Geschichte Gratkorns

Das alte F`t]sthaus der Freiwilligen Markt- feuerwehr, erbaut 1914. (Sammlung Tscheutscher) legten uns dann sofort flach auf den Boden, wie wir es in der Schule ge- Iernt hatten. Da hatte ich immer groBe Angst. Beim Dulthof und beim Kac gab es einen ulf6rmigen Luftschutzstollen ftlr die Gratkorner aber auch fur das Murlager, in dem sehr viele Gefangene, bis zu 250 Franzosen, Neuseelander, Englan- der, einquartiert waren. F}ussen wa- ren dort keine dabei, die waren dberall bei den Bauern. Der Luftschutzkeller war sicher 100 Meter lang, bei Alarm sind dann nicht nur die Bev6lkerung, sondern auch die Leute aus dem Murlager in den Stollen gekommen. In der Nacht blieben wir aber zu Hause, daftlr hat mein GroBvater den Kel- [er hergerichtet. Nur einmal, als es 1944 so arg war, dar3 man glaubte, beim Nachbarn hammert jemand mit einem Eisenstuck, so hat das aus Graz herauf gescheppert, da sind wir dann schlaftrunken hintlber gelaufen. Ich hab' da immer nur das Licht aus Graz gesehen und hab' ftlrchterlich geschrien." Am 4. Marz 1945 sttirzt ein ame- rikanischer Bomber auf Grat- korner Gemeindegebiet. Volks- feststimmung in Gratkorn kommt auf, die Trtimmer der Maschine werden von einer Menschenmenge bestaunt. Herr Kopsche war auch dabei: "Ein Tell ist in den damals noch un- bebauten Grund des alten Seidl gestdrzt, ein anderer bei der alten Werksrestauration, ich glaub' das war der Motor. Das Flugzeug hat die Flak abgeschossen, in Grat- wein waren kleine Flaks in der Nahe des Bahnhofes, vielleicht am heutigen Holzlagerplatz, Vierljnge haben wir dazu gesagt, am Bahn- hof gab es auch Fesselballonsper- ren gegen die Tiefflieger. In Grat- korn war aber kein Flak stationiert, als Buben haben wir immer zuge- schaut, wie aus dem F}aum Graz die Flaks in den Himmel geschos- sen wurden. Als der Bomber heruntergekom- men ist, bin ich mit einer Men- schenmenge hin zur Unfallstelle beim jetzigen Fuf3ballstadion ge- rannt. In dem Acker standen schon eine Menge SA-Leute, den toten K6rper hab' ich auch gesehen. Man untersuchte seine Taschen, ein Erinnerungsfoto seiner Familie kam zum Vorschein und der SA-Mann warf das Foto dann achtlos in den Wagen. Der Tote wurde dann auf einen Wagen gelegt, darauf warfen sie einfach die MG-Gurten, das hat mich damals schon schockiert. Der andere Pilot hatte sich mit seinem Fallschirm an einem Flugzeugteil festgehackt und ist dann beim Schinnerl, wo heute die Proratio steht, mit dem Wrackteil zu Boden getrudelt, konnte sich aber knapp vor der Erde befreien. Er tlberlebte daher den Absturz und wurde ge- fangen genommen. Aber die SA hat einfach auf ihn eingeprtlgelt. Nach dem Krieg kam dann ein Eng- Iander und wollte sich daftlr bei den Beteiligten rachen, aber dabei kam dann nichts heraus. Auch am Ulrichsberg in Pein wurde ein ame- rikanisches Flugzeug abgeschos- sen. Da hat man Bauchschwaden gesehen, Feuer, und wir Buben sind so fort losgerannt, urn zu schauen, was passiert ist. Jeder nahm sich ein S"ck Aluminiumteil des Fliegers als Andenken mit," Gratkorn blieb auch vor dem dunkelsten Kapitel deutsch- 6sterreichischer Geschichte nicht verschont. Abgemagert, grausam miBhandelt und getrieben wie eine Viehherde, das war der Ein- druck, den Helg£. Steinberger vom Judentransport durch Grat- kom nie mehr vergessen wird: "Als griechische Juden durch Grat- korn getrieben wurden, war das ftlr mich ein ganz schreckliches Erleb- nis. Da sind einige herein bis in die Dult, weil sie gefltlchtet waren. Die haben bei den Leuten urn Essen gebettelt] Meine Mutter hat ja auch nichts gehabt, nur gekochte Erdap- fel hat sie ihnen halt gegeben, und die haben sie gleich saint der Scha- le gegessen. In den heutigen Dulthof sind auch ein paar in die Ktlche gelaufen und haben dort vor lauter Hunger die Abfalle ftJr die

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