Geschichte Gratkorns
Maiaufmarsch zu Beginn der 20er Jahre. Sozialdemokratische Vereine in der Grazer StraBe, im Hintergrund der Hausberg. Vor- ne rechts Mitglieder des Arbeiter - F}adfahrbundes. (AG) spricht. In der Gemeinde kam es zu Engpassen in der Lebens- mittelversorgung, die Bauern hatten unter den Zwangsab- 1ieferungen besonders zu leiden und sogar drei Kirchenglocken muBten aufgrund des Metall- mangels zum Einschmelzen ab- geliefert werden. Jeder pflanzte selbst soviel an, wie er konnte; die Htihner- und Kaninchen- ztichter hatten Hochsaison. Mit dem Tod Kaiser Franz Josefs I. am 21. November 1916 ging auch fur die Gratkorner eine Epoche zu Ende. Offiziell abge- schlossen wurde sic mit dem Ende des Weltkrieges und der AusrufungderRepublikDeutsch - Osterreich durch Staatskanzler Dr. Karl Renner am 12. Novem- ber 1918. Am meisten aber hatten die Pa- pierfabrik und die dort beschaf- tigten Arbeiter unter den Folgen des Ersten Weltkrieges zu leiden. Wit schon in der Zeit von 1914 bis 1918 der Betrieb lediglich durch den Einsatz von Kriegsge- fangenen aufrecht zu erhalten gewesen, so fuhrte die Aufl6- sung der Monarchie zum Verlust bedeutender Wirtschaftsraume und Absatzgebiete. Die Kon- zernleitung reagierte darauf mit der Einfuhrung von Kurzarbeit und einer tiefgreifenden Moder- nisierung der Anlagen. Mit dem Ende der Monarchie erm691ichte das geanderte Wahl- Metalle wurden wahrend des 1. Weltkrieges zur gefragten Mangelware. Drei von den vier Glocken der Kirche in St. Stefan mur3ten abgeliefert werden; sie stammten aus den Jahren 1824,1792 und 1793. Im Jahre 1922 wurden die Glocken ersetzt und 1940 wieder eingeschmolzen. (8. Denscher,1987) recht den politischen EinfluB der Gratkorner Sozialdemokraten auch auf kommunaler Ebene. Hans Rinner, vulgo Grtinwirt, fungierte von 1918 bis 27. Juli 1919 als letzter Btirgermeister der "alten" Epoche. An diesem 27. Juli fanden in Gratkom die ersten wirklich freien Gemeinde- ratswahlen, erstmals unter Betei- 1igung der Frauen, statt. Das Ergebnis: die Sozialdemokraten erhielten 1060 Stimmen, das btirgerliche Lager 609 Stimmen.
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