Geschichte Gratkorns
Ein seltenes Dokument zur Gratkorner Vereinsgeschichte: "Euer Wohlgeboren werden zu dem am 12. Janner 1913 in Pucher's Gasthaus stattfindenden Balle der freiwill. Ortsfeuerwehr Gratkorn ganz ergebenst eingeladen. An fang urn 4 Uhr nachmittags. Eintritt 80 h [= Heller]. Mu- sik: Die Werkskapelle Leykam- Josefsthal. GroBer Gltlckshafen und a[ndere] Belustigungen." (Sammlung Gasthaus Pucher, Posa Faninger) Besonders Pladfahrvereine (sozialdemokratische wie deutschnationale) besit- zen in Gratkorn Tradition. Mitglieder des Steiermarkischen Arbeiter Radfahrer -Bundes, Ortsgruppe Gratkorn, urn 1905. Der Arbeiter -Pladfahrerbund "Zug- vogel" Gratkorn wurde erst 1921 gegrtlndet. (Sammlung Horst Ziegler) Btirgermeister Anton Kamper neu ins Leben gerufen. Seit 1963 nennt sich der traditionsreiche Verein "Markt- und Werks- kapelle Gratkom".22 Zu Ende des 19. Jahrhunderts bestanden in St. Stefan am Grat- korn etwa neun Vereine, die sich politisch mehr oder weniger deutlich deklarierten und neben kulturellen oder sozialen auch politische Ziele verfolgten. Mit dem Stand von 1901 handelte es sich (ausgenommen die Feuer- wehr) urn folgende Vereine: ge, wie es der Chronik des "Leykam - Chors" zu entnehmen ist. Nach zweimaliger Aufl6sung des "Bruderbundes" grtindeten einige ehemalige Mitglieder im Jahre 1921 den "Arbeiter- gesangsverein der Papierfabrik Gratkom". Dieser Verein wurde 1978 in "Leykam -Chor" umbe- nannt.21 In das Jahr 1895 fallt die Grtin- dung des Musikvereines St. Ste- fan bei ( !) Gratkorn, der bis zum Jahre 1905 unter der Leitung Ja- kob W6hrers stand. Der in sei- ner Grtindungszeit deutschnatio- nal orientierte Verein wurde im Jahre 1923 als "Musikverein Gratkorn" unter den Obmann Militarveteranenverein Adolf BIdmel Arbeitergesangsverein "Bruderbund" Bienenzuchtverein Arbeiterradfahrverein Gewerkschaft der Arbeiter der Papierfabrik Mannergesangsverein der Papierfabrik und des Ortes St. Stefan am Gratkorn Ortsgruppe des Deutschen Schulvereins Musikverein St. Stefan bei Gratkorn Relativ unpolitisch ging es ledig- lich bei den Gratkorner Feuer- wehren zu und bei der 1912 ge- grtindeten Werksrettung des Ro- ten Kreuzes in der Papierfabrik. Besondere Bedeutung kam im kommunalen Bereich den sozi- aldemokratischen Vereinen zu, weil sich diese den vielfaltigen Problemen der zahlreichen Grat- korner Industriearbeiterschaft annahmen; auf die diversen ge- werkschaftlichen Vereine und Vorsorgevereine wurde bereits hingewiesen. Mit dem Ende der Monarchic und einer liberalisier- ten Gesetzgebung wuchs besom- ders die Zahl dieser sozialdemo- kratisch orientierten Vereine in Gratkorn. Im Jahre 192123 er- folgte die Grfundung des Arbei- ter - Radfahrerbundes "Zugvo- gel" (heute ARBO), nachdem bereits ein 6rtlicher Vorganger- verein existiert hatte. 1922 wurde die Ortsgruppe der Kinderfreunde ( "S ozialdemokra- tischer Erziehungs- und Schulverein Freie Schule Kin- derfreunde") gegrtindet. 1923 erfolgte die Grtindung der Orts- gruppe der Naturfreunde, 1924 entstand der "Arbeiter - Turn - und Sportverein", 1925 der "Freidenkerbund" und 1933 der Arbeiter - Feuerbestattungs- verein "die Flamme". Die aus tiber 300 Mitgliedem bestehen- de Ortsgruppe des Republikani- schen Schutzbundes entstand 1923. Die politischen Ziele waren ein- deutig: Insbesondere der Freidenkerbund verstand sich als eine Organisation, die den Ar-
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