Geschichte Gratkorns

1934 wurde von illegalen Natio- nalsozialisten oder Kommunisten das Transformatorenhauschen bei der Stanzelmtlhle zu spren- gen versucht. (AG/CGG) ilo. Bauer,1934, S 29f. 12 CGG. 13 Diverse Bescheide der BH Graz - Umgebung, al!e ausgestellt un- ter der AZ 14 A 39/105 (AG). 14 Den folgenden Aussagen (bzw. Grafiken) liegen die Meldeblatter gem § 12 der 1. NS -F3egistr. - Vdg. v,112. 5.1945 (AG) zugrun- de. Zu bedenken ist dabei, daB hier nicht die verstorbenen uncl sich in Knegsgefangenschaft beflndenden Parteimltglleder aufscheinen. Dle Akten der Ortsgruppenleitung der NSDAP Gratkorn dtlrften vcr Kriegsende vemlchtet worden sein. urn 23 Uhr 30 der Hoch- spannungsmast Nr. 31 hinter dem Peterlwirt gesprengt, gleich darauf flog ein Eck des Transfor- mators bei der Stanzelmtihle in die Luft. Einerlei, ob diese An- schlage auf das Konto der Na- tionalsozialisten oder Kommuni- stem gingen, man war sich in der Beurteilung des Bundeskanzlers Dr. DollfuB einig: ein kleiner Diktator, mit einer unbedeuten- den Minderheit hinter sich, der die Notstandsgesetze von 1917 ausnutzte.10 Auch auf die Hal- tung der Gratkomer Arbeiter traf die Beurteilung Otto Bauers aus dem Jahre 1934 zu: "DaB die Herren DollfuB und Fey die Ar- beiter fur sich gewinnen k6nn- ten, ist nicht zu befurchten. [...] Viel gr6Ber ist die Gefahr, daB der Nationalsozialismus in ver- statktem MaBe in die Arbeiter- schaft einzudringen verm6chte. [...] So mancher Arbeiter denkt heute: `Wenn die Nazi uns nur versprechen, den DollfuB und seinen Vizekanzler Fey aufzu- hangen, damn gehen wir mit ih- nen!„11 Ftinf Monate nach dem Aufstand der Sozialdemokraten putschte die SS Standarte 89 in Wien und ermordete Bundeskanzler Dr. DollfuB. Uber Radio erreichte der Aufruf zum Putsch am 25. Juli 1934 gegen 13 Uhr auch die Gratkorner Nationalsozialisten, die sich daraufliin gegen 15 Uhr im Wald des vulgo Harthopfer (Maldeghem) sammelten. Von Mittelspersonen wurden sie tiber die laufenden Ereignisse und schlieBlich tiber den Zusammen- bruch des Putsches informiert, worauf sic am 26. Juli in aller Stille den Heimweg antraten. Damit hatte man die Sache auf sich beruhen lassen k6nnen, wenn nicht im darauffolgenden Monat ein Verrater bei der Gen- darmerie aufgetaucht ware: "[...] erst am 13. 8. 34 ward aus ihren eigenen Reihen veiraten, wo sic sich zur Putschzeit befanden. Danach waren sic zka. 40 Mann oberhalb der Dult im Wald des Gutes Maldeghem. Dort beka- men sie Waffen und warteten nur auf gtinstige Nachrichten vom Radio . urn den Gend. Posten Gratkom und die Post be- setzen zu k6nnen. Da die Nachrichten vom Radio fur die NSDAP immer ungtin- stiger lauteten, gaben sic den geplanten Uberfall auf. S amtliche daran beteiligten Personen wurden verhaftet und wegen Hochverrats dem Landesgerichte einge- 1iefert, von wo sie, da es in Gratkorn zu keinem Blut- vergieBen kam, als Minder- beteiligte ins Anhaltelager W6llersdorf tiberstellt wur- den. Kommandant dieser Bewegung war Karl Rupprecht, stud. phil., der fltichtete."12 Aus den erhal- tenen AktenL3 geht hervor, daB die Putschisten, vorwiegend Bauerns6hne und Arbeiter (!), ein Durchschnittsalter von 21,7 Jahren aufwiesen. Ein Blick auf die Frequenz der Parteieintritte]4 zeigt vermehrte Beitritte wahrend der Jahre 1932 bis 1934. Ursache dafur war die verstarkte Propagandatatigkeit der bis 19. Juni 1933 in Oster- reich legalen NSDAP in einer Zeit wirtschaftlicher Rezession. Dazu kam der Fehlschlag des so- zialdemokratischen Februarauf- standes und das Verbot der So- zi aldemokrati schen Arbeitexpar- tei, was in weiten Kreisen der so- zialdemokratischen Arbeiter- schaft Resignation ausl6ste. Die- se Haltung schlug sich zwar vor 1938 nicht in einem tibeapropor- tionalen Beitritt von Arbeitern zur NSDAP nieder, doch wird ihre Zustimmung zum AnschluB auch unter diesem Blickpunkt zu betrachten sein. Betrachtet man die Beitritte zur NSDAP vor 1938 in Gratkorn und stellt man die Frage, welche Berufsgruppenbesonderspositiv auf die Propaganda der NSDAP

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