Geschichte Gratkorns

EIRE FELHIREHSF®ENE AusF BEffi JASERE Eine fast unbemerkte H6h!e, abseits der Wanderwege war sie fur den Brennseppl Schlafstatte. Bechts sieht man noch die verkohlte Felswand, in diesem Bereich hatte er seine Feuer- stelle. (Samm!ung Samitsch) Er hieB nicht Fred. Auch hatte er keinen Saurier als Haustier, h6chstens Ratten und Bewohner des Erdreiches. Auch Wilma gab es nicht, sic konnte ihn deshalb auch nicht vor die Ttir setzen. Er hauste ja schlieBlich in einer H6hle. Jene, die ihn gekannt hat- ten, nannten ihn Brennseppl. Er war einsam, 1ebte zurtickgezo- gen. Er fristete sein Dasein. Ei- gentlich fiel er niemandem auf, deshalb weiB man auch nicht so genau, wann er mach Gratkorn gekommen ist. "Es muf3 so im 35er Jahr gewesen sein. Da ist er unten eingezogen. Der war sicher kein Gratkorner." be- richtet Katharina Stelzl, die Hasel- bauerin im FreBnitzviertel.1 "Er war ein Walzler, ein Umageher halt, so wie das frt]her halt war." Die Walz - in vielen Liedem be- sungen, in vielen Bildern ver- ewigt, geh6rte jahrhundertelang zum wichtigsten Brauchtum des Handwerks : wer nicht gewandert war, konnte nirgends Meister werden. Walzler waren Bur- schen, die nach Romantik ro- chen. Sic waren begehrt, als Ar- beiter bei den Bauersleuten, als Liebhaber bei den Dirnen. Der aus der Werkstattenge und der Bevormundung seines Arbeitge- bers ausbrechende junge Mann wurde so zum Symbol fur ein un- gebundenes und freies Leben. Aber sic waren auch oft erschtit- ternde Zeugnisse, aus denen Not und Entbehrung, Arbeitslosig- keit und Verelendung der Fah- renden sprach. "Er hat halt nirgends einen Platz bekommen. Es waren damals schlechte Zeiten. Da hat er es sich dann hinten unten in der H6hle be- quem gemacht." Diese H6hle befindet sich unter dem Haselbauer 6stlich der Jasenmtihle. Sic liegt versteckt und geschtitzt abseits der Wan- derwege. Bislang blieb sie wis- senschaftlich unentdeckt2 , nur die Bauem in der naheren Um- gebung wissen von ihrer Exi- stenz. Lanz Ambros, der alte Tomabauer, kennt sogar ihren Namen: "Frauenloch haben wir zu ihr ge- sagt, weil ursprtlnglich hausten da ja Frauen drinnen. Irgendwann im Mittelalter wurden ein paar Klosterl schwestern aus ihrer Heimat in Frankreich vertrieben, das waren namlich Hexen, und die kamen dann bis nach Gratkorn und ver- steckten sich in dieser H6hle.''3 0b diese Geschichte am Schei- terhaufen endete, bleibt unbesta- tigt ... Gleich am Eingang zu seinem steinigen Domizil hatte der Brennseppl seine Feuerstelle, daneben war sein Bett aus Stroh, urn in kalten Tagen die Warme des Feuers zu sptiren. War er also ein wirklicher "Fred Feuer- stein"? "Der hat keine !angen Haare ge- habt, hat ganz normal ausge- schaut. Er war ganz ein harm!oses Mandl, da hat man keine Angst ha- ben brauchen bei ihm. Ich weiB gar nicht, ob er einma[ verheiratet war oder nicht. Wie er da gewohnt hat, da war er allein. Da ware ihm kei- ne geblieben. Ich hatte mich auch nicht getraut", weiB die Haselbauerin, die da- mals gerade 16 Jahre alt war. Un- gebunden und frei, ein Ausstei- ger, ein Lebens-Ktinstler k6nnte man meinen. Sein Handwerk war bei den Bauern nicht gefragt, wohl aber seine ktinstlerischen Erzeugnisse. Aus dem Werkstoff Holz schuf er verzierte Stiele fur Besen oder Schaufeln, die brand- verzierten Bilderrahmen gaben ihm schlieBlich auch seinen Namen: Brennseppl.

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