Geschichte Gratkorns
vereins der Arbeiterschaft der Papier- und Papierstoff - Indu- strie Osterreichs". Auch dieser Verein hielt seine Zusammen- ktinfte in Reichels Gasthaus ab. Ebenfalls frtih, im Jahre 1884, erfolgte die Grfundung des Man- nergesangsvereines der Papier- fabrik. Dieser Verein verfolgte klerikal - groBdeutsche Tenden- zen und befand sich spater, in der Ersten Republik, am auBerst "rechten" Rand des politischen Spektrums. Gewichtige Diffe- renzen mit sozialdemokrati- schen Vereinen waren somit un- ausbleiblich. Die Vereinschronik des Manner- gesangsvereines, die in einer Abschrift teilweise erhalten ist, gibt Einblick in die politischen Gegensatze derjungen Republik auf kommunaler Ebene. So muB- te der Verein im Jahre 1920 eine Sonnwendfeier abbrechen, weil die sozialdemokratische Arbei- terschaft auf Parolen wie "Hoch Kaiser Wilhelm" relativ gereizt reagierte. Die Gegensatze vcr- scharften sich, als der Verein im Jahre 1937 unter der Leitung Ja- kob W6hrers am "Deutschen Sangerbundfest" in Breslau teil- nahm, das, so die Vereins- chronik, der "Ftihrer des Rei- ches Adolf Hitler durch seine Anwesenheit versch6nte". Der so geschichtstrachtige Verein muBte seine Tatigkeit im Laufe des Zweiten Weltkrieges einstel- 1en, wurde damn neu gegrtindet und beteiligte sich fortan unter dem Namen "Mannergesangs- verein Jakob W6hrer mit Frauen- chor" erfolgreich und unpolitisch am Gratkorner Vereinsleben. Offensichtlich als Gegenpol zum Mannergesangsverein der Pa- pierfabrik grtindete Gustav Novak, ein Gratkomer Sozialde- mokrat der "ersten Stunde", im Jahre 1899 den Arbeiter- gesangsverein "Bruderbund" auf sozialdemokratischer Grundla- Der Mannergesangsverein der Papierfabrik im Jahre 1914. Mittelreihe 9. v. `li.: Herr Hopfgartner, letzte F}eihe 2. v. Ii.: Herr Heitra. (Sammlung K. Thannen) Arbeitergesangsverein Grat- korn,1922. Ganz links, sitzend, Burgermeister Anton Kamper. (AG)
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