Geschichte Gratkorns
dann auf einem Zweiradlerkarren jns Spital nach Graz gebracht wor- den. Die F}ettungsautos wurden ja von den F}ussen alle in Brand ge- steckt." Abwechslung ins Leben des jun- gen Neugebauer brachten die Russen. Wie viele Kinder war auch er fasziniert von den ande- ren Uniformen, den Fuhrwerken mitsamt ihren Pferden und von der Herzlichkeit, die Russen Kin- dern gegentiber an den Tag leg- ten: "Wenn ich so zurtick denke, war es ftir mich eigentlich eine Gaude, weil es etwas Neues war. Mir sind vor allem die Pferde und Fuhrwerke aufgefallen, als die Soldaten die auf den verschiedenen groBen Wiesen ihr Lager aufgeschlagen hatten. Sie waren sehr kinderfreundlich, wir waren oft zu Besuch in ihrem La- ger. Unsere Eltern haben aber desm halb groBe Angst urn uns gehabt, weil man sagte, daB vor allem in den ersten Tagen die Fiussen Ju- gendliche verschleppen wtlrden zum Viehtreiben nach Ungarn oder noch weiter. Das passierte z.B. dem Ertl Dissy, der ja dann in F3uB- Iand lange gefangengeha!ten wur- de. Auch Pltlnderungen und vor allem Vergewaltigungen gab es. Da h6r- te man die Hilferufe der Frauen, als es dunkel wurde. Die Frauen ver- barrikadierten sich im Wirischafts- gebaude, und deckten sich mit Stroh zu. Tagstlber zogen sie nur altes, dreckiges Gewand an, sodaB sie wie alte Frauen aussahen. Ohne Kopftuch ging damals keine Frau aus dem Haus, auch auf die Kleider nahte man sich Stoffetzen, urn schabiger auszusehen. Bei der Dammerung sind dann aber alle Frauen verschwunden, Wir Kinder wuBten aber nicht, wo sie sich ver- steckten, damit wir nichts verraten konnten. Sie erzahlten dann nach- her, daB sie nie ein Auge zu tun konnten, vor lauter bibbern und sch!ottern. Manchmal h6rte man sie aber in der Nacht schreien, ein- mal aus dieser Fiichtung, dann aus einer anderen. Mein Vater besaf3 einen ha!ben Li- ter Spiritus, weil das bekamen sie als Deputat von der Leykam. Als der Fiusse den Spiritus fand, roch er hinein und trank ihn wie jemand, der einen Schnaps trinken wtlrde. Meine GroBeltern muBten ihr Schlafzimmer zur Verftlgung stel- Ien, weil sich ein Kommissar ein- quartiert hatte. Dieser hatte einen Deutschen oder Osterreicher als Adjudanten, der mit meinen GroB- Der Verein "Gesunder Men- schen" wurde 1907 in der Dult gegrtlndet. Ziel war es, den Men- schen die Natur naher zu brin- gen, jeder Bewohner erhielt zur Zucht yon Gemtlse, Obst und Champignons ein halbes Joch Boden in Erbpacht. Alkoho[ und Fleisch waren verp6nht. Der Ver- ein 16ste sich bereit51919 wie- der auf , aus der vereinseigenen alkoho!freien Gaststatte wurde bald die legendare Ftibiselbar. (Sammlung Ziegler)
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