Geschichte Gratkorns

Die Gratkomer Sozialdemokra- ten wurden von Koloman Wallisch, der sich mit seiner Frau per Auto auf dem Weg von Graz mach Bruck an der Mur befand, am Mittag des 12. Februar per- s6nlich vom Beginn des bewaff- neten Aufstandes unterrichtet. 1 Laut Gendarmeriechronik unter- richtete Wallisch urn 12 Uhr 45 pers6nlich den Fabriksarbeiter JosefMurkvomBeginndesAuf- standes und forderte ihn auf, sei- nerseits den Betriebsratsobmann Alois S akoschek und Btirgermei- ster Partbauer zu verstandigen. "Partbauer, Sakoschek, Murk und auch einige andere der So- zialdemokratie nahestehende Personen von Gratkorn haben sonach den Generalstreik ausge- rufen und die Arbeiter der Fa- brik aufgefordert, die Fabrik zu verlassen und sich zu den 5 neu- en Hausern zu begeben, was auch erfolgte. Dort wurden damn Waffen und Munition ausgegra- ben und an die Arbeiter verteilt, worauf sic den Hausberg besetz- ten.„2 Bis zum darauffolgenden Tag, "5 Uhr", hielten die Sozialdemokra- ten die Stellung am Hausberg. Von der Gendarmerie konnten spater zwei Maschinengewehre, 40 Gewehre, 72 Sttick Handgra- naten und diverse Munition si- chergestellt werden. - Viel hat- ten die Sozialdemokraten damit nicht anrichten k6nnen, denn: "Die strategischen Misserfolge der Gratkorner Arbeiter waren sicherlich darauf zurtickzufuh- ren, dass ihre Waffen, weil sie diese zumeist unter der Erde und in Kellern versteckt halten mussten, total verrostet, die Gur- ten der MG ganz morsch und die Handgranaten zum GroBteil un- brauchbar waren. Dazu konnten die meisten mit dem Zeug gar nicht umgehen."3 Auch der "Heimatschutz" war nicht untatig geblieben. Zu Mit- tag des 13. Februar marschierten Feldbacher Heimatschtitzer durch Gratkorn in Richtung Pernegg / Bruck. Artillerie des Bundesheeres wurde kurzzeitig in Gratkorn stationiert, zog je- doch bald wieder ab. Lediglich in der Nahe des Hausberges ga- ben einige nerv6se Heimat- schtitzer Schtisse ab. Dieser Gratkomer Heimatschutz , "bestehend aus seinem Kom- mandanten Gustav Nauta (Be- amter der Fabrik) und 23 Mann, stellte sich dem Posten Gratkom 91eich zu Beginn des Putsches zur Verfugung. Seine Aufgabe bestand in der Verstarkung und Untersthtzung des Postens. Am Dienstag den 13.11.1934 gegen Mittag besetzte die Gratkorner Heimwehr den Hausberg von Gratkorn, wo sie bis gegen Abend verblieb .... "4 Danach rtickte die Gratkorner Heimwehr nach Pernegg ab, der Gendarmerieposten Gratkom er- hielt 95 Heimwehrmanner aus St. Bartholoma als Verstarkung zugeteilt. Diese Truppe unter dem Gendarmerieinspektor in Ruhe Jungmaier rtickte jedoch Der Flepublikanischer Schutz- bund (PISchB Steiermark 31/lv) trug am 12. Februar 1934 auch in Gratkorn die Aufstands- bewegung der Sozialdemokra- ten. Das Foto entstand 1927. (AG) am gleichen Tag wieder ab. Am 14. Februar, als der Zusain- menbruch des Aufstandes besie- gelt war, begannen Verhandlun- gen der Fabriksdirektion (Dir. Ing. Hermann Grimm) nit den streikenden sozialdemokrati- schen Arbeitern unter Betriebsratsobmann Alois Sakoschek. "Sakoschek vertrat die Ansicht, dass solange mit der Arbeit nicht begonnen werden kann, solange ringsumher Arbeiterblut flieBe. Weitere Ver- handlungen zeitigten sodann doch den Arbeitsbeginn fur Don- nerstag den 15.11.1934, da der Putsch schon zur Ganze nieder- geschlagen war und ein weiteres Streiken zwecklos gewesen ware. Bei der am Donnerstag er- folgten Arbeits aufnahme wurden einige Arbeiter entlassen. Bei Arbeitsbeginn wurde der Be- triebsrat Karl Stramschak, in welchem die Arbeiter einen Ver- rater erblickten, vor der Fabrik von Arbeitem zu Boden geschla- gen. Diese Gelegenheit wurde 91eich ausgenutzt und mit den befohlenen Verhaftungen bei Stramschak begonnen."5 AUBer Stramschak wurden auch noch Btirgermeister Wilhelm Partbauer, Betriebsratsobmann Sakoschek und weitere 19 Sozi- aldemokraten verhaftet, gegen 62 Personen liefen Strafanzeigen wegen Aufruhrs. Sic wurden spa- ter tiber Auftrag der Staatsan- waltschaft Graz verhaftet und in das Anhaltelager Messendorf eingeliefert. Die Ironic des

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