Geschichte Gratkorns
Die Hauslbauerin war re- solut und wuBte ihren Hot zu verteidigen. (Samm- lung Hauslbauer) altes Gewand haben sie angezo- gen, Kopfttlcher darHber, auch ab- sichtlich dreckig gemacht und ha- ben vorgegauckelt, daB sie Karten spielen wtlrden. Dabei war das nur ein Ablenkungsman6ver, urn die Pussen nicht das Haus durchsu- chen zu lassen. Daher ist in die- sem Haus niemandem etwas pas- siert. Auch zu mir ins Zimmer kam ein Busse, er hat tlberall nachge- schaut, im Kasten und in den Schubladen. Wir hatten damals zwei Glaskugeln, in denen BIumen eingelassen waren. Davon hat er eine eingesteckt. Dann hat er sich auf einmal ins Ehebett daneben gelegt, blieb dort vielleicht eine hal- be Stunde, und ging dann wieder. Ein weiteres Gltlck war, daB ein Panzerspahwagen vor dem Haus gehalten hat, und ein russischer Offizier angeordnet hat, daB uns allen nichts geschehen soll. Die Bussen durchsuchten damals je- des Haus in Gratkorn, in den sch6- neren Wohnungen wurden dann die Offiziere untergebracht. Von den Nachbarhausern h6rte man auch Hilfeschreie, da wurden dann die Frauen vergewaltigt. Die Mannschaft schlug ihr Quartier mit Planenwagen auf dem Gebiet des heutigen Tennisplatzes auf, damals war das ja alles Feld und Wiese. Die Kommandatur war beim Ferdinand Scheibenreif drinnen, das ist das kleine Haus zwischen Pernik und Phildar. Die Frauen wurden dann spater auch zusammengetrieben, weil die muB- ten den F}ussen ihre Wasche wa- schen. Sonst hat sich ja keiner dort hinuntergetraut. Den Kindern gegentlber waren die Bussen aber immer freundlich, sie haben uns sogar manchmal auch etwas zu essen gegeben. Manch- mal haben sie ja ein Pferd erschos- sen, wenn es nicht mehr weiter konnte, aus dem Gu- Iasch beka- men wir jm- mer etwas zu essen. Den Kin- dern haben sie nichts getan. Obwohl wir unsere Fahrrader in der Holz- ht]tte hat- ten, wurden sie alle ge- stohlen. Die Kleidung verpackten viele in Koffern und versteckten sie bei den Bauern. Wir haben unsere Sachen im Keller versteckt. Des- halb ist bei uns nichts weggekom- men. Aber der Konsum wurde gepltJn- dert, dort sind die Fiussen mit ih- ren Pferden hineingeritten, auch sehr viele Gratkorner waren bei die- ser Pltlnderung dabei. Ich hab' da- mals als Bub ejn paar Stollwerk mit- genommen. Einige Gratkorner Kommunisten mit roten Armbinden waren auch dabei, es wurde alles mitgenommen, Sachen zum Es- sen, Schuhe etc. Auch die Werks- restauration wurde gepltlndert, Ich sollte damals Essen holen, habe aber bis auf einen Sack Zwiebel nichts mehr bekommen. Die Soldaten suchten nach Waffen und Schmuck, aber die Leute ha- ben ja damals nichts gehabt. Es war ein buntes Durcheinander, vie- le Frauen wurden vergewaltigt. Ich aber kann einem russischen Arzt mein Leben verdanken. Als die Pussen einmarschierten wollte meine Mutter am zweiten oder drit- ten Tag mit uns Kindern zu den Bauern hinauf auf die Jasen fluch- ten. Da schaut vom Syzhaus die Frau Herbst herunter und tiberre- det uns doch in ihre Wohnung zu kommen. Sie hatte eine Zweizim- merwohnung, im zweiten F}aum waren schon einige Menschen drin- nen. Dort kamen wir dazu, der Paum wurde dann mit einem gro- Ben Kasten verstellt. So konnte nie- mand dahinter einen weiteren Paum vermuten. Dor[ blieben wir dann, es waren mindestens zehn Personen, nur die alten Leute wa- ren draur3en im anderen Paum, denn die brauchten vor den F]us- sen keine Angst haben. Wir Kinder hatten unseren SpaB, aber ich hab' immer wieder zu meiner Schwester gesagt, sie solle doch mit den Witzen aufh6ren, weil mir beim La- chen der Bauch weh tue. Die Schmerzen wurden dann immer arger, bis meine Mutter mich zum damaligen Gratkorner Arzt Dr. Wal- ter bringen wollte. Aber durch Grat- korn traute sich niemand gehen aus Angst vor den Ftussen. Die Frau Neuhold sagte dann, daB sie in ih- rer Wohnung einen russischen Arzt hatten. Ich hab' schon nicht mehr gehen k6nnen, die Leute haben mich dann zu diesem Arzt getra- gen. Dieser kommt mir schon ent- gegen, gibt mir eine Spritze und hat einen russischen Passierschein ausgestellt. Von Freiwi[ligen bin ich
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