Geschichte Gratkorns

Am 8. Mai 1945, wie der Krieg aus war, haben die deutschen Solda- ten alle ihre Fahrzeuge im Felbergraben aufgestellt und mit einer Panzerfaust drauf- geschossen, damit sie den F}ussen nicht in die Hande fallen. Sch6ne Lastwagen waren das. Wir muBten dann das ganze Klumpert auf der Wiese zusammenraumen, Glas- scherben, Blech und weiB der Teu- fel was noch alles. Beim alten Feuerwehrrtlsthaus ist einer unter einer Gedenktafel von den verstorbenen Feuerwehr- kameraden mit einer Ziehharmoni- ka gesessen und hat gespielt: `Deutschland erwache! Deutsch- land, mein Deutschland es ist Frtlh- [ing am F3hein.` Dabei sjnd ihm die Tranen heruntergekommen. Es war furchtbar, wie ich den gesehen hab'' Dann ist das endlos gegangen, ein Banju-Wagen nach dem anderen, endlos, alle sind sie durch den Hot in den Felbergraben gefahren. Das Getreide war schon ziemlich hoch im Mai, der ganze Felbergraben war voller Strohlager und voller Pussen. Bei uns im Gasthof waren die Offi- ziere, ich hab' gedacht der Krieg ist aus, es wird schon niemand was tun. Ich hatte noch ein FaB Bier im Keller, das haben wir dann ausge- schenkt. Im Gastzimmer ist ein Padio gestanden, ein blonder Offi- zier wollte es wegnehmen. Ich hab' aber zu ihm gesagt, daB es mein F]adio sei und er soll es dalassen. Er hat mich aber weggeschupft und gesagt: `Padio, Pladio, was russi- scher Staat sagt ist gut] Du be- kommst ihn wieder.' Dann haben sie ihn fortgetragen. Der Moder Toni, ein bekannter Kommunist, ist dann gekommen. Er hat zu den Plussen gesagt, daB sein Neffe in Spanien beim Btlrger- krieg gefallen ist. Damit wollte er sich ein gutes Wort bei den Rus- sen einlegen. Aber die haben tlber- haupt keinen Wert darauf gelegt. Ich hab' ihn dann gefragt, ob ich heute zu Hause schlafen kann. Er sagte: `Auf keinen Fall. Die Bussen haben schon die ganzen Frauen im Felbergraben vergewaltigt.' lch bin dann so fort weg zum Pfarrer, das war damals der Dr. Varjacic, der hat mit der russischen Wache Schach gespielt, im Nebenraum lagen aber tiber 20 Frauenzimmer am Boden. Die F}ussen haben das aber nicht gewuBt. Aber der Pfarrer hat sehr gut russisch k6nnen, er war ja aus Slowenien, wir haben weder etwas zu essen noch sonst was gehabt, aber wir durften wenigsten am Bo- den liegen. Einmal hab' ich mich heim geschli- chen, damit ich ein bir3chen was zum Essen erwische, aber die ha- ben die ganze Nacht gesoffen und mich entdeckt. Einer nahm eine Fackel und hielt mich fest. Ich glaubte, jetzt ist alles zu spat. Ich hab' aber meinen letzten Mut zu- sammengerissen, einen F}ausch hat er gehabt, und hab' ihn weggeschupft, bin hinaus, die Ttlr hinter mir zugesperrt und davon. Der hatte mich sicher erschossen. Die russischen Offiziere hatten kei- ne Kultur, sie ldmmelten immer am Tisch, in der Mitte eine Bein mit Ei- ern und Fleisch, und jeder hat eine StraBe zu sich gemacht mit dem Essen. Sie haben auch nicht mit Messer und Gabel gegessen. Im Zimmer haben sie ein Waschbek- ken gehabt, wir hatten ja schon seit 1932 flier3endes Wasser, die haben das aber nicht gewuBt, daB da Wasser herunterrinnt. Sie haben immer mit einer Schtlssel von drau- r3en Wasser geholt, und es nach dem Waschen einfach auf den Bo- den geschtlttet. Die F}ussen waren bis August `45 bei uns, Wie sie weg waren, konn- ten wir zum ersten Mal wieder in einem Belt schlafen. Bis dorthin muBten wir in standiger Angst le- ben, wir waren wie ein gehetztes Wild. Wenn wir irgend etwas ge- habt hatten, Zyankali oder so et- was, dann hatten wir uns vergiftet.

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