Geschichte Gratkorns
Der lnnenhof des Syzhauses. (Sammlung Strikovic) Wir waren so fertig, wir wur3ten nicht mehr wohin. Einma! sind wir zu uns auf den Dachboden gefltJch- tet, wir sind in so Einsatzen gele- gen, Ktlbeln voll mit kaltem Was- ser hatten wir mit, weil es so heiB war. Wir machten uns kalte Um- schlage, aber das hielten wir auch nicht aus. Die Plussen unten haben uns dann gehen geh6rt, und sie schossen einfach hinauf, es war so arg, daB sogar ein paar Ziegel her- unterfielen. Gott sei Dank bin ich nicht verge- waltigt worden. Es gab auch ande- re Ubergriffe, die ganzen Fahrra- der haben sie uns gestohlen. AIles, was nicht niet- und nagelfest war, war bald weg. Eier und Spirituosen waren bald weg. Einmal bin ich nach Hause gekommen, eine Schihose hab' ich angehabt. Ich hab' mich gewaschen, die Schihose nur kurz aufgehangt am Sessel, wie ich sie wieder nehmen wollte, hat sie schon der Puss' ge- habt. Die Fuhrwagen haben sie auch alle gestohlen. Einmal ist der Gaksch zum Vater gekommen, ob er sich von uns einen Wagen aus- borgen darf, weil wir haben ja im- mer Pferde gehabt. Er lar3t inzwi- schen seinen da, da haben wir ge- sehen, daB das unser Wagen war, den uns die Pussen gestohlen hat- ten. So sind wir zu unserem Wa- gen wieder gekommen. Im Keller hatten wir ein kleines Fasserl, das hat der F}uss' sogar im Finstern entdeckt. Mein Vater muBte es heraufstemmen, dabei bekam er einen doppelseitigen Lei- stenbruch, dann haben sie ihn mit dem Gewehrkolben geschlagen. Er war auch schon ganz verzweifelt. Einmal haben wir uns in den K15iderkasten vor den Pussen ver- steckt, da haben wir Angst gehabt. Verzweifelt war man ja bis zum geht nicht mehr. Wie dann die Pussen schon weg waren, war ich einmal in Graz und hab' einen F}ussen ge- sehen, da hab' ich so fort zu zittern begonnen. Wir haben nur in Angst gelebt. Die Offiziere wurden dann von un- serem Haus abgezogen, dann kam die Mannschaft. Da hat es erst aus- geschaut, ftlrchterlich. Die Offizie- re waren die gemaBjgteren, es gab einen blonden, htlbschen Offizier, der auch Deutsch gesprochen hat- te, er war Lehrer am Moskauer Gymnasium, ihn hab' ich wegen meines F]adios gebeten, aber dann bekamen wir auch Angst, wir ha- ben uns lange Kitteln angezogen und uns ganz schwarz im Gesicht angemalen. Und wie ich dann so auf die Straf3e gehe, schreit er auf einmal heruber: `Guten Tag, Ftosl. Du sollst zurtlckkommen!' Er hat mich trotz meiner Verkleidung er- kannt, ich bin schnell fortgerannt." Auch der junge Kopsche erlebte die Pltinderungen der russischen Soldaten mit, wenngleich er ein ganz anderes Verhaltnis zu die- ser Besatzungsmacht hat, weil ihm ein russischer Arzt das Le- ben rettete: "ln dem Haus, wo wir gewohnt ha- ben, lebten zw6If Parteien. Alle Manner waren eingertlckt, somit zw6lf Frauen mit ihren Kindern al- Ieine. Die Madchen wurden meist am Dachboden versteckt. Ein schmachtiges Madchen mit einem Haarschnitt so wie die Buben muB- te mit dem Lappitsch Luiserl in ei- nem Bett schlafen, damit es so aus- sah, als ob dort zwei Buben schla- fen wtlrden. Ich muBte allein im Zimmer liegen, auf einmal rannte eine Frau durch's Haus und schrie: `Die Bussen kommen, die Pussen kommen!'. Unsere Hausttlre unten war verschlossen, deshalb traten sie mit den Stiefeln und Gewehrl kolben gegen die Ttlr. Wer sie dann letztendlich ge6ffnet hatte, weiB ich heute nicht mehr. Eigentlich haben uns da die Plussen nichts getan, sie fragten uns nur immer wieder: `Fa- schist? Faschist? Waffen? Pistola?' Aber wir haben nur den Kopf ge- schtltte[t, dann sind die meisten wieder gegangen. Die Frauen sind alle zusammengesessen, durch den Krieg haben sie ja alle schon alter ausgeschaut, aber sie haben sich noch alter gemacht. Schiaches
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