Geschichte Gratkorns

tungsrat erklart sich auBerstan- de, den gestellten Forderungen der Arbeiter zu entsprechen. Die 6sterreichische Papierindustrie leidet seit Jahren sehr unter dem Druck der Steuerlast und der Uberproduktion und muB alle Krafte aufwenden, urn export- fahig zu bleiben, da mit den Aufli6ren des Exportes eine Ka- tastrophe fur die ganze Industrie unausbleiblich ware. Die Bestre- bungen der Arbeiter in dieser Industrie mtissen daher aus- sichtslos bleiben, solange der 8- sttindige Arbeitstag nicht gesetz- lich und allgemein eingefuhrt ist.„ Am 21. Mai verschatfte sich die Lage neuerlich: "22. Mai 1890. Gestern abends wurde den Ar- beitem angektindet, heute mor- gens 9 Uhr werde die Lohnab- rechnung stattfinden. Die Arbei- ter erklarten, daB sic auch die Aufteilung der Fabrikskranken- kasse fordem, und daB sie nicht frfuher vom Platze weichen wtir- den, als bis diese Forderung er- fullt werde. Da die Forderung den Statut der Krankenkasse widerspricht, tiberdies anlaBlich der infolge der Abrechnung vor- zunehmenden Delogierung Ru- hest6rungen zu befurchten wa- ren, so hat die politische Beh6r- de Militarassistenz angespro- chen und es ist heute urn drei- viertel 8 Uhr morgens ein halbes Bataillon Belgier Infanterie mit- tels Seperatzuges mach St. Ste- fan abgegangen." Die Gertichteb6rse bltihte und Fabriksleitung bangte, daB die Arbeiterschaft Brandstiftungen plane und Gewalt anzuwenden bereit ware. Diese Vermutungen entbehrten jeder Grundlage, auch als sich die Arbeiter am 23 . Mai urn halb 4 Uhr morgens vor den Fabriksgebaude zu sam- meln begannen: "Urn 7 Uhr mar- schierte das GroB unter Vorantragung einer groBen weiB - roten Fahne auf. Nun trat der Herr Bezirkskommissar Dr. Hussak in die Menge und forder- te die Arbeiter dreimal auf, und zuletzt unter Androhung der Waffengewalt, au seinanderzuge- hen. Die Menge, bei 600 Man- ner und 300 Frauen, 1eistete die- ser Aufforderung keine Folge. Dr. Hussak lieB nun die Gendar- merie vorrticken, welche die Menge zerstreute und den Fah- nentrager die Fahne wegnahm. Zwei Arbeiter, von denen der eine die Gendarmerie be- schimpfte, der andere Wider- stand leistete, wurden verhaftet. Als urn viertel 9 Uhr das Halb - Bataillon unter dem Kommando des Oberstleutnants Adolf Schadek aufmarschierte, hatten sich wieder zahlreiche Arbeiter auf den StraBen gesammelt, wel- che das Militar mit Latin emp- fingen. Unter denj enigen, welche das Militar verh6hnten, befand sich ein Mann in der Unifomi des Eisenbahn - Regiments. Diesen lieB der Oberstlt. so fort aus der Menge herausfangen und in den Arrest setzen. Die {Menge wurde durch die Truppen versprengt, worauf die Compagnien das Fabriksgebaude besetzten. Es wurden die n6tigen Wachen auf- gestellt und auf dem Cellulose- turn, von welchem man den gan- zen Fabrikskomplex tibersehen kann, ein Observationsposten eingerichtet." Es kam in der Folge zu emeuten Verhandlungen zwischen der Direktion und der Arbeiterschaft. Zwei Arbeiter reisten sogar mach Wien, urn direkt mit der Kon- zemleitung zu verhandeln. Am 26. Mai 1890 war der Streik beendet. Der Verwaltungsrat hat-

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