausgeholt, bis sie dann zur Jtlngsten gekommen sind, der Cousine meiner Mutter, die wollten sie dann vergewaltigen. Ein Soldat hat sie auf den Boden hinge- schmissen, und sich saint dem Gewehr auf sie draufgelegt. Sie hat sich nattlrlich gewehrt und pl6tzlich stand da die alte Tante Michaela mit ihrem eisernen Kruzifix. Die ist dann mit dem Kreuz auf den F]us- sen losgegangen, sodaB das jun- ge Madl fldchten konnte. Die Alten haben sie aber dann in Pluh' gelas- sen. Wir Jungen konnten in den Wald fltlchten und uns dort verstek- ken. In einer anderen Nacht haben sie uns die Kellerttlr aufgebrochen und ein paar kleine FaBln Wein heraus- geholt und mitgenommen ins La- ger. Da waren die Gratkorner da- mals dann ganz b6se auf uns, weil sie den starken F3ibiselwein er- wischt haben und dann haben sie sich in Gratkorn drauBen ausge- tobt."

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