Geschichte Gratkorns
blatter und Brennesseln sammel- ten wir. Die wurden dann auf dem Dachboden der Schule getrocknet, urn daraus Tee zu machen." Das Jahr 1939: "Vom Winde verweht" 1auft in den amerika- nischen Kinos an und setzt mit der KUBszene zwischen Vivian Leigh und Clark Gable einen Meilenstein in statischer Ele- ganz, die Pan American Airlines fliegen erstmals ein Passagier- flugzeug tiber den Atlantik, das Bombenattentat auf Hitler im Mtinchner Braukeller miBlingt, deutscheTruppenmarschierenin Polen ein, der Zweite Weltkrieg beginnt. Vom Alltag des Krieges sptirte die Bev61kerung Gratkorns zu- nachst nur wenig. Martin Neugebauer, geb. 13. Janner 1935, aktiver Pensionist, be- schreibt seine Eindrticke, die er als Kind gewonnen hatte: "lch war wahrend des ganzen Krie- ges immer in Gratkorn. BewuBt ist mir das alles erst geworden, als die deutschen Soldaten durch Grat- korn marschiert sind. Man sagte, daB sie Plichtung Balkan marschie- ren wurden. Da sind Kolonnen von Autos, Panzerwagen und Pferde- panzer Tag und Nacht durchgefah- ren. Wir haben ja direkt bei der StraBe gewohnt, und das hat die ganze Zeit immer gerumpelt. Vie- les wurde aber auch mit der Bahn transportiert. Die Soldaten wurden mit BIumen beworfen. Zwei Offizie- re wurden auch bei uns ftlr ein paar Tage einquartiert, auch auf den Wiesen rundherum haben sie campiert. Auch Einheiten mit Fahr- radern waren hier." Der Alltag im Krieg: Das Le- ben im Ort muBte in geordneten Bahnen verlaufen. Mit der Hitlerjugend und dem verordne- ten Zwang zur Begeisterung hat- te man die Jungen unter Kontrol- 1e. Pepi Kopsche, zu Kriegsbe- ginn erst sechs Jahre alt, war wie auch viele andere damals vom Zauber der Uniform begeistert: "Genau mit Schulbeginn hat auch der Krieg angefangen, aber damals war ich sechs Jahre all, ob ich mich gefreut oder geftlrchtet habe, das kann ich heute nicht mehr sagen. Die Jugend konnte man aber schnell begeistern, das haben sie verstanden. Mit zehn Jahren muB- Die Jugendgruppe der Frauenschaft An fang 1940. Nicht nur die Burschen waren organisiert und lernten frtlh ihre Pflichten, auch die Madchen trafen sich in Gruppen, wo ihnen die ldeale der Partei naher ge- bracht wurden. (Sammlung Fanninger) Das Stellungsfoto des Jahrganges 1921. V.I.n.r.: 1. Beihe Hans Hammer, Halsegger Max, Kaltenegger Franz, Jeitler Edmund, ?; 2. Reihe Steinberger Peter, Lanz Johann, Auer Johann. (Sammlung Gsulbauer) te man, ob man wollte oder nicht, zur Hitlerjugend gehen, ab 14 war man dann in der Deutschen Ju- gend, Damals trug man Uniformen, bekam Abzeichen und fuhlte sich so wie Soldaten, das hat die da- malige Jugend begeistert. Die Devise war: `Maul halten, und nur ftlr dieses F3el gime tanzen.' Wehren konnte man sich dagegen nicht, denn sonst ware man sofort weg gewesen vom Fenster. Das war dann schon stark in den Familien verankert, gehor- sam zu sein. Auch haben meine Eltern zu mir immer gesagt, daB ich nichts von dem, was zu Hause ge- redet wird, weiter erzahle, weil manchmal hat man ja auch als klei- nes Kind etwas aufgefangen. Da- mals war halt nichts freiwillig, man wurde zu allem gezwungen. Wir Jugendliche waren dem Pe- gime gegentlber begeistert, als Bub taugt einem das ja, wenn man mar-
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