Geschichte Gratkorns
schriebenen Parteimitglieder, die Nazis also, besser behandelt wor- den als a[le tlbrigen. Dartlber hat man in Gratkorn nachher genug ge- redet, wie ungerecht diese Bezugs- scheine verteilt worden sind." Der GroBteil der mannlichen Be- v6lkerung war eingerfuckt, Frau- en muBten neben ihren Aufgaben teilweise auch harte Mannerar- beit verrichten. Die Kriegsgefan- genen leisteten auch ihren Bei- trag dazu. Die Arbeit beim Haselbauer konnte nur durch sol- che Fremdhilfe bewaltigt wer- den. "Der Vater war von An fang des Krieges an eingertlckt. Manchmal ist die Hitlerjugend herauf arbeiten gekommen. Dann haben wir einen Englander bekommen. Peter hat der geheiBen, der Gefangene. Der hat zum Holackner hinauf schlafen gehen mtlssen, weil wir zuwenig Ftaume hatten. Beim H6chwirt war nachher ein Lager mit lauter Ge- fangenen, am Tag haben sie bei den Bauern arbeiten mussen und am Abend sind sie wieder dorthin- gekommen. Der Pon war ein guter Kerl. Der hat, weil Tierarzte haben wir keine ge- habt, wenn die Kuh nicht ge- putzt hat, d.h, wenn nach dem kalbern die Nachge- burt nicht ab- gegangen ist - da haben wir nur den geholt. Er hat uns dann immer geholfen." Auch Solda- ten waren in Gratkorn sta- tioniert, was nicht immer auf breite Zustimmung der mannli- chen Bev61kerung stieB, weil diese jungen Burschen auch Ab- wechslung bei den htibschen Gratkorner Madchen suchten. Rosa Fanninger, damals wie auch heute noch bei allen beliebt, spricht aus Erfahrung: "Es waren auch zwei Kompanien in Gratkorn einquartiert, die elfte Kompanie in St. Stefan, die zehnte drauBen auf der HauptstraBe. Die meisten Soldaten wurden bei den Leuten untergebracht, auch wir hatten zwei. Denen ist ja gut ge- gangen, die haben eine Feldktlche gehabt, und wenn sie gefeiert ha- ben, dann haben sie Schnapse und sonst noch was aus Graz geholt. Im September 1941 warteten sie schon auf den Einsatz nach Eng- land, weil F3uBland wird bis dahin schon erledigt sein, sagten sie im- mer. Im September sind sie dann an die Ostfront gekommen, und beim ersten Einsatz sind schon vje- le gefallen. Ich hab' einen Brief vom Kurt WeiB bekommen, den eigent- Iich die Zensur verboten hat, weil mir derjenige die Namen gesagt hat von denen, die gefallen sind. Er hat mir auch aus der Gefangenschaft aus Afrika geschrieben, was dann aber mit ihm geschehen ist, weiB ich nicht. Er hat mich sehr verehrt damals. Ich hab' aber mit keinem etwas angefangen, das kann man im Gasthaus nicht machen. Freundlich und h6flich muB man sein, aber mehr darf man nicht. Ein- mal ist 6r zu meinem Bett gekom- men, ich hab' ihm aber gesagt, er solle mich in F3uhe lassen.Der Koml paniechef war der Leutnant Trump, ein Aristokrat, er hat immer ein Monokel getragen. Er war verhaBt unter der Mannschaft, wenn er abends ins Gasthaus gekommen ist, haben alle mdssen habt-acht- stehen bis er 'Setzen' gesagt hat. In dieser Zeit ist die Zivilbev6lke- rung fast zur Ganze ausgeblieben, eiferstlchtig waren sie auch ein biB- chen auf die elfte Kompanie, wir waren ja junge Madchen, sie ha- ben da einen mords Zorn gehabt auf die Soldaten. Ein gewisser Terschek, der mich sehr verehrt hat, ist auch mit denen ins Streiten gekommen, weil die Soldaten ha- ben uns nattlrlich auch hofieri und waren freundlich zu uns. Sie haben ejnen Singer und einen Klavierl spieler dabei gehabt, so haben wir halt jeden Abend gefeiert, die an- deren waren dann schon verargert, so daB sie gar nicht mehr ins Gast- haus gekommen sind. Die F}auch- waren waren rationiert, wir haben einen gewissen Antejl an Zigaret- ten und Zigarren bekommen, ich hab' dann an die Soldaten Zigaret- ten ausgeteilt. Das hat dem Terschek nicht gefallen, der hat sich fdrchterlich aufgeregt. Aber wie sie dann abgezogen sind, hat sich das alles wieder normalisiert. Verwun- dete dieser elften Kompanie sind nach Graz ins Lazarett gekommen, ich hab' sie dort sogar besucht, auch haben mir welche geschrie- ben.
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