Geschichte Gratkorns
Der Dank des Peichsmarschalles ftlr die Metallspende 1940. (CGG) 45 Slehe W Much!tsch,1994, S. 50ff. 46 Neue Steirische Zejtung Nr.17 vom 14 Juni 1945, S. 2. 47 Bericht {Konzept) des Marktes Gratkorn vom 30. Jum 1943 zu Zl. Ia -46 Bu 55/49 -1943 cles Beichsstatthalters (AG). 48 CGG' Lehrerin Irene Erjavec geh6rte seit den Jahre 1941 einer 6rtli- chen Widerstandsgruppe an und stand auch in Kontakt mit der in der Reichsstatthalterei angestell- ten Dr. Julia Pongracic. Pongracic, die am 3. April 1945 in der Wetzelsdorfer SS - Kaser- ne erschossen wurde, geh6rte ih- rerseits dem Widerstandskreis urn den nachmaligen langjahri- gen Landesrat Fritz Matzner an.45 Die Gratkorner Wider- standskampferin Irene Erjavec hat jedenfalls eine Beschreibung tiber ihre Erlebnisse bei der Gra- Zer Gestapo hinterlassen.46 Wieviele Widerstandskreise in Gratkorn wahrend der Jahre 1938 bis 1945 existierten, 1aBt sich nicht mehr exakt rekonstru- ieren, auch nicht ihre Verflech- tungen untereinander. Eine kla- re Trennung scheint aufgrund der auBerst komplexen Querver- bindungen oft unm6glich und wurden solche Widerstands- gruppen von der Gestapo nicht entdeckt, damn existieren nicht einmal Akten dartiber. Spatestens mit der Vemichtung der 6. Armee bei Stalingrad er- kannte auch der GroBteil der Gratkomer Bev6lkerung die Zei- chen der Zeit. Btirgermeister Franz Sametz muBte am 30. Juni 1943 anlaBlich einer vom Reichsstatthalter einberufenen Arbeitstagung berichten, daB in seiner Gemeinde "gerade in po- litischer Hinsicht sehr viel zu wtinschen tibrig ware. Gegen- tiber Parteiveranstaltungen ver- halt sich ein GroBteil der Bev6l- kerung ziemlich passiv. Nur KdF [Kraft durch Freude] Veranstal- tungen werden im Verhaltnis gut besucht. Der Papierfabriks - Be- trieb ist immer noch eine Statte kommunistischerBetatigung."47 Am 27. August 1939 wurden die B ezugskarten fur Kraftfahrzeug- treibstoff eingefuhrt; der Krieg ktindigte sich an. Am 30. August wurde die Bewirtschaftung aller lebenswichtigen Verbrauchsgti- ter verftigt und fortan gab es fast alles nur mehr gegen Bezugs- scheine: Reichsbrotkarte, Reichsmilchkarte, Reichsfett- karte, Reichskleiderkarte... Am 1. September begann Hitlers Uberfall auf Polen und damit der Zweite Weltkrieg. AUBer den er- wthnten Rationierungen war da- von in Gratkom vorerst freilich wenig zu merken. Die Wehr- macht errang einen Sieg mach den anderen, die Parteifuhrer buhlten immer noch urn die Gunst der Arbeiterschaft. Am 8. Dezember traf die steirische Parteiprominenz - der stellvertre- tende Gauleiter Dr. Tobias Portschy und etwa 30 Parteifunk- tionare - zur Ubergabe neuge- schaffener sozialer Einrichtun- gen in Gratkom ein. Mit den Ende des Polen- feldzuges (27. September 1939) und dem Sieg tiber Frankreich (22. Juni 1940) begann auch die Ausbeutung der besetzten Gebie- te und derer Bewohner. Bereits im Matz 1940 wurden mehreren landwirtschaftlichen Betrieben polnische Landarbeiter zur Ar- beitsleistung zugewiesen. Im August 1940 trafen zudem 20 kriegsgefangene Franzosen in Gratkom ein. Diese Franzosen waren beim Gasthaus Teibinger untergebracht und wurden von einer Bewachungsmannschaft von und zur Arbeitsstelle ge- bracht. Im Septerhoer 1940 tra- fen abermals 60 franz6sische Kriegsgefangene ein, wovon 20 im Gasthof Teibinger (vulgo Pucher) und 40 beim Pionier - Ubungsplatz untergebracht wur- den. "Das Verhalten und die Ar- beitsfreudigkeit der Kriegsge- fangenen gegentiber den polni- schen Landarbeitem wird allge- mein hervorgehoben."48 Uber das Verhalten der Bev6lke- rung gegentiber diesen Personen [besonders gegentiber den "Ost- arbeitem"] ergingen an den Po- sten wiederholt Weisungen. Die- se Weisungen liefen darauf hin- aus, daB jeder engere Kontakt der Kriegsgefangenen und "Ost-
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