Geschichte Gratkorns

34 F}undschreiben Nr 230 des Land- rates Graz (ZI. V/5 Po 6/42) vom 14 Juli 1939 an alle Burgermei- ster c!es Landkreises Graz (AG ZI 1907/1) 35 Rosa Jochmarm. Sie rufen den Henk©r zu Hilfe. In Dle Frau 9/ 1933. Eciiert in. F3osa Jochmann, Em Kampf der nie zu Ende geht. Pleden und Aufsatze Herausge- geben und mit e!ner biograph!- schen Einle!tung yon Hans Waschek. (W!en 1994). S.1i6 - 118. S.117 36 F3undschreiben Nr. 212 des Land- rates des Krelses Graz (Z!. V/5 Po 6/24 - 1939) vom 6. Ju!i 1939 (AG). 37 CGG Stampiglie der "NSDAP - Hitlerbewegung - Ortsgruppe Gratkorn". (AG) De facto war diese Gemeinde- vertretung in ihrer Entschei- dungsfreiheit massiv eingeengt. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP tiberwachte die Kom- munalpolitik, er und andere Par- teifunktionare besaBen in gewis- sen Bereichen nicht zu unter- schatzende Machtbefugnisse. So hatte zum Beispiel der Orts- bauemfuhrer bei UK - Stellun- gen von in der Landwirtschaft Beschaftigten ein gewichtiges Wort mitzureden. Kommissarischer Ortsgruppenleiter Gottlieb Haider Kommissarischer Ortsgruppenleiter Richard List Ortsgruppenleiter Franz Schreiner Kommissarischer Ortsbauernftlhrer Franz Potisk Ortsbauernftlhrer Josef Gebhard Ich zitiere als Beispiel nur ein Rundschreiben des Landrates be- ztiglich der Genehmigung von konfessionellen Umztigen und Christenlehren: Der Btirgermei- ster sei zwar nicht berechtigt, solche Veranstaltungen zu ge- nehmigen oder zu untersagen, wenn er aber trotzdem einmal kurzfristig in die Lage dazu kom- me, "so hat er unbedingt vor [im Original unterstrichen] seiner Entscheidung festzustellen, ob nicht der zustandige Ortsgrup- penleiter der NSDAP zum selben Fall schon eine Entscheidung ge- troffen hat. Trifft das zu, so muB der Btirgermeister sich diese Entscheidung des Ortsgruppen- leiters - gleichgiltig ob dieser zur Entscheidung berechtigt war oder nicht - zu eigen machen [...]."34 Das neue System zeigte sich be- mtiht, das Vertrauen aller Gratkorner, auch der politisch andersdenkenden, zu gewinnen. Das gelang freilich nicht immer und es gab in Gratkorn 1938 wenige Menschen, die das er- kannten, was Rosa Jochmann bereits 1933 prophezeit hatte: "[...] wenn die Zeit des Dritten Reiches vorbei sein wird, wenn die Millionen Menschen, die heute noch verblendet sind in dem Glauben an Hitler, zur Er- kenntnis gelangen werden, welch groBer Irrung sie unterlagen, wird die ganze Menschheit er- schauern vor den Untaten des Nationalsozialismus [...]."35 Mit und nach dem groB angeleg- ten Propagandafeldzug fur das "Ja" der Gratkorner zum "An- schluJ3" begannen unverztiglich Repressionen, die sich in erster Linie gegen die Kirche sowie gegen alles "Fremdv61kische" und "Artfremde" richteten. Ich zitiere nur ein Schreiben der vor- gesetzten Instanzen an Btirger- meister Franz Sametz: "Kirchli- che Veranstaltungen im Freien, aus Anlassen, die auch von der nationalsozialistischen deut- schen Arbeiterpartei gefeiert werden, werden nicht erlaubt. [...] Hiezu bemerke ich ergan- zend, daB ein besonderes Augen- merk auf die Anzahl der teilneh- menden Personen, die, wenn sie aussergew6hnlich groB ist, auf einen demonstrativen Charakter der Veranstaltung schlieBen laBt, gerichtet zu werden hat."36 Ne- ben anderen Repressionen wur- de im September 1940 das Klo- ster der Lazaristen in der Dult aufgehoben, von der NSV (Na- tionalsozialistische Volkswohl- fahrt) tibemommen und als Kin- derheim eingerichta5t. 37 So mancher aufrechte Christlich- soziale, Kommunist und Sozial- demokrat, der als kompromiBlo- ser Gegner des NS - Regimes bekannt war, muBte seine Hal- tung mit dem Tod oder lanalah- rigen Haftstrafen bezahlen. In Gratkom gab es fhih Widerstand gegen Austrofaschismus und Na- tionalsozialismus; und er trat nicht, wie in so vielen steirischen Gemeinden, erst am 8. Mai 1945 zutage. Dieser Widerstand auBer- te sich in verschiedenen Formen und Abstufungen und auch Na- tionalsozialist war nicht gleich Nationalsozialist.

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