Geschichte Gratkorns

Ftir die meisten Menschen der 30er Jahre war diese Entwick- 1ung nicht sichtbar, nur allzu wil- 1ig verschloB man die Augen. "Das Aufkommen von Wehr- verbanden in den zwanziger Jah- ren, Republikanischer Schutz- bund, Steirischer Heimatschutz und die Heimwehren, fuhrte zum Kampf urn die StraBe und zu wachsender Polarisierung. [...] Ein neues Element kam durch das Aufkommen der Nationalso- zialisten urn 1930 ins Spiel. Ihr fanatischer Erfolgsglaube, auf Dynamik aufgebaute Werbung und Kampfwille gewannen vie- 1e und stellten das politische Sy- stem in einer Zeit groBer Not, der Arbeitslosigkeit und Wirt- schaftskrise radikal in Frage."8 Diese Voraussetzungen trafen in Gratkom, wie ich im vorherge- henden Kapitel darzustellen vcr- suchte, durchaus zu. Mit der Grtindung der 6sterreichischen NSDAP am 29. August 1926 bil- deten sich auch in der Steiermark erste Ortsgruppen der Partei. Die Organisation der Gratkorner Ortsgruppe erfolgte ab 1926 und dtirfte 1929 abgeschlossen ge- wesen sein. In der Kommunalgeschichte spielte die NSDAP vorerst eine geringe Rolle. Bei den National- ratswahlen von 1930 kam sic in Gratkom auf 3 ,9 Prozent der gtil- tigen Stimmen, dieser Prozent- satz erh6hte sich bis zu den Gemeinderatswahlen 1932 auf 5,4 Prozent. Nach den Verbot der NSDAP im Juni 1933 fielen die zumeist jugendlichen Gratkomer Parteigenos sen durch das Anbringen von Wandmale- reien, das Hissen von Fahnen auf Schornsteinen, das Abbrennen von Feuem in Hakenkreuzform, durch einschlagige Wimpel auf den Fahrradem und durch spezi- fische Kleidung auf. Der nachmalige Oberschulrat Max Mathans, seit 1. Mai 1933 selbst Parteimitglied im Alter von 21 Jahren, erinnerte sich Jahrzehnte spater: "In den Jah- ren zwischen 1934 und 1938 sollte am Hausberg zu Propagan- dazwecken ein Hakenkreuz ab- gebrannt werden. Am Geburts- tag Hitlers [20. April] sollte die- se Aktion stattfinden, die jedoch an die Gendarmerie verraten wurde. Der Postenkommandant schickte einen Gendarm als Spit- i !m Zuge cler Diskussionen tiber d!e Ha!tung Haiders zur Waffen-SS unc! die Unst!mmigkeiten tiber die Wahl des clritten Nationa!rats- pras!clenten im Janner 1996 zog Landesschulratsprasident Univ.- Prof. Dr. Bemd Schllcher, M!tgl!ed des Wissenschaftlichen Beirates cier Josef Krainer Akaclemie, die an sich entwurdigencle Form der Dlskussion vollends ins Lacher- liche ("Ant!-Arier-Auswe!s"). SPO - Landesgeschaftsftlhrer Karl He!nz Herper §teilte daraufhin fest, Schi!chers Diktion unter- scheide s!ch durch nichts mehr van jener Haiders und meint, die 6VP hatte sich "geistig bereits aufgegeben". [Sovle! zur allseits #blichen Form der Diskussion] !n: Standard vom 20./21 Janner 1995. S 4. 2 Abg. z. Landtag Dr. Kurt Flecker in der2 Sitzung der 13® Leglslatur- zel, der sich aber zur Jause ein- 1aden lieB und vollkommen be- trunken zum Posten zurfuckkehr- te. Inzwischen brannte in der Fin- sternis das von den Nationalso- zialisten am Hausberg angeztin- dete Hakenkreuz."9 Am 8. Juli 1934 dehnte die Re- gierung DollfuB die Todesstrafe auf Sprengstoffanschlage aus. Dies konnte die verbotenen po- litischen Parteien jedoch nicht daran hindern, durch manch zweckentfremdete aber umso spektakularere Handhabung von Explosivstoffen ihren Unmut zu auBern. Am 14. Juli 1934 wurde periods des Steiermarkischen Landtag©s am 23. Janner 1996. 3 W. Brunner,1994, S.16, 4 Zitiert mach F We!ssenste!ner. i 990, S. 44. 5 J. Deutsch,1947, S, 81. 6 Dazu. S, He!nisch,1988, S loo. 7 A. Scharf, i965, S,19f Dieser Standpunkt steht !m engen Be- zug zu Otto Bauers Meinung yon der c!eutschen Sozia!demokratie a!s der Wahrerin des kulture!len Erbes der Goethezeit und c]er Er- rungenschaften cier F3evolution van 1848/49. 8 G. Pferschy,1984, S. 45f. 9 Aufzeichnungen OSF} Max Mathans (GA); vgl. auch I. Mirsch,1989, S38. io So c!ie Meinung Dr. Arthur Seyf3 - Inquarts, osterr. Nationalsoziallst unc! Minlster !n der letzten F3egie- rung Schuschmgg, wegen Knegsverbrechen in Nurnberg hingenchtet. (Zlt!ert nach G. M. Gi!bert. Numberger Tagebuch. Gesprache der Angeklagten m!t dem Gerichtspsychologen. (Frankfurt am Main 1962). S. 370.)

RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=