Geschichte Gratkorns
dig zu bezeichnen." Trotz des Krieges wurde noch im Jahre 1941 nit den Bau von 55 Woh- nungen begonnen, wovon im Juni 1943 noch keine einzige fer- tiggestellt war. "Die Fertigstel- 1ung dieser Wohnungen ist we- gen des katastrophalen Wohnungselends eine der wich- tigsten Aufgaben." - Von den beim "AnschluB" ge- machten Versprechungen war also wenig geblieben. Am 17. November 1944 fielen zum er- stenmal alliierte Bomben auf Gratkomer Gemeindegebiet. Urn etwa 11 Uhr 45 gingen im Pailgraben 18 Sprengbomben, 13 mittelschwere und funf leich- te, davon drei mit Lang- zeitztindem, und zwei Blindgan- ger nieder.16 Sprengbomben fie- 1en auf die Grundstticke des Gutsbesitzers Dr. Dennig und zwei auf den Grund des Martin Reinisch. Bei diesem Bomben- abwurf erlitt Johann Steinberger Kopfverletzungen, Alois Bald- auf leichte Verletzungen. Beide hatten sich gerade mit einem Pferdefuhrwerk auf dem Heim- weg befunden. Die H6fe Rinner, Dennig und Reinisch wurden beschadigt.54 Am 8. Janner 1945 wurde Grat- korn von alliierten Bombern tiberflogen, die sieben Spreng- bomben zu vermutlich je 250 kg auf ein Waldgebiet des vulgo BurgstallerinRannach30warfen.55 Am 1. Februar 1945 fiel gegen 12 Uhr 30 eine mittelschwere Bombe ins freie Gelande des stillgelegten Betriebens Nr. 129 in Gratkorn. Der am westlichen Murufer liegende Transformator wurde dabei leicht beschadigt.56 Diese wiederholten Bombenan- griffe hatten verstarkte Bemti- hungen urn den Luftschutz zur Folge. Bei einer Besprechung tiberLuftschutzangelegenheiten, an der Ortsgruppenleiter Schrei- ner, Bgm. Sametz, Betriebsfuh- rer Dr. Wurz, sein Stellvertreter Dir. Eibel und Betriebsobmann Magg teilnahmen, wurde am 17. Februar 1945 dem Schutz von Menschen eindeutige Prioritat eingeraumt: "Btirgermeister Sametz erklat dazu, es sei selbst- verstandlich, dass das Werk ge- schtitzt werden muss, aber er sei mach wie vor dafur, die Anord- nung so zu treffen, dass die Men- schen weitgehendst geschont werden." Ein Luftschutzstollens beim Zigeunerloch befand sich damals gerade im Bau, wurde aber nie fertiggestellt. Betriebs- ftihrer Dr. Wurz tiber die Lage der Papierfabrik: "Gegenwartig haben wir im Werk hinsichtlich unserer Produktion wegen Rohstoffmangel eine schwere Krise und sind durch den Abzug von Gefolgschaftsmitgliedern fur den Stellungsbau die Beset- zungen der Einsatztruppen schwieriger geworden. Ich muB auf die Werksverteidigung im Angriff genau so bedacht sein Wie draussen im Fe|d."57 Am 4. Marz 1945 gegen 13 Uhr schoB die in Andritz stationierte schwere Flak - Batterie einen viermotorigen amerikanischen Bomber, eine 8 - 17 ("Flying Fortress") ab.58 Zumal im ein- schlagigen Standardwerk dieser Absturz nur teilweise dokumen- tiert werden konnte59 , stelle ich dieses Ereignis anhand des von mir aufgefundenen Akten- materials dar.60 Nach mehreren Flaktreffem hat- te sich die "Fortress" mit den Kennzeichen "8 Y 46351 4" ih- rer Bombenlast durch Notwurf entledigen mtissen. Sechs Bom- ben detonierten in Gratkorn, etwa 500 in westlich des Werkes, Nr. 107, ohne jedoch Schaden anzurichten; zwei Bomben deto- nierten nicht. Der Rumpf des bereits in der Luft explodierten Bombers sttirzte in das freie Werksgelande des Werkes Nr. 107, die Tragflachen fielen in be- nachbartes Gartengelande und der Schwanz beim Werk Nr. 129 in die Mur. Kleinere Teile schlu- gen im Gemeindegebiet von Judendorf - StraBengel auf. Nach dem Krieg wurden in worth vier Blindganger geborgen, einer bei den "funf Hausem"61 . Zumindest dieser dtirfte vom eben beschrie- benen Absturz herrtihren. St. Stefan, im Hintergrund die Pa- pierfabrik. Foto aus dem Jahre 1942. (Sammlung Gasthaus Pucher, F]osa Faninger) 54 "Schadenme!c!ung nach Luftan- griff" der MG Gratkorn an den Landrat des Landkreises Graz (8 -043/45) vom 18. November 1944. Vgi auch W Brunner, 1988, S. 97; W. Brunner, i989` S. 207 (``Pa!lgraben bei Grat- wein„). 55 Me!dung des Gendarmeriepostens Gratkorn vom 9. Janner 1945. Anlage zu Stosch - 5560 - Nr. 495/43 (g} vom 13. Ju!! 1943 (AG). 56 Meldung c!er MG Gratkom an den Lanc!rat des Landkreises Graz vom i . Februar 1945` 8 - 043/45 (AG). 57 "Gec]achtnisnotiz tiber cile Bespre- chung am 17 Feber 1945 !n Luftschutzangelegenhe!ten", Gz. 160/1 vom 20. Februar 1945 (AG). 58 W. Brunner,1988, S 121. 59 S. Beer -St. Karner, i992, S. 354 (Genauer Absturzort unbekannt, Namen unci genaue Anzah[ cler Absturzopfer unbekannt.) 60 Meiclung des Gendarmenepostens Gratkorn an die Krim!na!polize!- ste!le Graz vom 5 Marz i945, Tageb. -Nr 305/45 (AG)` 61 W Brunner` 1988, S.149.
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