Geschichte Gratkorns

Baumeister H611er ftir die Bezirksvertretung Graz, der an- dere von der Leykam - Josefsthal AG. Beide Triumphpforten wur- den von Inschriften gesaumt wie: "Willkommen im Steirerland" und "Heil dem Hause Habs- burg„. In einem Originalbericht lautet es weiter: "Auf dem Bahnhofe von Gratwein, dessen Wartehal- le in einen eleganten Salon um- gewandelt worden war, hatten sich bereits lange vor der An- kunft des Hofzuges die Mitglie- der der Bezirksvertretung Graz mit ihrem Obmanne Herrn Dr. Graf und dem Bezirkshaupt- manne Hemi Dr. Lautner einge- funden. Ferner hatten vierzehn Feuerwehren, darunter jene von Hausmannstatten, Kalsdorf, Premstetten, G6sting, Puntigam, Steinfeld, Hitzendorf etc. Auf- stellung genommen. Auch die Schuljugend von Gratwein und die dortige Geistlichkeit sowie jene von StraBengel und St. Ste- fan war erschienen. Femer wa- ren 59 Gemeindevertreter anwe- send."3 Urn etwa 13 Uhr 30 traf der Hof- zug in Gratwein ein, die vor Auf- regung fiebemde Knabenkapelle von St. Ulrich intonierte die Volkshymne ("Gott erhalte, Gott beschtitze..."), der Kaiser stieg, umschwirrt von hohen Beamten, aus dem Zug, Hochrufe erschall- ten, Deputationen wurden be- grtiBt und Legionen von Kin- dern, Enkeln und Urenkeln konnten sich fortan an der immer und immer wieder erzahlten Ge- schichte erfreuen, wie der Vater oder GroBvater dem guten Kai- ser in Gratwein die Hand reichen durfte. Sodann "bestieg der Monarch unter lebhaften Hochrufen der Anwesenden die bereitstehende Equipage des Herrn Peter Reininghaus, urn mach dem Stif- te Rein zu fahren. Im ersten Wa- gen fuhren der Herr Bezirks- hauptmann Dr. Lautner mit Herrn Dr. Graf, damn der Kaiser mit seinem Generaladjutanten Baron Mondel, dann Graf Taaffe [der Ministerprasident] mit dem Statthalter Baron Ktibeck, end- 1ich die anderen Herren des Ge- folges."4 Abermals ert6nte das "Gott er- halte..." und der Kaiser wurde "am Kirchenportale vom Stifts - Convente unter unter feierlicher BegrtiBung durch den hochw. Herrn Abt Vincenz empfangen und unter einem Baldachin, den der Gemeindevorstand und die Gemeinderathe trugen, zum Hochaltare der Kirche geleitet, woselbst vom Stiftsabte das kirchliche Gebet verrichtet und der Pontificalsegen gegeben Wurde."5 "Damn besuchte er [der Kaiser] die in einer Seitenkapelle gele- genen Graber Ernst's des Eiser- men und Ottokars V. Durch den Kreuzgang ging der Kaiser in den mit Fresken bedeckten Huldigungssaal, wo ein Thron- sessel aufgestellt worden war. Der Kaiser zeichnete sich auch in das Gedenkbuch des Klosters ein. Nachdem der Monarch das Letztere besichtigt hatte, kehrte er mach Gratwein zurtick. Die Pferde des Wagens, in welchem der Kaiser fuhr, waren durch die P611erschtisse scheu geworden und es muBte der Kaiser deshalb in einen anderen Wagen umstei- gen.„6 Nun stand der Besuch der Pa- pierfabrik auf dem Programm. Zum Zeitpunkt des Kaiser- besuches produzierte die Grat- korner Papierfabrik der Leykam -Josefsthal AG bereits 1833 Tonen Papier, die Produktion von Zellstoff aus Holz lief gera- de an. Die Anzahl von Beschaf- tigten war wahrend des Zeitrau- mes 1874 - 1889 von 285 auf 1259 gestiegen.7 Die Papierfa- brik diente somit als "Vorzeige- betrieb" fur das Herzogtum Stei- ermark und konnte schon aus diesem Grunde mit dem Besuch des Kaisers rechnen. Der Originalbericht vermag die Stimmung eindrucksvoll zu ver- mitteln: "Es erfolgte nun der B esuch der Papierfabrik Leykam - Josefsthal bei Gratwein. Im Hofraume der Letzteren war ein groBer Theil der Arbeiter und Arbeiterinnen aufgestellt. Die Decoration war eine ebenso ge- schmackvolle als reiche. Zahlrei- Ansichtskarte von St. Stefan (nach Osten) urn 1910. (AG) 4 Ebenda. 5 Grazer Vo!ksblatt vom 3. Juli 1883. 6 Grazer Tagespost vom 2 Ju!! 1883 (Morgenb!att). 7 Vg! P Cede,1984, S 286 u. 300.

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