Geschichte Gratkorns
Gratkorn vom Hausberg aus 1941, im Hintergrund Schule, Gemeindehaus und Kirche, vorne die Arbeitersiedlung "Ftlnf- Hauser", im Volksmund auch Neu Mexiko genannt.. (Sammlung Hauslbauer) Der Leutnant hat oft gefeiert mit seiner Mannschaft, am nachsten Tag hat er sie aber wieder gejagt, in ihren weiBen Twilchanztlgen muBten sie in den Dreck springen und nach einer Stunde muBten sie wieder zum Appell antreten . Ihn hatte die Mannschaft gehaBt. Sie haben immer gesagt, daB sie ihn am ersten Tag an der Front nieder- schieBen. Er ist auch dann im er sten Einsatz gefal!en." Gegen Ende des Krieges brach auch der Zom der Alliierten auf Gratkom herein. Britische Flie- ger machten Jagd auf die Bev6l- kerung. Das Leben muBte sich jetzt auch mach Sirenen orientie- ren, im Luftschutzkeller versam- melte sich alt und jung, in der Hoffnung, daB alles bald ein Ende haben wird. Freilich hatten diese Maschinen auch etwas Fas- zinierendes fur die Jugend. Der mannliche Duft der Technik und des Abenteuers fuhrte zu manch' untiberlegter Handlung, weiB der damals zw61fjahrige Pepi Kopsche: "Als wir noch im 142er Haus im drit- ten Stock wohnten, gab es Fligeralarm, man h6rte schon die Flieger mit ihren komischen Gerau- schen. Gratkorn und die Fabrik ist aber nie bombardiert worden, h6ch- stens, wenn sich Bomben verirrt hatten. In Judendorf wurde damals die Bahnanlage bombarcliert, und die Druckwelle war so groB in Grat- korn, daB ich mich in der Wohnung auf den Bauch warf . Auch in der Nacht gab es oft Alarm, da sind wir in den zu Luftschutzraumen urn- funktionierten Keller des Hauses gefltlchtet. Die Kellerfenster wur- den mit starken Holzpfosten ver- barrikadiert. Wenn bei Tag aber Ge- schwader kamen, dann verschanz- ten wir Buben uns nicht im Keller, sondern schauten ihnen neugierig zu. Die amerikanischen Bomber kamen immer aus dem F3aum Bu- dapest / Plattensee, da gab es Vor- alarm im Fiadio. Uber's Burgenland sind sie dann zu uns gekommen. Man hat gesehen, wie sie ihre Bom- ben auf Graz warfen. Einmal im Fe- bruar haben sie Graz bei Nacht bombardiert, da warfen sie soge- nannte Christbaume ab, und auf einmal war es ganz hell. Wir als Buben haben uns immer getaugt, wenn die Luftangriffe ka- men, weil dann hatten wir keine Schule. Zuerst kam der Voralarm, dann sind wir a!le hinauf zu der Zigeunerh6hle in den Luftschutz- bunker. Der wurde damals von den Nazis erweitert, nach hinten vor- getrieben und auch seitlich mit Ni- schen versehen. Aber wir Buben sind oft auf den Hausberg hinauf, urn etwas zu sehen. Durch die Luft- angriffe war das Lernen immer recht unrege!maBig. Wenn man es nicht mehr bis in den Luftschutz- keller geschafft hat, muBte man sich entweder zu Hause verschan- zen oder gar auf der StraBe in den StraBengraben werfen. Vom Hausberg haben wir auch die Tiefflieger beobachtet, wie sie entl lang der Mur nach Suden geflogen waren. Bei der Au stand damals ein Zug, vielleicht ein O]zug, jedenfalls haben sie ihn angegriffen und in Brand geschossen. Ftlr uns war das damals eher ein SpaB. Angst hatten wir keine, auch begriffen wir nicht wirklich, was da eigentlich passiert." Angst hatte hingegen Martin Neugebauer. Er wurde auf dem Nachhauseweg von der Schule von einem solchen Angriff tiber- rascht, auch das Bombardement auf die Landeshauptstadt Graz bleibt ewig in seiner Erinnerung: "Oft waren wir nur eine Stunde in der Schule. Zuerst gab es den Vor- alarm, dann muBten wir in den Kel- ler gehen, wenn es sich mit der Zeit aber ausging, dann schickte man uns nach Hause. Gegen Ende des Krieges tlberraschten uns am Heimweg meistens zwei oder drei Lightnings, die durch das Murtal Flichtung Graz geflogen sind. Wir
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