Geschichte Gratkorns
Ein Gratkorner im November 1939 an seine vorgesetzte Dienststelle: "Ich bin eben ein Nationalsozialist, der bereit ist nicht nur seine Pflichten zu er- fullen, die er unbedingt erfullen muss, sondern auch freiwillig tibemommene Pflichten bis zum Aeussersten zu erfullen, aller- clings im Rahmen von Recht und Gerechtigkeit unter Beachtung der Staatsgesetze, aber der Ge- Setze der Menschlichkeit."38 Uber denselben Mann wird 1941 berichtet: "Jocher grtiBt aus- schlieBlich nur mit `GrtiB Gott' . Unser GruB `Heil Hitler' wird von ihm nur im auBersten Falle, bei vorgesetzten Amtspersonen und im Amte angewandt. Bei Eintritt in Fleischerladen und dgl. Geschaften grtiBt Genannter meist nit sp6ttischem Nach- druck mach folgender Reihenfol- ge `Guten Morgen, Guten Tag, GrfuB Gott, Habe die Ehre - Heil Hitler' . Damit bringt er so rich- tig seine innere Stellungnahme gegen den Nationalsozialismus Zum Ausdruck."39 Das war die geringste, wenn auch nicht ungefahrliche Form des Widerstandes. Der Arbeiter Franz Malek wur- de am 22. April 1911 in Gratkom geboren. Er war kompromiBlo- ser Kommunist, verachtete alle Diktaturen (auBer jene des Proletariates) und kampfte gegen den Standestaat. 1934 wurde er verhaftet und ins Anhaltelager W611ersdorf transportiert. Nach den "AnschluB" wurde Malek als bekannter Gegner des Re- gimes abermals verhaftet. Nach Erniedrigungen und Qualen kam er am 16. Matz 1945 im Konzen- trationslager Dachau urn.40 Etwa ein Dutzend Gratkorner wurde von Einheimischen de- nunziert, von der Gestapo miB- handelt, in Konzentrationslagem inhaftiert. Oft reichte schon ein unbedachtes kritisches Wort. Am 4. Februar 1942 wurde der Fabriksarbeiter Josef Pfeiller aus Gratkom - Dult wegen Verbre- chen gegen das Heimtticke- gesetzes und "fuhrerfeindlichen AUBerungen" der Geheimen Staatspolizei tibergeben.41 Eine organisierte Widerstands- gruppe bestand urn den Arbeiter Narath, dieser Gruppe geh6rte auch der nachmalige Gratkomer Btirgermeister Alois Schweinzer an. Einige Mitglieder dieser Gruppe wurden in Graz am 26. Juni 1943 zum Tode verurteilt, mehrere zu langjahrigen Haft- strafen.42 Eine zweite organisier- te (kommunistische) Wider- standsgruppe, in der sich ein Gratkorner zumindest beteiligte, bestand urn den Vordernberger Bergmann Martin Michelli. Er hatte unmittelbar nach dem Kriegsbeginn nit der Sowjetuni- on insgesamt 13 Arbeitskamera- den "urn sich gesammelt, urn mit ihnen in kommunistischem Sin- ne zu beraten, wie man helfen k6nne, daB nicht Deutschland sondem die Sowjets den Krieg gewinnen."43 Der Hilfsarbeiter Josef Gschanes Das Gratkorner Becken, links die Papierfabrik, urn 1940. (Samm- lung J. Kopsche) settskREgs8as `, '¢, .ex" -- ` - ERErF„-5i§S.-x9¢miesas `siEF*.zz{5seEZExp. Von den Gratkorner Kommunisten wurden im Standestaat und schon bald nach dem "AnschluB" selbstgefertigte Klebevignetten in der Papier- fabrik und an 6ffentlichen Platzen angebracht. Zur Herstellung der Auf- drucke wurden rohe Kartoffel als Stempel verwendet. (AG) aus Gratkom Nr. 87, geboren am 11. Marz 1902 in Steingrub, ver- steckte fur diesen Widerstands- kreis Sprengmittel. "Der Volks- gerichtshof hat deshalb seiner Pflicht entsprechend die Strafe unmittelbar aus dem gesunden Volksempfinden gesch6pft [...] und [...] 5 Jahre Zuchthaus fur solchen Sprengstoffbesitz und - versteck im Kriege urn der Si- cherheit des kampfenden Rei- ches willen fur erforderlich ge- halten."44 Damit hatte Gschanes Gltick, denn vier von den 14 An- geklagten wurden zum Tode ver- urteilt, die tibrigen zu lange- wahrenden Haftstrafen. Die in Gratkorn unterrichtende 38 Schreiben Pludolf Jochers an den Btlrgermeister der MG Gratkorn vom 1. November 1939 (ad AZ 035/1 im AG) 39 Schreiben des Btlrgermeisters der MG Gratkorn an den Landrat des Landkreises Graz bez. D!enst- entlassung F}. J. vom 18. Sep- tember 1941, ZI 035/10 (AG). 40 COG,1934; Schreiben Franz Ma!eks vom 24. September 1934 aus den Anhaltelager W6!lersdorf unc! Antwortschre!- ben der MG Gratkom (Zl. 5015 - 16 im AG);Buncl 6sterr. Freiheits- kampfer und Opfer des Faschls- mus / Ftlrsorgereferat, Aufstel- lung vom 23. September 1955 (DOW 16.544) 41 CGG. 42 Die Akten zum PrQzeB Narath und Geno§sen konnten bislang nicht aufgefunden werc!en. Freundl. Mitt. Dew. 43 Urte!lsbegrtindung cles 1. Senates c!es Volksger!chtshofes aufgrund der Hauptverhandlung vom 10. Mal 1943 (D6W1956). 44 Ebencla.
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