Geschichte Gratkorns
Der Standestaat wirbt nach dem fehlgeschlagenen Februarauf- stand 1934 urn die Arbeiter- schaft. (AG) Schicksals wollte es, dal3 sie dort oft mit illegalen Nationalsozia- listen in Haft saBen. Zumindest darin waren sic sich einig: man kampfte gemeinsam gegen den Standestaat. Dieses Faktum soll- te man bei der Beurteilung des Verhaltnisses der Sozialdemo- kratie zum "AnschluB" nicht un- berticksichtigt lassen. In den folgenden Prozessen wur- de Alois Sakoschek zu funf Mo- naten, spater zu neun Monaten schweren Kerkers, Alois Vrecar zu acht Monaten schweren Ker- kers verurteilt. Auch auf kommunaler Ebene endete nun die Verfassungs- konformitat. Am 13. Februar 1934 wurde der mit absoluter Mehrheit gewahlte Btirgermei- sterWilhelmPartbauerabgesetzt und Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Rochelt beauftragte den christlichsozialen Btirger- meisterstellvertreter Franz Jocher telefonisch mit der kom- missarischen Ubernahme der Amtsgeschafte. Samtliche sozi- aldemokratischen Gemeinde- ratsmandate wurden am 16. Fe- bruar fur ungtiltig erklart. Die S ozialdemokratische Partei wur- de am 12. Februar verboten, die ihr nahestehenden Vereine und Organisationen aufgel6st, Verm6genswerte beschlag- nahmt. Die Kommunistische Partei war bereits am 26. Mai 1933 aufgel6st worden. Mit Schreiben vom 20. Februar 193416steLandeshauptmannDr. Anton Rintelen "in Handhabung des staatlichen Aufsichtsrechtes und zur Wahrung der Bundes- interessen" den Gemeinderat der Marktgemeinde Gratkorn auf und betraute Franz Jocher offi- ziell mit der einstweiligen Besor- gung der Amtsgeschafte des Btirgermeisters.6 Am 27. Marz 1934 wurden als Beirate Jochers "die Herren Peter Langmeier, Obmann des katholischen Bauernbundes, Johann Kleinhappel, Besitzer, Gustav Nauta, Fabriksbeamter, Rudolf Quass [recte: Quas], Fabriks- beamter, Johann Schwarz, Haus- besitzer und Johann Steinberg- er, Besitzer bestellt."7 Es folgten "Sauberungen" unter den Gemeindebediensteten, wobei unn6tige Harten vermieden wer- den sollten. Die Abteilung 4 des Amtes der Steiermarkischen Landesregierung am 1. Marz 1934 an das Gemeindeamt Grat- korn: "Ein energisches und ra- sches Durchgreifen ist notwen- dig, es muB aber jede willktirli- che und jede durch eine augen- blickliche Erregung beeinfluBte Massnahme vermieden werden. Die Zugeh6rigkeit zur Sozialde- mokratischen Arbeitexpartei vor ihrem Verbot darf fur sich allein nicht den AnlaB geben, gegen den Beamten vorzugehen."8 Die papstliche Enzyklika "Quadraghesimo Anno" (1931) propagierte eine standische Glie- derung der Bev61kerung und empfahl zumindest indirekt die Abkehr von der parlamentari- schen Demokratie. Am 1. Mai 1934, am alten "Tag der Arbeit", trat in Osterreich die neue Ver- fassung in Kraft, die mit den Worten begann: "Im Namen Gottes, des Allmachtigen, von dem alle Gerechtigkeit ausgeht, erhalt das 6sterreichische Volk fur seinen christlich - deutschen Bundesstaat auf standischer Grundlage diese Verfassung."9 Eine Woche vorher, am 24. Fe- bruar 1934, notierte der Gratkorner Pfarrer, Dr. Konrad Varjacic, in der Pfarrchronik: "An diesem Tage wurde ein Seelengottesdienst fur die Gefal- 1enen der Exekutive und der Wehrverbande, die im Kampfe gegen die rote Hydra gefallen waren, abgehalten .... Herr Franz Jocher, der bewahrte Kampfer, wurde zum Regierungs- kommissar beste||t."10 SchlieJ3lich erneuerte die Lan- desregierung am 4. Marz 1935 den "Gemeindetag der Gemein- de Gratkom" und emannte dazu
RkJQdWJsaXNoZXIy NjM5MzE=