Geschichte Gratkorns

1934 bin ich nach H6rgas, weil ich mich durchleuchten lassen muBte, Nach 13 Uhr bin ich fortgegangen, wie ich bei der Saurestation war, schau' ich zurtlck, weil ich am Hausberg Schtisse geh6rt hatte. Ich sah so ca. 80 Leute herum- rennen und ihre Waffen aus dem Acker ausgraben, die sind dann hinten bei der Wehr auf den Haus- berg hinauf, urn ihn zu besetzen. Wie ich dann bei der F3eitervilla war, wurde ich von vier Heimatschtltz- lern aufgehalten. Sie selbst trugen Gewehre, am Boden stand sogar ein Maschinengewehr. Sie wo!Iten mich nicht nach Gratwein lassen. Ich sagte ihnen aber, daB ich im Krankenhaus einen Termin hatte. Dann muBte ich mich ausweisen, so konnte ich durchgehen, durfte aber nicht durch den Ort, sondern muBte von hinten uber den Berg nach H6rgas. Bevor ich in den Wald gekommen bin, hab' ich noch ein- mal auf den Hausberg geschaut. Da gab es eine wilde SchieBerei. Die Heimwehr wollte ja den Haus- berg sprengen, beim Dulthof stand sie mit den Geschtltzen und visier- te den Hausberg ein. Die wollte ihn von dort unten unter BeschuB neh- men. Sie glaubten, daB man sie nicht durch den Ort lassen wtlrde, deshalb wollten sie sich i rei- schieBen. Die bauerliche Fortbildungsschule war der Grundstein fur eine moderne Landwirtschaft. Dle Gesichter der Madchen und Burschen waren zu Beginn der 30er Jahre noch voller Hoffnung. (Sammlung Fanninger) Auch in Graz wurde ein Arbeiter- ftlhrer hingerichtet. Die Gratkorner Arbeiterschaft zog sich deshalb zurtlck und versteckte ihre Waffen. Sie fltlchteten einzeln durch die Wa!der herunter in den Ort. Das war alles an einem Tag erledigt. In den darauf folgenden gab es dann schon die ersten Verhaftungen. Das waren dann harte Zeiten, wenn mehr als drei beieinander standen, dann ist gleich der lnspektor Mo- ser gekommen und hat das ganze aufgel6st. Nach der Fieihe sind dann die Leute verhaftet worden. Die wurden dann wochenlang ein- gesperrt-„ Das Gasthaus "Pucher" zahlt zu den altesten in Gratkorn. Tradition wird hier seit jeher groB geschrieben, deshalb blieb das Haus auch fast un- verandert in den letzten 100 Jahren. Diese Aufnahme stammt aus dem Jahre 1895 und ist Sin frtlhes Dokument der Gratkorner Alltagskultur. (Stiftsarchiv Rein) Auch ftir Rosa Fanninger, geb. 20. Au- gust 1921, Altwirtin des Puchers, blieb diese Zeit in Erinnerung : "Der Steirische Heimatschutz war bei uns im Gasthaus, die haben ab und zu im rtlckwartigen Zimmer ihre Treffen gehabt. Einmal sind sie auch gekommen und haben eine Hausdurchsuchung gemacht. Der Gemeindesekretar Fuchs hat bei uns Waf fen vermutet, gefunden haben sie aber nichts. Am 12. Fe- bruar haben wir von der Gemein- de den Auftrag gekriegt, ftlr den da- maligen 6sterreichischen Heimat- schutz Frtlhsttick zu machen. Ich war damals dreizehn Jahre, wie die Mutter Ttlrkensterz und Kaffee ge- kocht hat, und die Manner es mit Menagescha!en geholt haben"

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