Geschichte Gratkorns
Die Friesacher Volksschule war im Jahre 1930 neben dem Kauf- haus J6lly untergebracht. In der ersten Ftejhe links sitzt Maria Teibinger vlg. Fr6hlich. (Sammlung Teibinger) Das Jahr 1938: Weltmeister Joe Louis schlagt Max Schmeling in der ersten Runde k.o., eine H6rspielsendung von Orson Welles tiber eine utopische Mars- invasion lost in den USA eine Massenpanik aus, mit der Reichskristallnacht erhalt das Pogrom vorerst einen H6he- punkt, Hitler marschiert in Oster- reich ein, der AnschluB ist voll- zogen. In Osterreich herrschte Aufbruchstimmung. "Ich bin erst im 38er Jahr aus Krieg- lach nach Gratkorn zurtlckgekehrt. Da war eine Hochstimmung in Gratkorn. Das Gasthaus war jeden Tag vo!I, die Leute haben Geld ge- habt, die Bauern haben durchwegs neue Dacher bekommen. Es war eine tlberaus fr6hliche Stimmung. Wo das ganze Geld hergekommen ist, weiB ich nicht. Wir konnten uns landwirtschaftliche Maschinen kau- fen, das war vor 38 ein Problem. Wir haben uns einen Erdapfelroder gekauft, eine Sahmaschine, es war kein Problem, sich das zu verschafH fen„, weiB die Gastwirtin Rosa Fanninger. Bald sptirte man jedoch auch ei- nen anderen Wind, die Repres- sionen gegen Andersdenkende wurden starker. Vorallem die so- zialdemokratisch-organisierten Arbeiter waren davon betroffen. Josef Kopsche, geb. 22. Marz 1933 , Sozialdemokrat der ersten Stunde, erinnert sich aus den Er- zahlungen seines Vaters: "Davon hatte man allgemein ge- h6rt. Die Sozialdemokraten, aber auch die Kommunisten wurden da sehr verfolgt. Den Altbtlrgermeister Schweinzer verhaftete man von der Werkstatte heraus, direkt vom Ar- beitsplatz weg, er wurde dann in ei- nem Lager interniert. Das muf3 an- fangs des Krieges gewesen sein. Der Pogljts Willi ging damals zum Schweinzer und sagte ihm, daB zwei Herren draur3en seien und er m6ge hinauskommen. Er antwor- tete darauf , daB er sie schon er- wartet hatte, verabschiedete sich noch von seinen Kollegen mit den Worien: `Pfiat euch, ich werde nicht mehr wiederkommen,' Auf Grund seiner politischen Gesinnung ist er damals eingesperrt worden. Systemkritiker wurden so fort ver- haftet. In Gratkorn gab es deswe- gen etliche Kzler, spater erfuhr man, daB politische Gefangene besser behandelt wurden als inter- nierte Juden oder Auslander. So muBten diese z. 8. nicht jm Stein- bruch arbeiten. Wo das jetzige Pensionistenheim steht, gab es Baracken, wo russi- sche Frauen und Manner gefangen gehalten wurden, die sogar in der Leykam arbeiten muBten. Auch Griechen hielt man fest, aber wo diese untergebracht waren, weiB ich nicht. Ich hab nur einen Grie- chen gekannt, der war ein netter Mann und hat sich immer mit den Kindern befaBt. Damals waren ja die ganzen Manner eingertlckt, und die Frauen muBten in der Leykam sogar Nachtschicht machen, da war man froh, daB man solche Fremdarbeiter hatte." Nicht nur der erwachsene Arbei- ter bekam die Parteimaschinerie zu sptiren, auch Schulkinder wurden oft benachteiligt. Pepi Kopsche wollte geme auf Urlaub fahren, aber "alle jene Kinder, deren Eltern nicht Parteimitglied waren, sind dann schon benachteiligt worden. Ich ware gerne auf Erholung gefahren, `Kraft durch Freude' hieB die dama- lige Aktion. Aber da sind vorwie- gend Nazi-Kinder, denen es eh gut gegangen ist, auf Erholung gekom- men, wahrend wir Arbeiterkinder zu Hause bleiben muBten. Mit Begeisterung haben wir bei der Alteisensammlung mitgemacht, auch mur3ten wir 6fters zum Ernte- einsatz z.B. zum Spinatpfltlcken nach Eggenfeld. Wir haben uns sogar gefreut darauf, weil wir ja nicht zur Schule muBten und auf ein gutes Essen hofften, aber nach einem ganzen Tag Arbeit bekamen wir nur ein Sttlck trockenes Brot. Auch Birkenblatter, Spitzwegerich-
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